Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main

Harter Sanierungskurs Commerzbank: 7.000 Stellen in Gefahr?

Stand: 29.06.2020, 08:50 Uhr

Es ist noch nicht lange her, da versprach Commerzbank-Chef Martin Zielke, alle Filialen erhalten zu wollen. Nun könnte es doch zu massiven Schließungen und tausenden Stellenstreichungen kommen.

Die Bank will am 5. August bei der Bekanntgabe der Sechs-Monats-Zahlen Einzelheiten zu den geplanten Sparmaßnahmen vorstellen. Damit reagiert das Geldhaus auf die massive Kritik von Großinvestor Cerberus. Der Hedgefonds hält fünf Prozent der Anteile und hat die Bank zu einem Strategieschwenk, verbunden mit einem harten Sparkurs aufgefordert.

Nun berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider, die Commerzbank könnte im Rahmen des neuen Sanierungskurses bis zu 7.000 Stellen abbauen, deutlich mehr als im vergangenen Herbst angekündigt. Zudem sollen rund 400 Filialen geschlossen werden.

Zu hohe Kosten

Letzten September hatte Bankchef Martin Zielke den Abbau von 2.300 oder rund sechs Prozent der Vollzeitstellen und die Schließung von jeder fünften der rund 1.000 Filialen angekündigt. Dabei sollten die Kosten bis 2023 um rund 600 Millionen Euro auf weniger als 6,3 Milliarden Euro gesenkt werden.

Nun wird es also eine zusätzliche Sparrunde geben. "Wir arbeiten weiter am Kostenmanagement, wo wir über die aktuellen Pläne hinaus zusätzliches Potenzial sehen", sagte Zielke zuletzt vor zwei Wochen.

Wichtige AR-Sitzung an diesem Mittwoch

Einem früheren Bloomberg-Bericht zufolge empfehlen die Berater von Boston Consulting eine deutliche Verkleinerung des Filialnetzes. Die geplante Senkung der Kosten um rund 600 Millionen Euro bis 2023 sollte dadurch doppelt oder dreimal so hoch ausfallen wie vom Management vorgesehen. Allein durch die Schließung zusätzlicher Filialen könnte die Bank das Einsparziel auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro anheben.

Konkrete Entscheidungen gibt es noch nicht. Laut Bloomberg wollen Zielke und die Finanzchefin Bettina Orlopp die neuen Ziele bei einer Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch vorstellen. Noch sei aber nicht entschieden, welche Sparziele dem Aufsichtsgremium vorgestellt werden sollen.

Zweifel an der Notwendigkeit harter Einschnitte

Viele Führungskräfte hätten Zweifel, ob diese massiven Einschnitte machbar sind. Deshalb sei es auch noch möglich, dass die geplanten Stellenstreichungen oder Filialschließungen nicht so extrem ausfallen könnten. Nach Bloomberg-Informationen könnte das Sparziel innerhalb der neuen Pläne verdoppelt werden.

Im September hatte Zielke angekündigt, drücken zu wollen. In dieser Summe sind die Aufwendungen der polnischen Tochter mBank enthalten. Deren geplanter Verkauf musste die Commerzbank im Mai wegen eines zu geringen Interesses von potenziellen Käufern abblasen.

Auch bei der Eigenkapitalrendite dürfte Zielke ein mittelfristig etwas ehrgeizigeres Ziel formulieren als bisher. Zwar wurde die bisher angepeilte Rendite von gut vier Prozent bisher als wenig ambitioniert und enttäuschend eingestuft, doch haben sich die Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie drastisch verschlechtert. Die Commerzbank musste ihre Risikovorsorge für faule Kredite um mehrere Hundert Millionen Euro anheben. Das belastet die Rendite - zumindest in diesem und im nächsten Jahr.

lg