Commerzbank und Commerzbank-Tower in Frankfurt

Sinkende Einnahmen Ausblick: Cobank unter keinem guten Stern

Stand: 05.02.2018, 16:04 Uhr

Einen Verlust wie die Deutsche Bank dürfte die Commerzbank bei der Bilanzvorlage am morgigen Donnerstag zwar nicht ausweisen. Doch gute Zahlen sind auch nicht zu erwarten. Und manch Analyst hat sein Urteil längst gefällt.

Geradezu vernichtend - und in der Bankenwelt ungewöhnlich offen - ist die Bewertung von Daniele Brupbacher ausgefallen, der für die Schweizer UBS die Commerzbank beobachtet: Er hat Anfang Februar die Aktie von "Neutral" auf "Verkaufen" abgestuft, das Kursziel auf 11,60 Euro festgesetzt. Mittlerweile sei im Aktienkurs - er notierte zu der Zeit um die 13 Euro herum - eine viel zu hohe Eigenkapitalrendite der Bank eingepreist.

Eine ähnlich skeptische Beurteilung kommt von Andreas Pläsier vom Analysehaus Warburg Research. Zwar macht das Geldhaus auf der Kostenseite Fortschritte. Auch werde der Konzern von steigenden Zinsen profitieren. Doch betrachtet er die Hoffnung auf steigende Einnahmen als zu ambitioniert.

Einnahmen gehen zurück

Tatsächlich ähnelt Deutschlands zweitgrößte Bank auch nach der x-ten Umstrukturierung und der - längst vergessenen - Übernahme der Dresdner Bank einem Gemischtwarenladen, der von allem etwas bietet, aber in keinem Segment den Marktführer stellt. Noch immer machen dem Institut Sparkassen, Volksbanken, Landesbanken und natürlich die zahlreichen ausländischen Anbieter das Leben schwer.

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Unternehmen

So dürften die Einnahmen im vergangenen Jahr weiter gefallen sein, auf gut neun Milliarden Euro, nach 9,4 Milliarden im Vorjahr und 9,8 Milliarden 2015. Bereits in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres sind die Erlöse gesunken. Auch das operative Ergebnis ging zurück, besonders im Firmenkundengeschäft.

Bescheidenes Ergebnis erwartet

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,65
Differenz relativ
-0,95%

Dieser Trend hat sich vermutlich auch im vierten Quartal fortgesetzt. Analysten erwarten deshalb, dass die Bank für das Gesamtjahr einen Überschuss von gerade einmal 127 Millionen Euro ausweisen wird. 2016, dem ersten Jahr unter Vorstandschef Martin Zielke, waren es noch 279 Millionen. Auf eine Dividende werden die Aktionäre wohl weiter verzichten müssen.

Auch operativ macht die Commerzbank keine Fortschritte. So dürfte das Ergebnis weiter zurückgehen auf geschätzte 1,24 Milliarden Euro, nach 1,4 Milliarden im Vorjahr. Man darf gespannt sein, welche Erklärungen für den Rückgang der Vorstand diesmal auf Lager hat.

Krise noch nicht verdaut

Sicher ist: die Commerzbank hat die Folgen der Finanzkrise immer noch nicht verdaut. Die große Lücke zwischen operativem Ergebnis und Überschuss erklärt sich aus den hohen Restrukturierungsaufwendungen. Sie dürften im vergangenen Jahr gut 800 Millionen Euro betragen haben.

Zielke hat sich zum Ziel gesetzt, die Bank kleiner zu machen. Bis 2020 sollen dazu 9.600 der zuletzt gut 45.000 Vollzeitstellen gestrichen werden. Zugleich will die Bank 2.300 neue Arbeitsplätze in Einheiten im In- und Ausland schaffen.

Ziele zu ambitioniert

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
-1,88%

Angsichts der anhaltenden Ertrags- und Ergebnisschwäche halten viele Experten die von Zielke unter der Überschrift "Commerzbank 4.0" ausgegebenen Ziele für zu ambitioniert. Danach sollen die Erträge in zwei Jahren auf 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro anwachsen. Um mehr Geschäft zu machen, sollen bis 2020 zwei Millionen neue Kunden angeworben werden. Wie das angesichts des derzeitigen Schrumpfungsprozesses und in Anbetracht der übermäßigen Konkurrenz auf dem deutschen Bankenmarkt gelingen soll, bleibt abzuwarten.

Ein kleiner Trost bleibt der Commerzbank allerdings: Der traditionell argwöhnisch beäugte Konkurrent Deutsche Bank musste im vergangenen Jahr erneut tiefrote Zahlen ausweisen und hat seine Anleger schon lange vergrätzt.

lg