Chinesische Flagge spiegelt sich in den Deutsche Bank Türmen

Aufstieg zum größten Aktionär Chinesen entern die Deutsche Bank

Stand: 03.05.2017, 14:53 Uhr

Bei der Deutschen Bank ändern sich die Machtverhältnisse. Der chinesische Konzern HNA ist zum größten Anteilseigner des Geldinstituts aufgestiegen und hat jetzt mehr Einfluss als die Königsfamilie aus Katar. Was wollen die Chinesen?

Hilfe, die Chinesen kommen! Scheibchenweise hat der Mischkonzern aus dem Reich der Mitte seine Macht beim größten deutschen Geldhaus ausgebaut. Ende Februar stieg die HNA Group mit rund drei Prozent bei der Deutschen Bank ein. Diese Anteile wurden im März weiter aufgestockt. Nach der Kapitalerhöhung hielten die Chinesen über fünf Prozent an der Deutschen Bank.

Kataris nur noch zweitgrößter Aktionär

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Nun hat die HNA Group ihre Beteiligung auf fast zehn Prozent erhöht. Wie aus einer Stimmrechtsmitteilung aus der Nacht zum Mittwoch hervorgeht, liegt der Anteil inzwischen bei 9,92 Prozent. Damit sind die Chinesen unter den Großaktionären der Deutschen Bank die neue Nummer eins und ziehen an der Herrscherfamilie von Katar vorbei, die nach offiziellen Angaben gut sechs Prozent der Anteile hält. Drittgrößter Aktionär ist Blackrock mit knapp sechs Prozent Anteilen.

Unklar ist, was die Chinesen mit ihrem Engagement bei der Deutschen Bank erreichen wollen. Bei ihrem Einstieg im Februar hatten sie erklärt, das Management als Anker-Aktionär unterstützen zu wollen. Außerdem hatten sie versichert, dass ihr Anteil unter zehn Prozent bleiben solle. Mit Alexander Schütz, Gründer und Vorstand des österreichischen Vermögensverwalters C-Quadrat, soll ein Vertreter der Chinesen in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einziehen.

Ein Händler wertete die Anteilserhöhung positiv. Sie könnte den Anlegern weiteres Vertrauen geben, dass die Deutsche Bank das Schlimmste hinter sich habe. Die Aktien des größten deutschen Geldinstituts geben am Mittwoch in einem schwächeren Marktumfeld um 0,2 Prozent nach.

Wer ist HNA?

Der Mischkonzern HNA hat seinen Ursprung auf der südchinesischen Tropeninsel Hainan. Dort gründete der Unternehmer Chen Feng vor mehr als 20 Jahren die Provinz-Fluggesellschaft Hainan Airlines, die er zu einer der größten Fluglinien des Landes ausbaute. Heute ist HNA, die Muttergesellschaft von Hainan Airlines, nicht nur als Anteilseigner mehrerer Fluggesellschaften und Flughäfen bekannt, sondern auch in der Transport-, Tourismus-, Finanz- und Immobilienbranche aktiv. Mit einem Umsatz von umgerechnet knapp 30 Milliarden Dollar gehört HNA zu den größten Konzernen des Landes.

Die Gesellschaft, an der auch die Lokalregierung von Hainan eine große Beteiligung hält, war in den vergangenen Jahren einer der großen Treiber von chinesischen Übernahmen im Ausland. Im vergangenen Jahr kaufte HNA für 6,5 Milliarden Dollar 25 Prozent der US-Hotelkette Hilton und zahlte zehn Milliarden Dollar für eine Leasing-Sparte des US-Finanzdienstleisters CIT. In Deutschland investierte HNA nicht nur in die Deutsche Bank, sondern arbeitet derzeit auch am Kauf des Regionalflughafens Frankfurt-Hahn.

Stimmrechtsberater machen Druck

Ärger droht der Deutschen Bank von anderer Seite: Nach einem Bericht des "Handelsblatt" setzt sich nun auch der einflussreiche Aktionärsberater ISS dafür ein, dass zwei große Skandale noch einmal unabhängigen Sonderprüfungen unterzogen werden. In seinen Abstimmungsempfehlungen für die Hauptversammlung der Bank am 18. Mai spreche sich ISS dafür aus, für einen entsprechenden Antrag der kritischen Aktionärin Marita Lampatz zu stimmen, die Sonderprüfungen zum Libor-Skandal und zum russischen Geldwäsche-Skandal gefordert hatte. Zuvor hatte bereits der Stimmrechtsberater Glass Lewis die Anteilseigner dazu aufgefordert, die Sonderanträge der Aktionärin zu unterstützen.

Andererseits stellt sich die ISS hinter die Deutsche-Bank-Spitze. Der Stimmrechtsberater empfiehlt den Aktionären, auf der Hauptversammlung am 18. Mai für die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochmittag. Auch die Wiederwahl von Aufsichtsratschef Paul Achleitner wird von ISS unterstützt. Sollte sich freilich die Transparenz bei der Aufklärung von Skandalen nicht verbessern, könne es in Zukunft auch ein negatives Votum geben, warnte ISS.

nb