Commerzbank und Commerzbank-Tower in Frankfurt

Ungewisse Zukunft Cobank: Warum der Verkauf stockt

Stand: 07.02.2018, 08:38 Uhr

Monatelang wurde im letzten Herbst über eine mögliche Übernahme der Commerzbank spekuliert. Passiert ist bis heute nichts. Das hat auch mit der schleppenden Regierungsbildung in Berlin zu tun.

So ist der Bund mit einem derzeitigen Anteil von 15,6 Prozent immer noch der größte Anteilseigner des zweitgrößten deutschen Geldhauses. Rund 18 Milliarden Euro steckte Berlin in der Finanzkrise in das Frankfurter Institut, um es vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Seither gibt es immer wieder Spekulationen über einen baldigen Ausstieg des Bundes. Ein Verkauf der Anteile stößt allerdings auf mehrere Hindernisse. Eines ist der verheerende Kursverfall der Commerzbank-Aktie seit der Krise. Rund fünf Milliarden Euro müsste Berlin mit den Aktien erlösen, um ohne Verluste aus der Beteiligung herauszukommen, haben Experten ausgerechnet. Zu dumm nur, dass der Aktienkurs ein solches Szenario auf absehbare Zeit unmöglich macht. Denn dazu müssten die Titel auf einen Kurs von knapp 26 Euro steigen.

Noch keine Regierung

Davon ist das Coba-Papier allerdings weit entfernt. Trotz der spekakulären Erholung im vergangenen Jahr - die Aktie legte um 66 Prozent zu - ist sie derzeit gerade einmal 12 Euro wert, also nur knapp die Hälfte der vom Bund erwünschten Höhe. Kein Wunder also, dass der Bund bisher immer wieder abgewunken hat. "Unsere Position zur Commerzbank war und ist unverändert. Wir stehen nicht unter Zeitdruck", heißt es aus dem Finanzministerium. Ziel sei es, für den Steuerzahler "perspektivisch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis“ zu erzielen.

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Unternehmen

Das Problem dabei ist aber nicht nur die schwache Kursentwicklung der Cobank-Aktie: Ausgebremst wird ein möglicher Ausstieg des Bundes auch durch die Tatsache, dass Deutschland seit den letzten Bundestagswahlen im September 2017 noch ohne eine neue vereidigte Regierung dasteht. Das für den Anteilsverkauf zuständige Finanzministerium könnte unter einem wahrscheinlichen Minister Olaf Scholz wieder Bewegung in das Thema bringen.

Was macht BNP Paribas & Co?

Als möglicher Käufer der Anteile des Bundes wurden im vergangenen Jahr immer wieder ausländische Konkurrenten ins Spiel gebracht, darunter der französische Platzhirsch BNP Paribas. Regierungssprecher Christophe Castaner hatte sogar ein mögliches Interesse des Geldhauses an der Commerzbank begrüßt. Castaner reagierte damit auf einen Bericht des Enthüllungsblatts "Le Canard Enchainé“, wonach Präsident Emmanuel Macron eine Annäherung der beiden Kreditinstitute gerne sehen würde.

Castaner sagte: Für ihre Expansion im Ausland sei BNP Paribas zwar selbst zuständig. Die Regierung bergüße es aber, dass die Bank sich auch Deutschland und einer so wichtigen Bank wie der Commerzbank hinwendet. Die Bank selbst hat sich bis heute nicht offiziell dazu geäußert.

Gleichzeitig mit der BNP wurden auch andere europäische Häuser als Kaufinteressent genannt, darunter die italienische Unicredit und die Schweizer UBS. Sogar über eine mögliche Fusion mit der Deutschen Bank wurde spekuliert. Eine komplette Übernahme der zweitgrößten deutschen Bank wurde aber nicht in Aussicht gestellt.

Zu unrentables Privatkundengeschäft

So sei das Privatkundengeschäft in Deutschland einfach zu unrentabel. Die Commerzbank habe aber auch einige "attraktive Filetstücke" zu bieten, etwa wenn sie bei einem Rückzug auf das Kerngeschäft nicht-strategische Teile veräußere. Verwiesen wurde in diesem Zusammenhang auch darauf, dass der heutige UBS Schweiz-Chef Martin Blessing bis 2016 die Commerzbank geleitet habe. Auch UBS-Präsident Axel Weber sei mit den Geldhaus vertraut, so habe er 2008 als damaliger Bundesbank-Präsident dessen staatliche Rettung koordiniert. Die UBS wollte den Bericht nicht kommentieren - und geschehen ist bis heute nichts.

Das gilt auch für das vermeintliche Interesse der Unicredit und das der französischen Credit Agricole. Ein weiterer Faktor, der mögliche Kaufinteressenten abschrecken dürfte: Sie wären nicht mehr die einzigen Großaktionäre bei der Commerzbank.

Und jetzt auch noch Cerberus

Seit dem Sommer hält der US-Investor Cerberus mehr als fünf Prozent an der Bank; ihr Anteil macht sie zum zweitgrößten Aktionär nach dem Bund. Und das offenbar für längere Zeit. "Wir sind keine Heuschrecken, die rasch weiterziehen. Wir sind langfristige Investoren mit einer Historie", sagte Mark Neporent, der als Chefsyndikus und Chief Operating Officer (COO) zum Führungskreis um Cerberus-Gründer Stephen Feinberg gehört, im Herbst.

lg