Entsorgung

EEW-Müllverbrennungsanlage in Saarbrücken

Einstieg bei Alba Chinesen heiß auf deutschen Müll

Stand: 03.10.2016, 12:47 Uhr

Nicht nur deutsche Hightech-Firmen, sondern auch Abfallentsorger sind ein begehrtes Übernahmeziel chinesischer Unternehmen. So steigt Chengdu Techcent beim hoch verschuldeten Berliner Recyclingkonzern Alba ein.

Der deutsche Abfallentsorgungs- und Recycling-Markt ist schwer umkämpft. Kommunale und private Anbieter buhlen um die immer geringer werdenden Müllmengen. Die Preise sind auf Talfahrt.

Übernahmewelle auf dem deutschen Entsorgungsmarkt

Doch das hält chinesische Investoren nicht davon ab, in den Müllmarkt einzusteigen. Sie erhoffen sich von der deutschen Umwelttechnik einen Technologietransfer, um die zunehmenden Müllprobleme im Reich der Mitte zu lösen. Anfang des Jahres kaufte Beijing Enterprise für 1,8 Milliarden Euro 18 Müllverbrennungsanlagen, die einst dem Versorger Eon gehörten. Für gut eine halbe Milliarde Euro schluckte kürzlich der chinesische Schrottverwerter Chiho-Tiande den angeschlagenen schwäbischen Metallrecycler Scholz.

Deng-Familie erwirbt Sortieranlagen und DSD-Geschäft

Nun haben die Chinesen ihren nächsten Coup gelandet: Für mehr als 300 Millionen Euro erwirbt die chinesische Unternehmerfamilie Deng die Mehrheit an zwei Sparten des Berliner Abfallrecycling-Konzerns Alba, die Nummer zwei auf dem deutschen Markt. Es handelt sich um das Recycling-Geschäft in China und - viel wichtiger - um die Service-Sparte in Deutschland, zu der die Abfallsortieranlagen und das Duale System von Interseroh bei der Sammlung und Verwertung von Verpackungsabfällen mit dem "Grünen Punkt" gehören. Die Service-Sparte gilt als Tafelsilber.

Alba behält komplett das klassische Abfallentsorgungsgeschäft und das Stahl-Recycling-Geschäft.  Die Berliner verlieren 40 Prozent ihres Umsatzes, bleiben aber zweitgrößter deutsche Abfallentsorger hinter Remondis mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

Befreiungsschlag für Alba

Die Finanzspritze aus Fernost ist ein Befreiungsschlag für den hoch verschuldeten Recycling-Konzern. Mit dem Geld kann Alba einen großen Teil seiner Schulden von rund 450 Millionen Euro zurückzahlen. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Alba-Chef Axel Schweitzer begrüßte den Einstieg der chinesischen Familie Deng. "Beide können gemeinsam mehr erreichen als allein", sagte Schweizer gegenüber dem "manager magazin" online. Die Partnerschaft sei auf Dauer angelegt, das Unternehmen habe lange nach einem passenden Partner gesucht. Auch sei Alba die chinesische Mentalität nicht fremd. "Wir sind bereits seit rund 20 Jahren in China aktiv, auch mit eigenen Gesellschaften."

Die Alba-Aktie pendelt seit langem um die 50 Euro. Nach einem Rutsch auf ein Jahrestief von 47,38 Euro im Juli erholte sich der Recycling-Titel wieder und überwand die Marke von 50 Euro.

nb