Testperson bekommt potentiellen Coronaimpfstoff von Moderna

Positive Studienergebnisse Chancen auf ersten Corona-Impfstoff steigen

Stand: 20.07.2020, 18:40 Uhr

Die Entwicklung von Corona-Impfstoffen kommt voran: Sowohl AstraZeneca als auch das Mainzer Unternehmen Biontech meldeten Fortschritte. Erste klinische Studien am Menschen haben bei den zwei Impfstoff-Kandidaten positive Ergebnisse gezeigt.

AstraZeneca präsentierte am Montag Daten eines Tests an mehr als 1000 Freiwilligen, die zeigten, dass der Wirkstoff mit der Bezeichnung AZD1222 eine Antwort des Immunsystems hervorrufe und sicher sei, wie der britische Pharmakonzern mitteilte. Es habe keine ernsthaften Nebenwirkungen gegeben.

Auch das Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech und sein US-Partner Pfizer meldeten vorläufige positive Ergebnisse einer Studie an 60 Personen. Der Impfstoff-Kandidat BNT162b1 habe schon bei einer niedrigen Dosierung Antikörper- und T-Zell-Antworten angeregt.

Mike Ryan, Experte bei der Weltgesundheitsorganisation WHO, sprach von "guten Nachrichten". Dennoch sei es immer noch ein weiter Weg, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehe.

Aktien im Höhenflug

Die an der US-Börse Nasdaq gelisteten Biontech-Aktien schossen im frühen Handel fast 13 Prozent nach oben, Pfizer-Titel gewannen knapp vier Prozent. Aktien von AstraZeneca legten an der Londoner Börse bis zu zehn Prozent zu.

Weltweit arbeiten Biotech- und Pharmaunternehmen mit Hochdruck an einem möglichen Impfstoff, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Mehr als 150 mögliche Impfstoffe sind in der Entwicklung, 23 Kandidaten werden schon am Menschen getestet. Dazu gehören auch Mittel der US-Firma Moderna, der chinesischen Sinovac und der Tübinger CureVac. Experten rechnen damit, dass die Entwicklung eines wirksamen und sicheren Impfstoffes zwölf bis 18 Monate dauern könnte.

AstraZeneca-Impfstoff am weitesten fortgeschritten

Der Impfstoff-Kandidat von AstraZeneca und der Universität Oxford gehört zu denen, deren Entwicklung am weitesten fortgeschritten sind. "Es liegt noch viel Arbeit vor uns, bis wir sicher sein können, dass unser Impfstoff die Covid-19-Pandemie bekämpfen kann, aber diese ersten Ergebnisse sind vielversprechend", sagte Entwicklerin Sarah Gilbert. "Wir wissen immer noch nicht, wie stark eine Immun-Reaktion ausfallen muss, damit sie sicher gegen eine Corona-Infektion schützt." Dazu seien weitere breiter angelegte Studien nötig, die schon gestartet sind. Der britische Premierminister Boris Johnson, der selbst wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt werden musste, nannte die Ergebnisse eine "sehr gute Nachricht".

Auch Biontech und Pfizer wollen mit ihrem Impfstoff-Kandidaten BNT162b1 bald eine umfassende Studie starten. "Abhängig von der behördlichen Genehmigung soll die Studie, an der mehr als 30.000 gesunde Probanden beteiligt sein könnten, im späten Juli 2020 beginnen", teilten die beiden Unternehmen mit. Bei einer Studie mit 60 Personen in Deutschland habe der Impfstoff-Kandidat die positiven Ergebnisse einer US-Studie bestätigt, erklärte Biontech-Mitbegründerin Özlem Türeci.

Biontech-Impfstoff: Nahezu keine Nebenwirkungen

Die Daten wiesen auch darauf hin, dass der Impfstoff sicher angewendet werden könne und relativ verträglich sei. Nebenwirkungen wie grippeähnliche Symptome und Reaktionen an der Einstichstelle konnten mit einfachen Maßnahmen behandelt werden. Sollte die breitere Studie erfolgreich verlaufen und der Impfstoff die behördliche Zulassung erhalten, wollen Biontech und Pfizer bis Ende 2020 bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen produzieren. Der Impfstoff solle weltweit zur Verfügung gestellt werden. Großbritannien sicherte sich bereits ein Kontingent an Impfstoff-Dosen.

nb/ rtr