Dieter Zetsche präsentiert die in China gebaute neue Langversion der C-Klasse Limousine von Mercedes-Benz

Nach Einstieg von Großaktionär Li Chinesische Revolution bei Daimler?

von Lothar Gries

Stand: 27.04.2018, 06:45 Uhr

Wird schon bald der letzte Mercedes mit Verbrennungsmotor vom Band laufen? Der neue Großaktionär Li Shufu setzt jedenfalls voll auf die Elektromobilität. Daimlerchef Dieter Zetsche hält sich alle Optionen offen.

Es habe zwar weitere Gespräche mit dem neuen Großaktionär Li Shufu gegeben, doch diese seien noch nicht über ein Kennenlernen und ein sehr frühes Stadium hinausgegangen, sagte Zetsche am Mittwoch auf der Automobilmesse in Peking. Bereits zuvor hatte der Daimler-Chef den Einstieg des chinesischen Milliardärs als "Start zu einer bisher noch offenen Zukunft" beschrieben.

In Peking betonte er nun: "Alles, was konventionelle Antriebe bis 2022 angeht, diskutieren wir zuerst mal mit unseren bisherigen Partnern", sagte Zetsche. Die Rede ist von den chinesischen Autobauern BAIC und BYD. Mit BAIC präsentiert Mercedes auf der Automesse des größten Absatzmarkts der Welt eine extra für den chinesischen Markt entwickelte Limousinenversion der A-Klasse, die junge chinesische Autokäufer anlocken soll.

Technik der Vergangenheit

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Li Shufu hält die traditionellen Verbrennungsmotoren für eine Technik der Vergangenheit. Er will Daimler auf eine Reise in die Zukunft schicken - und meint damit die Elektromobilität. Er freue sich, "Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektroautos zu begleiten", ließ er nach seinem überraschenden Einstieg bei dem Stuttgarter Konzern Anfang März mitteilen.

Damit verfolgt Li offenbar eine ähnliche Strategie wie bei dem 2010 übernommenen schwedischen Volvo-Konzern. Der soll sich schon im nächsten Jahr vom reinen Verbrennungsmotor verabschieden. Als erste große Traditionsmarke sollen dann nur noch Modelle mit elektrifizierten Antrieben gefertigt werden, wozu Elektroautos, Hybridmotoren und Verbrenner mit einem unterstützenden Elektromotor (sogenannte Mildhybride) gehören.

Größter Einzelaktionär

Ob der neue Großaktionär seine Visionen bei den Stuttgartern auch durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass der Milliardär knapp 9,7 Prozent der Daimler-Anteile erworben hat und damit auf einen Schlag zum größten Einzelaktionär aufgestiegen ist. Bisher war der Staatsfonds von Kuwait mit 6,8 Prozent größter Anteilseigner, einen richtigen Ankeraktionär hat der Konzern nicht.

Eine weitere Aufstockung ist zunächst nicht geplant. Auch einen Sitz im Aufsichtsrat von Daimler strebt Li nicht an. Um seine Ziele zu erreichen, will der Chinese Daimler in eine Partnerschaft mit anderen Herstellern drängen. "Wir müssen aktiv die Möglichkeit umfangreicher Allianzen ausloten", forderte er jüngst in einem Beitrag für die "FAZ".

Geely-Chef Li Shufu

Geely-Chef Li Shufu. | Bildquelle: picture alliance / Lang Tian/Imaginechina/dpa

Partner muss zustimmen

Traditionelle Autobauer benötigten ein Selbsterwachen - als ob Daimler bisher die neuesten Trends verschlafen habe. "Diejenigen, die bereit sind, sich zusammenzuschließen, um proprietäre digitale Plattformen zu schmieden, die von ihren verschiedenen Marken gemeinsam genutzt werden können, werden ein Erfolgsrezept haben, da unsere Branche immer härter umkämpft wird."

Daimler teilt offenbar diese Einschätzung - allerdings unter einer Bedingung. Dabei verweisen die Stuttgarter immer wieder auf ihren langfristigen Partner BAIC. Man sei offen, in China alles zu prüfen, solange der Partner zustimme. Dies müsste laut Zetsche jedoch eher zwischen den beiden chinesischen Unternehmen als mit dem Daimler-Management geklärt werden. Zetsche sieht hier nach eigenen Angaben mehr Chancen als Risiken.

Volvo Concept Estate

Volvo Concept Estate. | Quelle: Unternehmen

Wie das Tauziehen wohl ausgeht?

Dass Li Shufu ein ernst zu nehmender Investor ist, zeigen seine Erfolge bei Volvo Cars. Acht Jahre nach der Übernahme geht es Volvo besser denn je. 2017 verkauften die Schweden über 570.000 Autos, das Betriebsergebnis lag bei 14,1 Milliarden Schwedischen Kronen (1,43 Milliarden Euro). Beides Rekordwerte. Allerdings ist Daimler nicht Volvo. Den Stuttgartern ging es auch ohne den chinesischen Anteilseigner blendend. Auch zeigen die geplanten Milliardeninvestitionen in die E-Mobilität, dass Daimler längst "erwacht" ist. Noch ist also völlig offen, wie das Tauziehen zwischen Li und Zetsche ausgehen wird.