Zentrale von Fiat Chrysler in Auburn Hills, Michigan, USA
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Fiat-Aktie auf 19-Jahres-Hoch Chinesen nehmen Fiat Chrysler ins Visier

Stand: 21.08.2017, 12:08 Uhr

Es ist noch nichts Konkretes, aber die bloße Interessensbekundung reicht schon: Der chinesische Autobauer Great Wall Motor zieht ein Kaufangebot für Fiat Chrysler in Betracht und elektrisiert damit die Börse.

"Wir haben derzeit die Absicht, zu kaufen. Wir sind daran (an FCA) interessiert", sagte ein Sprecher von Great Wall gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er bestätigte damit entsprechende Berichte von Insidern, die erklärt hatten, der SUV-Hersteller aus China habe den italienisch-amerikanischen Konzern um ein Treffen zu einer teilweisen oder vollständigen Übernahme gebeten.

Der Sprecher von Great Wall Motor bestätigte auch einen Bericht der US-Website "Automotive News", die von einem Interesse der Chinesen an der Marke Jeep des italienisch-amerikanischen Konzerns berichtete. Fiat erklärte unterdessen: Die Chinesen seien noch nicht an sie herangetreten.

Auch wenn aus den Interessensbekundungen von Great Wall Motor nicht mehr werden sollte: Fiat-Aktien legten an der Mailänder Börse um rund fünf Prozent auf den höchsten Stand seit 19 Jahren zu.

Geschacher um Jeep?

An der Börse wird der Konzern Fiat Chrysler als Ganzes mit 19,3 Milliarden Dollar bewertet. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen den Wert der Marke Jeep auf 20,6 Milliarden Euro.

Great Wall Motor ist Chinas größter Hersteller von Geländelimousinen (SUVs). Die chinesische Regierung habe die heimischen Automobilhersteller ermutigt, mit Übernahmen Zugriff auf andere Märkte und Marken zu bekommen, schrieben die Analysten von Morgan Stanley in ihrer Studie. Damit könnten sie ihre Marktpräsenz erheblich schneller sicherstellen als mit dem langwierigen Aufbau eigener Produktionskapazitäten im Ausland.

Macht Trump da mit?

Angesichts der Spannungen in der Handelspolitik zwischen den USA und China könnte es ein Käufer aus der Volksrepublik aber schwer haben. Erst recht, wenn es um eine Traditionsmarke wie Chrysler geht. US-Präsident Donald Trump hat eine kritische Haltung zur exportstarken Wirtschaftsmacht China. Der US-Ausschuss für Auslandsinvestitionen (CFIUS) hat bereits einige Übernahmen amerikanischer Unternehmen durch chinesische Firmen verzögert oder untersagt.

Zuletzt zeigte sich auch die chinesiche Regierung bei Auslands-Deals der heimischen Unternehmen verschlossener. Sie drehte einigen Großkonzernen in China den Geldhahn zu. Die Sorge ist groß, das zu viele Devisen ins Ausland gehen und chinesische Firmen sich zu stark verschulden.

Fiat-Chef Marchionne auf der Suche

Der siebtgrößte Autobauer der Welt ist schon länger auf der Suche nach einem Partner oder Käufer, um bei der teuren Entwicklung neuer Technologien wie selbstfahrenden Autos oder Elektroautos mithalten zu können. Volkswagen und General Motors hatten öffentliches Fusionswerben von Fiat-Chef Sergio Marchionne in der Vergangenheit zurückgewiesen.

Marchionne hat den FCA-Investoren eine neue Strategie für Anfang 2018 in Aussicht gestellt. Er war bisher gegen eine Abspaltung des profitableren US-Geschäfts einschließlich der Marken Jeep und Ram vom renditeschwächeren italienischen Volumenhersteller Fiat.

Sergio Marchionne, CEO, Fiat

"Partnerschaften sind unverzichtbar" - Sergio Marchionne will keinen Alleingang beim autonomen Fahren. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Vorige Woche verkündete Marchionne eine Partnerschaft mit BMW und Intel bei der Entwicklung von Fahrerasisstenzsystemen. Der Fiat-Konzern trat der im Juli 2016 gegründeten Allianz bei, der auch das israelische Kamera-Unternehmen Mobileye angehört.

bs

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Die wohl spektakulärste Vorstellung auf der Consumer Electronics Show war die Vision des Chrysler-Prototypen "Portal". Der Elektro-Minivan, der auch autonom fahren kann, verblüfft mit auffälligen Schiebetüren und einem fast komplett umbaubaren Innenraum. Bis auf den Platz des Fahrers können alle Sitze verschoben oder herausgenommen werden. Die Türen lassen sich nach links und rechts aufschieben, statt sich auf konventionelle Art zu öffnen. Dank getrennter Sound-Zonen können die Eltern vorn Musik hören und die Kinder auf der Rückbank einen Film sehen. Ein Autoschlüssel für den Chrysler-Prototyp ist nicht notwendig. Sobald eine der Kameras den Autobesitzer sieht, öffnet der Wagen automatisch seine Tür. Ziel sei gewesen, ein Auto für junge Käufer so begehrt zu machen wie ein Smartphone, erklärte Chrysler-Managerin Ashley Edgar in Las Vegas.