China-Karte mit einer Lupe

D-Shares ab dem nächsten Jahr handelbar China-Aktien für Deutsche

von Notker Blechner

Stand: 17.11.2017, 10:44 Uhr

Lange war es angekündigt, nun soll es bald so weit sein: Ab 2018 können Anleger an der Frankfurter Börse in chinesische Top-Aktien investieren. Noch gibt es aber ein paar Fragezeichen.

Die deutsch-chinesische Börse Ceinex will ab dem kommenden Jahr in Frankfurt so genannte D-Shares listen lassen. Das "D" steht für das chinesische Wort "déguó", das Deutschland bedeutet. Die Deutsche Börse stellt ihre Technik für Ceinex zur Verfügung und ist mit 40 Prozent an dem 2015 gegründeten deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt.

Die chinesischen Aufsichtsbehörden gaben jetzt angeblich grünes Licht für das Projekt, hieß es auf der Finance Week. Eigentlich sollten die D-Shares schon in diesem Jahr an der Frankfurter Börse starten.

Nur "Blue-Chip"-Aktien soll es geben

Welche chinesischen Aktien in Frankfurt gehandelt werden, steht noch nicht ganz fest. Laut Insider sollen es vor allem Infrastruktur-Konzerne sein, die eine tragende Rolle bei der Seidenstraßen-Initiative, dem 750 Milliarden Dollar großen Investitionsprogramm spielen. Das könnten Bau-, Bahn- und Energieaktien sein. Sie sollen von der chinesischen und deutschen Börsenaufsicht überprüft werden. Beliebte Internet-Aktien wie Alibaba oder Tencent sollen dagegen nicht als D-Shares gelistet werden.

Die Titel sollen in zwei Währungen handelbar sein: in Euro und in Renminbi. Soweit die Theorie. In der Praxis wird es wohl daraus hinauslaufen, dass die China-Aktien nur in Euro gekauft werden können. Um sie in der chinesischen Währung zu erwerben, brauchen Anleger ein Renminbi-Fremdwährungskonto. Dies aber bietet keine deutsche Bank an. Die Bank of China Deutschland gibt zwar Renminbi-Konten aus, diese sind aber auf Festgeld-Anlagen beschränkt.

Aus der Skandalserie gelernt?

Chinesische Unternehmensaktien außerhalb des chinesischen Marktes lassen sich momentan in London (L-Shares), New York (N-Shares), Singapur (S-Shares) und Tokio (J-Shares) kaufen. Bislang konnten Anleger nur in chinesische Anleihen und Indexfonds (ETFs) investieren. Seit November 2015 werden an der deutsch-chinesischen Börse Ceinex diese Wertpapiere gehandelt.

In den letzten Jahren hatte die Deutsche Börse Anleger bereits mit einer Welle chinesischer Aktien anzulocken versucht. Dabei handelte es sich aber oft um unbekannte und teils zwielichtige Firmen aus der dritten und vierten Reihe. Viele dieser Unternehmen wie Asian Bamboo, Ultrasonic oder Vtion machten Negativ-Schlagzeilen entpuppten sich als Wertvernichter. Einige der Skandal-Firmen gingen pleite.