Türme der Deutsche Bank und Commerzbank bei Nacht
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Erster Großinvestor gibt Widerstand auf Cerberus nun doch für Bankenfusion

Stand: 26.02.2019, 20:35 Uhr

Neue Bewegung im Frankfurter Banken-Monopoly: Großaktionär Cerberus hat angeblich seine Meinung geändert und spricht sich nun doch für eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank aus. Woher kommt der Sinneswandel?

Bisher wollten die größten Investoren der beiden führenden privaten deutschen Geldinstitute von einem Zusammenschluss nichts wissen. Aus zwei kränkelnden Banken werde keine gesunde Super-Bank, argumentierten sie. Doch die Kursturbulenzen Ende 2018 hat offenbar zu einer Neubewertung geführt. Langsam verschiebe sich die Meinung zur möglichen innerdeutschen Großfusion von Ablehnung in Richtung Zustimmung, meint das "Handelsblatt".

Cerberus will Zusammenschluss nicht im Wege stehen

Als Erster prescht nun der US-Finanzinvestor Cerberus vor. Die Private-Equity-Gesellschaft, die sich bislang gegen eine Fusion ausgesprochen hatte, habe ihre Meinung inzwischen geändert und befürworte nun eine Verschmelzung beider Geldhäuser, sagten mehrere Insider der Zeitung. Cerberus würde einem Zusammenschluss von Commerzbank und Deutsche Bank nicht im Wege stehen, erklärte ebenfalls ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Die Entscheidung über einen Zusammenschluss müssten die Konzernchefs und die Politik treffen. Cerberus glaube weiterhin, dass Deutschland groß genug für zwei Banken sei. Die Frage sei aber, ob die Deutsche Bank und die Commerzbank es aus eigener Kraft zurück in die Erfolgsspur schaffen, sagte der Insider.

Vor über einem Jahr hatte das noch anders geklungen. Ende 2017 hatte Cerberus-Chef Stephen Feinberg bei einem Geheimbesuch in Deutschland betont, dass er keinen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank anstrebe.

Zweifel an der Erfolgsstrategie der Deutschen Bank

Tatsächlich zweifeln die Cerberus-Manager offenbar inzwischen daran, ob es der Deutschen Bank gelingen wird, sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf zu ziehen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mache zwar alles richtig und kämpfe wie ein Löwe, doch der Gegenwind werde immer stärker, heißt es. Das Geldinstitut leidet unter schrumpfenden Erträgen, der Verwicklung in die Geldwäsche-Affäre und um die Danske Bank und dem zunehmenden Druck aus den USA. Darüber hinaus sei Cerberus der Ansicht, dass sich der technologische Wandel in der Bankbranche mit vereinten Kräften besser bewältigen lasse. Zusammen könnten beide Institute mehr in neue Technologien investieren und in anderen Bereichen Kosten sparen.

Herbe Kursverluste mit den Bank-Beteiligungen

Zudem ist die Beteiligung des US-Fonds an den beiden Banken bisher ein Verlustgeschäft. Seit dem Einstieg bei der Commerzbank im Juli 2017 ist der Aktienkurs um gut 38 Prozent abgestürzt. Noch schlimmer sieht es beim Investment mit der Deutschen Bank aus. Seit dem Einstieg im November 2017 hat sich der Wert der Aktien mehr als halbiert. Cerberus hält rund fünf Prozent an der Commerzbank und rund drei Prozent an der Deutschen Bank.

Offiziell äußert sich Cerberus nie zu seinen Beteiligungen. Verschwiegenheit ist oberste Pflicht bei den "Höllenhunden". Nur David Knower, der Geschäftsführer der deutschen Niederlassung, zeigt sich gerne in der Öffentlichkeit. Er netzwerkt auf vielen Veranstaltungen in der Rhein-Main-Region und ist meist bei den Heimspielen von Eintracht Frankfurt in der Commerzbank-Arena anzutreffen. Knower kennt alle, die etwas zu sagen haben.

nb