VW-Fahrzeuge auf Chinas Straßen

Absatzminus von 7,5 Prozent Chinas Automarkt kommt ins Schleudern

Stand: 09.01.2020, 16:20 Uhr

Das Jahr des Schweins hat der Autoindustrie wahrlich kein Glück gebracht. Der chinesische Automarkt brach 2019 erneut ein. Die deutschen Premium-Hersteller BMW, Daimler und Audi konnten sich allerdings dem Negativtrend entziehen.

Viele Chinesen haben die Lust auf ein neues Auto verloren. Im vergangenen Jahr  wurden in der Volksrepublik lediglich 21 Millionen Fahrzeuge verkauft. Das sind 7,5 Prozent weniger als im Vorjahr, teilte der Branchenverband PCA (Passenger Car Association) mit.

Abschwung beschleunigt sich

Damit setzt sich der Abwärtstrend fort. Bereits 2018 war der Automarkt im Reich der Mitte um sechs Prozent geschrumpft - zum ersten Mal seit 1990. Der Zollstreit zwischen den USA und China sowie das schwächere Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik bremsten die Kauflust der Chinesen.

Das brachte auch die weltweite Autokonjunktur ins Stottern. Denn China ist das größte Zugpferd. Das Land macht gut ein Viertel der weltweiten Autoproduktion aus. Jahrelang war der Markt im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Die deutsche Autoindustrie macht gut 40 Prozent ihres Umsatzes im Reich der Mitte.

Hohe Überkapazitäten aufgebaut

Nach 20 Jahren kontinuierlichen Aufschwung habe US-Präsident Trump den Wachstumsprozess im chinesischen Automarkt zerstört, hadert Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Center Automotive Research. Weil die Autobauer mit weiterem Wachstum gerechnet und in Produktionsanlagen investiert hatten, herrschen jetzt Überkapazitäten. Dudenhöffer spricht von sechs Millionen Neufahrzeugen an Überkapazitäten.

Die schwächere Entwicklung trifft vor allem Massenhersteller und darunter vor allem die chinesischen Marken, die auf Käufer aus mittleren Schichten setzen. Daimler, BMW und zuletzt auch wieder Audi spürten die Krise nicht. Sie konnten deutlich mehr Autos verkauften. "Das Premium-Segment entwickelt sich deutlich besser als der Massenmarkt", sagt Paul Gong, Autoanalyst der UBS in Hongkong. 2019 "wurden 15 bis 20 Prozent mehr Premium-Autos abgesetzt".

Nachfrage nach E-Autos eingebrochen

Besonders schlecht lief es für die E-Autobranche. Der Absatz der Stromer brach teilweise um über 30 Prozent ein. Mehrere chinesische E-Autobauer dürften in diesem Jahr fusionieren oder gar pleite gehen.

2020 wollen Tesla und VW aber die Chinesen wieder elektrisieren. Sie wollen im E-Auto-Bereich voll aufdrehen und eröffnen hierfür neue Werke in Shanghai, in denen Stromer hergestellt werden.

Kommt die Wende 2020?

Mehrere Branchenbeobachter glauben, dass sich der chinesische Automarkt 2020 wieder stabilisiert. Denn dass 2019 so wenig Autos verkauft wurden, liege an den Subventionen und Steuererleichterungen in den Jahren zuvor, erklärte Zeng Zhilin von der Unternehmensberatung LMC Automotive gegenüber dem ARD-Korrespondentenbüro in Shanghai. Da diese Sondereffekte nun keine Rolle mehr spielen, dürfte seiner Einschätzung nach in diesem Jahr der Markt zur Normalität zurückkehren.

Ein leichtes Wachstum von 0,6 Prozent prognostiziert Zeng. Nicht so optimistisch sind andere Experten wie Ferdinand Dudenhöffer. Er glaubt, dass Chinas Automarkt 2020 erneut zurückgehen wird – wenn auch nur leicht.

Eine wichtige Rolle könnte im April die Beijing Autoshow spielen. Dort sind alle großen Autohersteller präsent, Selbst Tesla wird dabei sein. "China definiert die Autowelt", sagt Autoexperte Dudenhöffer.

nb