Siemens-Chef Joe Kaeser

Joe Kaeser geht von Bord Chefwechsel bei Siemens

Stand: 19.03.2020, 20:18 Uhr

Paukenschlag am Donnerstagabend: Gleich zwei Top-Manager verlassen den Siemens-Konzern. Zudem kündigten die Münchner eine baldige Wachablösung an der Unternehmensspitze an. Wie erwartet soll Roland Busch Joe Kaeser als Siemens-Chef ablösen - spätesatens in elf Monaten.

Mit seinen Äußerungen zu politischen Themen sorgte Joe Kaeser immer wieder für Aufsehen. Mit dem Radikal-Umbau des Siemens-Konzerns und der geplanten Abspaltung der Energie-Sparte erfreute er die Analysten und verärgerte die Gewerkschaften. Nun hat der langjährige Siemens-Chef genug. Spätestens zur Hauptversammlung am 3. Februar 2021 will er seinen Posten räumen. Auch ein früherer Termin ist möglich.

Kaeser strebe keine Verlängerung seines Vertrags an, teilte der Aufsichtsrat am Donnerstagabend mit. Der Top-Manager, der seit August 2013 den Siemens-Konzern steuert, soll als Aufsichtsratschef von Siemens Energy vorgeschlagen werden, dem bisherigen Energiegeschäft.

Busch wird der neue Konzernlenker

Neuer Siemens-Chef soll Kronprinz Robert Busch werden. Der 55-Jährige übernimmt bereits vom 1. April an zusammen mit seinem neuen Vertrag über fünf Jahre die übergeordnete Verantwortung für Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility, mithin für den Kern des verbleibenden Konzerns. "Roland Busch wird bereits für die Budgetplanung des Geschäftsjahres 2021 und deren Umsetzung verantwortlich sein und ab dem 1. Oktober 2020 alle dazu relevanten Aufgabengebiete im Vorstand übernehmen", betonte Siemens. Im Konzernumfeld wird letzteres als de-facto-Übergabe der Führung gesehen.

Busch sitzt seit 2011 im Siemens-Vorstand. Dort zeichnet er unter anderem für das Tagesgeschäft, die Technologie und die Unternehmensentwicklung verantwortlich. Er war zum 1. Oktober 2019 zu Kaesers Vize ernannt worden und wurde seither als Nachfolger gehandelt. Ursprünglich hatte der Aufsichtsrat angekündigt, die Personalie im Sommer entscheiden zu wollen. Dass die Entscheidung zum Wechsel von Kaeser auf Busch schon jetzt fiel, liegt dem Unternehmensumfeld zufolge an einer anderen Personalie.

Stühlerücken bei der Tochter Energy

Überraschend verlässt Michael Sen den Siemens-Konzern. Er leitete bisher den Bereich Gas and Power und sollte eigentlich erster Vorstandsvorsitzender von Siemens Energy werden. Diese Aufgabe übernimmt vom 1. Mai an der von Linde kommende Christian Bruch. Der Zeitplan für den Börsengang Ende September soll eingehalten werden.

Neben Sen geht auch sein Finanzchef bei Gas and Power, Klaus Patzak - offiziell im gegenseitigen Einvernehmen. Aus dem Unternehmensumfeld ist allerdings zu hören, dass Sen gescheitert sei - wohl an unterschiedlichen Vorstellungen zum Geschäftsmodell im Vergleich zum Konzernvorstand. Sen habe unter anderem schneller mehr Eigenständigkeit für Energy gewollt, heißt es dazu von anderer Stelle.

Der Kurs der Siemens-Aktie zog im späten Handel auf Tradegate etwas an. Während die Ablösung von Kaeser grundsätzlich erwartet wurde, überrascht der Abgang von Vorstand Michael Sen.

nb