Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main

Aktie ganz dick im Plus Cobank: "Jeder neue Chef ist besser"

Stand: 06.07.2020, 14:12 Uhr

Die Commerzbank braucht einen neuen Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzenden, die Börse jubelt. Für die Nachfolger gibt es ganz viel zu tun.

Die Commerzbank-Aktie gewann in der Spitze um rund acht Prozent auf 4,48 Euro und war damit der stärkste Wert im MDax. Mit dem Rückzug von Zielke und Schmittmann scheine eine Übernahme des Instituts wieder auf der Tagesordnung, sagte ein Händler. Die Anleger scheinen der Meinung zu sein, dass "jeder neue CEO, wer auch immer das sein mag, keine schlechtere Arbeit als sein Vorgänger machen wird", sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Nach einem heftigen Streit um die künftige Ausrichtung der Bank hatten sowohl Vorstandschef Martin Zielke als auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann am vergangenen Freitagabend ihren Rückzug angekündigt. Zielkes Vertrag soll spätestens zum Ende des laufenden Jahres einvernehmlich aufgelöst werden, Schmittmann legt sein Mandat zum 3. August nieder. Die Personalien sind Thema einer Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch. Die ursprüngliche Diskussion über die zukünftige Strategie der Bank dürfte damit entfallen.

Keine Unterstützung mehr

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Imago

Zielke hatte den Rückhalt großer Investoren verloren. Der Finanzinvestor Cerberus, mit gut fünf Prozent zweitgrößter Aktionär der Bank hinter dem Bund, hatte mit seiner öffentlichen Kritik an dem schleppenden Konzernumbau und den wenig ambitionierten Plänen anderen Großaktionären aus dem Herzen gesprochen. Schließlich hatte Zielke nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank im Herbst eine Strategie präsentiert, an der Anleger und Bankenaufseher kein gutes Haar ließen.

Seit Monaten arbeitete der 57-Jährige daher an einer Verschärfung des Sparkurses und wollte die Pläne spätestens mit den Halbjahreszahlen am fünften August präsentieren. Laut Insidern steht mit dem Abbau von insgesamt 11.000 Stellen die Streichung von jedem vierten Arbeitsplatz im Raum. Auch könnten mit 400 Filialen doppelt so viele Geschäftsstellen geschlossen werden, wie geplant. Es ist nun fraglich, was mit den Plänen passieren wird. Darüber entscheiden werden wohl erst die neuen Vorsitzenden.

Diese müssen auch die Frage beantworten, ob klassische Filialbanken in der Zukunft überhaupt noch gebraucht werden. Der Markt scheint sich immer mehr in Richtung der Antwortmöglichkeit "nein" zu bewegen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Großaktionär Cerberus warnt vor Schnellschüssen bei der Neubesetzung der Konzernspitze. "Das plötzliche Ausscheiden des Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank erfordert ein geordnetes Nachfolgeverfahren zur Besetzung der vakanten Positionen", sagte ein Vertreter von Cerberus. "Zuerst muss ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gefunden werden, gefolgt von einem formellen, vom Aufsichtsrat geführten Prozess, um einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden zu bestimmen."

Neuer BdB-Präsident gesucht

Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) muss nach Ausschau nach neuem Personal halten. "Wenn Martin Zielke nicht mehr Vorstandsvorsitzender der Commerzbank ist, kann er nach unseren Statuten nicht mehr Mitglied im BdB-Vorstand sein und muss dann auch sein Amt als BdB-Präsident niederlegen", sagte ein Sprecher des Verbandes am Montag auf Anfrage. "Uns geht es jetzt darum, einen geordneten Übergang zu finden."

Zielke war erst am 22. April - also vor gut zehn Wochen - zum BdB-Präsidenten und damit zum obersten Repräsentanten der Privatbanken in Deutschland gewählt worden. Bislang war es Usus, dass der amtierende BdB-Präsident einen Vorschlag für seine Nachfolge macht. Entscheiden müssen die Gremien des Verbandes, der BdB-Vorstand wählt den Bankenpräsidenten schließlich aus seiner Mitte.

ME/dpa/rtr