VW-Fahrzeuge auf Chinas Straßen
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Einigung im Handelsstreit China senkt Zölle auf Autos

Stand: 22.05.2018, 11:07 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Wie das Finanzministerium in Peking mitteilt, senkt China die Einfuhrzölle auf Autos und Autoteile - und zwar ab dem 1. Juli. Die Anleger der deutschen Autohersteller und Zulieferer können sich freuen.

Im Dax liegen die Papiere von BMW und Daimler ganz vorn. Auch die Vorzüge von Volkswagen legen zu. Im MDax gehören die Titel der Autozulieferer Schaeffler und Leoni zu den größten Gewinnern.

Beflügelt werden die Aktien von einer Mitteilung des chinesischen Finanzministeriums, wonach China weitgehende Zugeständnisse im Handelsstreit mit den USA gemacht hat und bereit ist, die Importzölle auf PKW deutlich abzusenken. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt reduziere die Einfuhrzölle von derzeit 25 Prozent auf nur noch 15 Prozent, teilte das Finanzministerium in Peking mit. Die Senkung der Einfuhrzölle werde zum 1. Juli in Kraft treten.

Niedrigere Zölle dürften sowohl den amerikanischen Autobauern als auch deutschen Firmen wie BMW oder Daimler helfen, ihre Modelle im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz günstiger zu verkaufen. China ist der weltgrößte Automarkt und gerade für die deutschen Hersteller enorm wichtig.

Etappensieg im Handelsstreit

Laut der Agentur Bloomberg soll die Entscheidung im Staatsrat gefallen sein, dem höchsten Verwaltungsorgan des Landes. Der Zoll von 25 Prozent auf importierte Autos wird seit etwa zehn Jahren erhoben.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Senkung der Importzölle sei eine Folge der jüngsten Gespräche zwischen Vertretern der US-Regierung und der politischen Führung in Peking zur Vermeidung eines Handelskrieges zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, hieß es weiter.

Auch Tesla und Ford profitieren

Am Freitag hatte China offenbar angeboten, das von US-Präsident Trump viel kritisierte Handelsdefizit um 200 Milliarden Dollar zu reduzieren. Experten gingen aufgrund der hohen Summe davon aus, dass China Importzölle auf Autos und andere Konsumgüter senken und mehr US-Serviceleistungen wie zum Beispiel Cloud Computing erlauben müsste.

Die niedrigeren Zölle würden US-Autobauern wie Tesla und Ford zugute kommen, doch auch europäische und asiatische Hersteller würden stark profitieren – insbesondere Luxusmarken wie BMW oder Lexus, da sie bislang wenig von ihrer Produktion nach China verlagert haben.

Ausländische Autobauer fordern schon seit langem einen freieren Zugang zum chinesischen Automarkt, vor allem seit Chinas eigene Hersteller international expandieren. Zudem ist China für deutsche Premiummarken wie BMW, Daimler und Audi einer der wichtigsten Absatzmärkte weltweit. VW exportierte letztes Jahr 189.000 Fahrzeuge nach China, darunter 50.300 Autos der Marke Audis und 71.500 Porsche. Auch die S-Klasse für den chinesischen Markt wird bislang noch in Sindelfingen gebaut.

lg