Dieter Hein, Fairesearch

Interview "Coba-Aktie wäre der Gewinner"

Stand: 18.03.2019, 14:31 Uhr

Sollte es tatsächlich zu einer Fusion der beiden deutschen Großbanken kommen, würden Commerzbank-Papiere davon am meisten profitieren, betont der unabhängige Bankenexperte Dieter Hein von Fairesearch im Gespräch mit boerse.ARD.de. Doch dass es soweit kommt, ist keineswegs ausgemacht.

boerse.ARD.de: Herr Hein, die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank reagieren überaus positiv auf die Fusionsgespräche. Überrascht Sie das?

Dieter Hein: Nein, keineswegs. Denn solche Gespräche regen natürlich immer die Fantasie der Börse an. Beide Banken sind im europäischen Vergleich bei den Bewertungen die schlechtesten, sprich die billigsten. Sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei der Commerzbank kann man für 25 Cent einen Euro Eigenkapital kaufen. Da muss man sich schon fragen: Warum hat das noch keiner gemacht? Ganz einfach deshalb, weil es diese Banken selbst unter den ausgezeichneten ökonomischen Rahmenbedingungen, die wir hierzulande seit Jahren haben, nicht geschafft haben, Geld zu verdienen. So hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr unterm Strich einen Verlust von einem Cent je Aktie gemacht. Das große Problem der Deutschen Bank ist, dass sie an ihrer Strategie festhält, eine globale große Investmentbank sein zu wollen. Obwohl das eine Strategie ist, die wahnsinnig viel Geld und wahnsinnig viel Reputation gekostet hat.

boerse.ARD.de: Wie passt denn die Commerzbank in diese Strategie?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hein: Gar nicht. Die Commerzbank hat nichts, was die Deutsche Bank wirklich braucht. Der Charme sind die großen Überlappungen im Privatkundengeschäft und die daraus resultierenden potenziellen Synergieeffekte. Die Deutsche Bank wäre derzeit aus meiner Sicht bei einer Übernahme der Commerzbank lediglich daran interessiert, möglichst viele Kunden zu übernehmen. Die Commerzbank als Einheit könnte danach abgewickelt werden. Wir sprechen hier über den Abbau nicht von ein paar Tausend, sondern von ein paar Zehntausend Arbeitsplätzen: 20, 30, vielleicht sogar 40.000 Arbeitsplätze könnten einer Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank zum Opfer fallen.

boerse.ARD.de: Sollte es mit der Fusion tatsächlich klappen, welche Aktie dürfte davon am meisten profitieren: die Deutsche Bank oder die Commerzbank?

Hein: Natürlich die Aktie der Commerzbank. Denn es wäre ja keine Fusion, sondern eine Übernahme. Die Deutsche Bank müsste also eine Übernahmeprämie zahlen. Davon würden die Commerzbank-Aktionäre profitieren. Zugleich hätten sie im Anschluss nicht das Risiko zu tragen, dass die versprochenen Synergien vielleicht gar nicht realisiert werden. Denn auch bei den letzten beiden Übernahmen – Dresdner Bank durch Commerzbank und Postbank durch Deutsche Bank – wurde uns immer das Blaue vom Himmel versprochen. Tatsächlich wurden die versprochenen Synergien bezüglich der Profitabilität bisher nie realisiert. Zudem ist die Übernahme noch keineswegs in trockenen Tüchern. Denn ich glaube schon, dass der Bund und speziell Finanzminister Olaf Scholz von der SPD mit einem solch massiven Stellenabbau so seine Probleme hätte. Denn Scholz würde es sich so mit der Gewerkschaft komplett verscherzen. Diese Übernahme kann also noch jederzeit scheitern.

boerse.ARD.de: Und wie ginge es dann mit Deutsche und Commerzbank weiter?

Hein: Da müssten sich die Aktionäre endlich einmal überlegen, ob man bei beiden Häusern das derzeitige Management inklusive Aufsichtsrat einfach so weiterwurschteln lassen will. Bei der Deutschen Bank ist das Grundproblem der Fokus auf das unprofitable, teure und riskante Investmentbanking. Bei der Commerzbank sind es die alten Seilschaften. Mittlerweile durchläuft die Commerzbank bereits das dritte Restrukturierungsprogramm. Der Bund müsste endlich die Realität akzeptieren, dass das alte Management von der Commerzbank nicht fähig ist, die Bank zu reformieren. Er müsste die alten Seilschaften kappen und das alte Management vor die Tür setzen.

boerse.ARD.de: Herr Hein, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Angela Göpfert.