Chinesin schwingt eine chinesische Flagge

Der Umgangston wird "robuster" Sind chinesische Investoren nicht mehr willkommen?

von Dieter Reeg, ARD-Börsenstudio Frankfurt

Stand: 05.12.2018, 15:17 Uhr

Einst wurden chinesische Investoren hierzulande freundlich begrüßt. Manchmal schienen sie die letzte Rettung zu sein, um ein Unternehmen vor dem Bankrott zu retten. Doch so langsam wird immer deutlicher, dass die Chinesen durchaus ihre eigenen Ziele verfolgen. Welche Strategie verfolgen chinesische Investoren?

Einst mit offenen Armen empfangen, inzwischen oft mit Distanz betrachtet: chinesische Investoren in Deutschland. In den vergangenen zehn Jahren sind sie deutlich mehr geworden, gerade nach der Finanzkrise waren sie häufig gern gesehener Retter in der Not. Für chinesische Investoren eröffnet umgekehrt ihr Engagement in Deutschland den Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Für Martin Lück von der Investmentgesellschaft Blackrock ist das der erste Grund für chinesische Investitionen.

Know-How und Patente sichern

Chinesischer Drache. | Quelle: colourbox

Der zweite Grund ist seiner Meinung nach der Zugriff auf Hochtechnologie. „Deutschland ist immer noch ein führender Technologiestandort und die chinesischen Unternehmen sichern sich natürlich durch diese Investitionen auch das Know-How, die Patente der deutschen Unternehmen, in die sie investieren“, so Lück.

Besonders beliebt sind bei den chinesischen Anlegern unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Prozessortechnik, künstliche Intelligenz, Medizintechnik, automatisierte Fertigung. Dabei haben chinesische Investoren nach Einschätzung von Professor Horst Löchel von Frankfurt School of Finance and Management lange Zeit auch auf die Interessen der jeweiligen Unternehmen geachtet.

In China sind Chinesen ja schon

„Chinesische Unternehmen haben investiert, haben meistens auch die Struktur aufrechterhalten, haben also das Management belassen, haben eine Arbeitsplatzgarantie gegeben und lassen die Dinge erst einmal laufen. Dass die investieren, die Technologie abbauen, die Arbeitsplätze hier abbauen und nach China nehmen, davon kann überhaupt nicht die Rede sein. Die wollen gerade in Deutschland oder in Europa sein, weil in China sind sie ja schon“, ist sich Löchel sicher.

Nach Ansicht von Martin Lück von Blackrock hat sich das konziliante Verhalten chinesischer Investoren gegenüber deutschen Unternehmen jedoch geändert – zumindest in Teilen. „Das war eine ganz bewusste Strategie, auf sehr leisen Sohlen daherzukommen, auch sehr bescheiden daherzukommen. Das war nicht der Herkunft oder der Kultur geschuldet, sondern schlicht und ergreifend eine Strategie, um den Zielmarkt, den man im Auge hat, nicht zu verschrecken“, so Lück.

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg
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ARD-Börse: Chinesische Investoren unerwünscht?

Der Umgangston wird robuster

Nach Einschätzung des Investmentstrategen muss man sich auf – wie er es formuliert – ein robusteres Auftreten sowohl chinesischer Unternehmen als auch der Regierung in Peking einstellen. Das erscheint plausibel, wenn man sich anschaut, wie deutsche Unternehmen in China behandelt werden. Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank beschreibt das so: „Es ist schon so, dass deutsche Unternehmen mit ihren Direktinvestitionen in China nicht gleichgestellt sind mit chinesischen Unternehmen. Es ist im Wesentlichen so, dass man auf Joint Ventures angewiesen ist. Es ist schwieriger, Gewinne, die man China erzielt hat, außer Landes zu bringen, wieder ins Heimatunternehmen zu bringen.“

Ein nicht hinnehmbares Missverhältnis

Martin Lück sieht ein nicht hinnehmbares Missverhältnis zwischen den Rechten und Möglichkeiten deutscher Unternehmen in China und umgekehrt chinesischer Unternehmen in Deutschland. Die Konsequenz liegt für ihn auf der Hand.

„Man müsste auf jeden Fall sich selbst ein bisschen breiter machen, die Ellenbogen ein bisschen mehr ausfahren, sonst wird man an die Seite geschoben. Die Chinesen verfolgen eine Strategie und wenn deutsche Unternehmen hier nicht stärker geschützt werden auch von Seiten der Regulierung, dann geraten wir ins Hintertreffen.“

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