Chinas neue Seidenstraße

Ifo-Studie Chinesen kaufen meist große und schwächelnde Firmen

Stand: 08.04.2019, 13:18 Uhr

Chinesen haben den Ruf, mittels staatlicher Subventionen im Ausland mittelständische Firmen im Hochtechnologiebereich zu kaufen. Eine Studie des Ifo-Instituts kommt nun zu einem ganz anderen Ergebnis.

Danach kaufen chinesische Investoren überwiegend größere Firmen, die höher verschuldet sind und eine niedrige Profitabilität aufweisen. Der Vorteil solcher Transaktionen ist, dass sie relativ günstig sind, die Investoren also weniger zahlen müssen.

Das ergibt die Analyse einer Forschergruppe um Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Autoren Clemens Fuest, Felix Hugger, Samina Sultan und Jing Xing haben dafür über 70.000 grenzüberschreitende Akquisitionen von Firmen in 92 Ländern zwischen 2002 und 2018 untersucht. Bei 1.900 Übernahmen kamen die Käufer aus China, in 171 Fällen übernahmen chinesische Investoren deutsche Firmen.

Siebenmal so groß

Ein Drache mit der Aufschrift

China im Aufwind. | Bildquelle: (c) dpa / MAXPPP

Im Durchschnitt sind Firmen, die von chinesischen Investoren übernommen werden, gemessen an der Bilanzsumme siebenmal so groß wie Firmen, die von Investoren aus anderen Ländern gekauft werden. Die Verschuldungsquote liegt bei ersteren um 6,5 Prozentpunkte höher, die durchschnittliche Profitabilität zum Zeitpunkt der Übernahme liegt nahe null, während sich andere Investoren auf Unternehmen mit positiven Erträgen konzentrieren.

Chinesische Staatsunternehmen bevorzugen Übernahmeziele im Bereich der Rohstoffgewinnung und der Agrarbranche. Chinesische Privatunternehmen kaufen eher Firmen im Bereich der Elektroindustrie, des Maschinenbaus und der Fahrzeugindustrie. Bei Letzteren sind chinesische Staatsunternehmen allerdings auch aktiv.

Von wegen andere Investoren überbieten

Schnellstraße in Hami, Zubringer zur neuen Seidenstraße

Seidenstraße in China. | Bildquelle: picture alliance / Sun Jihu/Imaginechina/dpa

Die Tatsache, dass chinesische Investoren günstiger einkaufen, spricht gegen die verbreitete These, dass chinesische Unternehmen mit staatlichen Subventionen andere Investoren systematisch überbieten und aus dem Markt drängen.

"Chinesische Investoren legen offenbar mehr Wert auf Größe statt Profitabilität und meiden so den Wettbewerb mit anderen Bietern", erläutert Ifo-Präsident Fuest. Die Präferenz für höher verschuldete Unternehmen mit niedrigerer Profitabilität könne auch mit einem längerfristigen Anlagehorizont oder besseren Finanzierungsmöglichkeiten durch staatliche chinesische Banken erklärt werden.

"In der Studie wird außerdem sichtbar, dass chinesische Staatsunternehmen die strategische Wirtschaftspolitik der Regierung in die Tat umsetzen, insbesondere die ‚Neue Seidenstraße‘ und ‚Made in China 2025‘", so Fuest.

lg