Commerzbank und Commerzbank-Tower in Frankfurt

Kritik von der EZB und Probleme mit der M-Bank Commerzbank in der Zwickmühle

Stand: 11.02.2020, 14:32 Uhr

Ende Februar begeht die Commerzbank ihren 150. Geburtstag. Doch Grund zum Feiern hat das Geldinstitut wenig. Der Verkauf der polnischen M-Bank droht zu platzen. Und nun äußert auch noch die EZB Zweifel am Geschäftsmodell der Bank. Die Anleger sehen das gelassen.

Die europäische Bankenaufsicht hat offenbar der Commerzbank eine schallende Ohrfeige verpasst. Auf der Aufsichtsratssitzung am 4. Dezember habe ein Vertreter der EZB-Bankenaufsicht die geringe Profitabilität des Instituts angeprangert und die Renditeziele als wenig ambitioniert bezeichnet, berichtet das "Handelsblatt" am Dienstag unter Berufung auf Insider. Der EZB-Aufseher hat demnach die Bank zu stärkeren Kostensenkungen aufgefordert.

Braucht die Commerzbank einen Plan B?

Die Commerzbank sollte einen Plan B haben, falls sie mit ihrer aktuellen Strategie nicht rentabler werde, mahnt die europäische Finanzaufsicht. Zwar ist es durchaus üblich, dass die Finanzaufsicht kritische Anmerkungen zu Banken macht. Aber eine solch harsche Kritik ist ungewöhnlich. Dementsprechend intensiv soll die Diskussion im Aufsichtsrat der Commerzbank mit den Bankenaufsehern gewesen sein, schreibt das "Handelsblatt".

Tatsächlich könnte es für die Commerzbank schwieriger werden, ihre Rentabilität zu verbessern. Denn der eigentlich für dieses Jahr geplante Verkauf der lukrativen polnischen Tochter M-Bank droht aufgeschoben oder gar abgeblasen zu werden. Für das Institut gebe es wohl nur einen ernsthaften Bieter, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Informationen aus Finanzkreisen. Bis zum Ablauf einer ersten Frist Ende Januar habe lediglich die teilstaatliche, zweitgrößte Bank Polens Pekao ein Angebot abgegeben.

Darüber hinaus hätten zwar auch die US-Finanzinvestoren Blackstone und Apollo ein Angebot eingereicht. Beide sind aber nach Aussage von Insidern des Verkaufsverfahrens inzwischen nicht mehr im Rennen. Ob ihre Angebote der Commerzbank zu niedrig gewesen seien oder ob die Finanzinvestoren von sich aus die Reißleine gezogen hätten, sei unklar.

M-Bank-Verkaufsprozess stockt

Nach Informationen aus Finanzkreisen schrecken offenbar die hohen Franken-Kredite der M-Bank Investoren ab. Das Institut hatte wie viele andere Banken vor der Finanzkrise Kredite in der Schweizer Währung an polnische Kleinsparer zur Immobilienfinanzierung vergeben. Die Zinsen für Kredite in Franken waren deutlich niedriger als in Zloty. Als aber der Franken aufwertete, bekamen viele polnische Sparer in Schwierigkeiten, die Kredite in der Schweizer Währung mit ihrem Einkommen in Zloty zu tilgen.

Nach zahlreichen Klagen von Polen erklärte der Europäische Gerichtshof Kreditverträge mit Fremdwährungsklauseln für nichtig. Bankkunden, die Kredite in Franken aufgenommen hatten, können die Umrechnung in die Landeswährung verlangen, entschieden die Richter. Kreditnehmer können nun auf Entschädigung hoffen, den polnischen Banken drohen hohe Belastungen.

Commerzbank benötigt Geld für Investitionen

Arbeiter demontieren den Schriftzug an einer Commerzbankfiliale.
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ARD-Börse: Commerzbank-Umbau überzeugt Anleger (noch) nicht

Für den teuren Umbau braucht die Commerzbank Geld. Der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der M-Bank sollte einige Millionen in die Kasse spülen, die unter anderem in den Ausbau der IT-Infrastruktur investiert werden sollen.

Zu den Pressespekulationen äußert sich die Commerzbank nicht. Mögliche Aussagen könnte es am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz geben, wenn Vorstandschef Martin Zielke die Zahlen präsentiert.

Aktie erholt sich weiter

Die Aktie der Commerzbank legt am Dienstag um ein Prozent zu. Auf Ein-Jahres-Sicht hat sie knapp neun Prozent eingebüßt. Allerdings hat sich der MDax-Titel in den letzten zwei Wochen etwas erholt.

Das Ziel, 2019 den Gewinn zu steigern, musste das zweitgrößte Geldinstitut im Herbst kassieren. Analysten erwarten im Schnitt unter dem Strich 586 Millionen Euro Gewinn. Im Vorjahr hatte es einen Überschuss von 865 Millionen Euro gegeben.

Von den 26 bei Bloomberg erfassten Analysten raten 14 zum Halten der Aktie, acht sind für Verkaufen. Nur vier Analysten finden, dass man derzeit einsteigen sollte. Im Schnitt setzten die Experten der Aktie ein Kursziel von 5,74 Euro und liegen damit praktisch auf dem aktuellen Kursniveau.

nb