Schild mit den Schriftzügen von Media Markt und Saturn vor der Firmenzentrale
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Dividende gestrichen nach Gewinneinbruch Ceconomy-Aktie: Billiger geht's nicht!

Stand: 19.12.2018, 09:32 Uhr

Wie tief fallen die Aktien des Elektronikhändlers noch? Am Mittwoch stürzen sie erneut ab. Im Geschäftsjahr 2018/19 hat der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn nur noch einen Mini-Gewinn erzielt. Die Dividende wird gestrichen.

Mit seinen Werbe-Slogans wie "Ich bin doch nicht blöd" oder "Billiger geht so!" sorgte Media Markt für Aufsehen. Die neueste Kampagne "Männertage", das Sophia Thomalla mit tiefem Ausschnitt und dem Spruch "An diesen Tagen streichelt er alles, was Knöpfe hat" zeigt, rief sogar den Deutschen Werberat auf den Plan.

Die Kunden laufen jedoch der Elektronikhandelskette zunehmend weg. Vor allem im diesjährigen Hitzesommer. Der Umsatz schrumpfte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 um ein Prozent auf 21,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) brach um 15 Prozent auf 399 Millionen Euro ein – ohne Berücksichtigung der Erträge bei Fnac Darty.

Nur noch knapp in den schwarzen Zahlen

Unter dem Strich verdiente der Konzern von Media Markt und Saturn nur noch 23 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im vorangegangenen Geschäftsjahr hatte der Gewinn noch bei 206 Millionen Euro gelegen.

Die Ergebnisse "sind hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben", räumte Vorstandsmitglied Dieter Haag Molkenteller ein. Immerhin habe Ceconomy "ein klares Verständnis davon, weshalb wir unsere Ziele verfehlt haben", sagte der scheidende Finanzchef Mark Frese.

Rabattschlachten, Lira-Schwäche und Hitzesommer

Erst waren es Rabattschlachten im letztjährigen Weihnachtsgeschäft, die Ceconomy zu schaffen machten. Dann traf die schwache türkische Lira den Handelskonzern, der stark in der Türkei engagiert ist. Im Sommer belastete das ungewöhnlich heiße Wetter den Absatz mit Elektronikprodukten. Hinzu kamen Wertberichtigungen auf den Anteil am Lebensmittelhändler Metro. Ceconomy verschreckte die Aktionäre mit zwei Gewinnwarnungen.

Wegen des Gewinneinbruchs streicht Ceconomy nun die Dividende. Für eine Gewinnausschüttung gebe es "keine sinnvolle Basis", teilte der Elektronikhändler mit.

Aktien auf erneutem Rekordtief

Das dürfte vor allem Freenet, dem drittgrößten Anteilseigner, weh tun. Der Mobilfunk-Konzern hält 9,1 Prozent Anteile an Ceconomy und denkt nicht daran, diese abzugeben. Mit seiner Beteiligung hat Freenet bislang herbe Verluste erlitten. Waren die Ceconomy-Anteilsscheine vor einem knappen Jahr noch 13,40 Euro wert, sind es inzwischen fast 80 Prozent weniger. Die Aktien von Deutschlands größtem Elektronikhändler sacken am Mittwochmorgen um 14 Prozent ab und fallen auf ein Rekordtief von 3,07 Euro.

Auch die Aussichten für das gerade angelaufene Geschäftsjahr 2018/19 sind wenig ermutigend. Das Management stellt lediglich ein leichtes Umsatzplus in Aussicht. Das operative Ergebnis dürfte leicht sinken. 2019 werde ein "Jahr des Umbruchs", kündigte Ceconomy an.

Wer wird neuer Chef?

Unklar ist, wer den Konzern durch den Umbruch führen wird. Nachdem Vorstandsboss Peter Haas im Oktober seinen Hut genommen hat, steht die Holding ohne Chef da. Für den scheidenden Finanzchef Mark Frese hat der Konzern zumindest übergangsweise einen Nachfolger gefunden. Bernhard Düttmann, bislang im Aufsichtsrat des Unternehmens, wird interimistisch den Posten übernehmen.

Metro und Ceconomy

Metro und Ceconomy. | Bildquelle: Unternehmen, Grafik: boerse.ARD.de

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Metro: Die bewegte Firmengeschichte des Handelsriesen Ein Rückblick

Metro-Gründer Otto Beisheim

Die Geschichte der Metro beginnt 1963 mit der Eröffnung des ersten SB-Großmarktes in Essen. Gründer waren die Brüder Ernst Schmidt und Wilhelm Schmidt-Ruthenbeck, die den Cash+Carry-Trend aus den USA importierten. 1964 stieß im Zuge der weiteren Expanison der spätere Mitgesellschafter Otto Beisheim (1924-2013) hinzu, ohne den die Metro-Geschichte nicht zu erzählen wäre. Er stellte unter anderem 1966 den Kontakt zur Duisburger Unternehmerfamilie Haniel her und überzeugte sie vom Einstieg bei Metro. Dabei wurde Beisheim selbst zum Gesellschafter. Die Investmentholding Franz Haniel & Cie. ist noch heute an Metro beteiligt und eines der größten familiengeführten Unternehmen in Deutschland mit zahlreichen Beteiligungen. Im Gefolge expandierte Metro Cash & Carry stetig und schaffte auch den Sprung ins europäische Ausland.