Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Deutsche/Commerzbank Zielke drängt, Sewing bremst

Stand: 11.04.2019, 09:28 Uhr

Willst Du mich heiraten? Commerzbank-Chef Martin Zielke scheint dazu wild entschlossen. Laut Medienberichten drängt er Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zur Blitzehe. Dieser dagegen ziert sich…

Es ist wie im richtigen Leben: Es gibt immer einen der beiden Partner, der schneller die Ehe will als der Andere. So auch bei der geplanten Hochzeit zwischen Deutsche Bank und Commerzbank. Als Treiber erweist sich hier offenbar zunehmend der eigentlich als Zauderer geltende Commerzbank-Chef Martin Zielke. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" drückt der 56-Jährige Hesse aufs Tempo. Er wünscht bis Ostern Klarheit.

Sewing gegen Übernahmeprämie

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Doch dem Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing geht das alles zu schnell. Bei einem Treffen mit Zielke am Dienstagabend machte er laut der "Welt" klar, dass er sich nicht drängen lassen will. Nach Ansicht von Sewing reiche das bisherige Zahlenmaterial nicht aus, um einen möglichen Zusammenschluss zu prüfen. Zudem sei er nicht bereit, die bei solchen Deals übliche Übernahmeprämie von 20 bis 30 Prozent zu zahlen. Sewing wolle am liebsten erst nach Ostern eine Entscheidung treffen.

In der Frankfurter Bankenszene schüttelt man den Kopf über das forsche Vorgehen des Top-Commerzbankers. "Warum präsentiert sich Zielke so?", fragen sich manche. Sollte der Deal zwischen den Gelben und den Blauen platzen, stünde der Manager beschädigt da. Möglicherweise wolle Zielke mit der Bankenfusion von den eigenen Problemen ablenken, so ein Beobachter.

Zielke sieht kein Kulturproblem

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Zielke hat zuletzt versucht, Bedenken zu entkräften, eine Integration von Deutscher Bank und Commerzbank könnte an den großen kulturellen Unterschieden der beiden Institute scheitern. "Wir haben es schon einmal erfolgreich geschafft, zwei Häuser mit sehr unterschiedlichen Kulturen innerhalb von 1.000 Tagen zusammenzuführen", verwies der Commerzbank-Chef auf die Übernahme der Dresdner Bank vor einem Jahrzehnt. Ein Zusammengehen mit einem anderen Haus sei zwar immer komplex, könne aber auch Spielräume eröffnen. "Denken Sie etwa an Investitionen in IT und Regulatorik."

Gleichzeitig betonte Zielke, die Commerzbank müsse wegen der niedrigen Zinsen, den damit einhergehenden niedrigen Margen und den steigenden Kosten wachsen. "Nur mit deutlich höheren Marktanteilen werden sich die notwendigen Investitionen rechnen."

Die Zeit drängt

Kurz nach Ostern - am 26. April - legt die Deutsche Bank ihre Zahlen zum ersten Quartal vor, am 8. Mai enthüllt die Commerzbank ihre Bilanz. Am 22. Mai lädt die Commerzbank zur Hauptversammlung nach Wiesbaden, einen Tag darauf folgt die Deutsche Bank mit ihrem Aktionärstreffen. Bis dahin sollte es mehr Klarheit über den Flirt der beiden größten privaten deutschen Geldinstitute geben.

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner sieht zahlreiche Vorteile in einer Fusion mit der Commerzbank. Kürzlich wandte er sich gegen Kritiker, die ein fusioniertes Institut für zu groß und gefährlich halten. Generell gelte, dass Größe in der Finanzbranche wichtig sei. "Vielleicht ist unser Problem nicht 'too big to fail' sondern 'too small to scale'. Size matters." Volkswirtschaftlich mache ein Zusammenschluss sehr viel Sinn. "Ob das betriebswirtschaftlich Sinn macht, gilt es zu überprüfen."

nb