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Russland-Geschäft verkauft Ceconomy: Ist die Talsohle jetzt erreicht?

Stand: 20.06.2018, 10:59 Uhr

Die Aussicht auf eine Kapitalerhöhung hat die Aktie der Holding des Elektronikhändlers Media-Saturn gestern auf Talfahrt geschickt. Heute folgt ein erster Erholungsversich, denn der Ausstieg aus dem verlustreichen Russland-Geschäft scheint geglückt.

Tatsächlich wurde der angekündigte Verkauf der russischen Media-Saturn-Filialen an den russischen Konzern Safmar jetzt besiegelt, wie Ceconomy am Morgen mitteilte. Ceconomy kaufe im Gegenzug 15 Prozent an dem börsennotierten Elektronikhändler M.video.

Der deutsche Konzern muss dafür aktuell umgerechnet rund 258 Millionen Euro auf den Tisch legen. Dieser Preis kann sich abhängig von der Entwicklung von M.video um bis zu rund 86 Millionen Euro reduzieren. Die Neuordnung des russischen Geschäfts belastet den Gewinn einmalig mit rund 250 Millionen Euro. Außerdem hat Ceconomy die Prognose für die Entwicklung des operativen Ergebnisses gesenkt.

Kapitalerhöhung bleibt eine Option

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,10
Differenz relativ
+0,47%

Da sich zum einem die Vergleichsbasis erhöht und zum anderen die bisher erwartete leichte Verbesserung des russischen Geschäfts entfällt, rechnet der MDax-Konzern beim operativen Ergebnis jetzt mit einem Plus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Bisher war ein Zuwachs mindestens im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet worden. Die mittelfristigen Ziele bestätigte Ceconomy derweil.

Die Frage einer Kapitalerhöhung ließ der Konzern offen. Ein solcher Schritt könne sich aus "strategischen Projekten" ableiten, sagte Finanzchef Mark Frese in einer Telefonkonferenz. Die Media-Saturn-Mutter wolle die Konsolidierung der Branche vorantreiben und ihre Marktposition ausbauen.

Analysten sehen Kaufgelegenheit

Dies könnte eine Kapitalerhöhung notwendig machen. Mit der bislang nicht erfolgten Ausschüttung einer Dividende bei Media-Saturn hätten die Überlegungen zu einer Kapitalerhöhung aber nichts zu tun. Diese wird bei der wichtigsten Ceconomy-Beteiligung bislang vom Minderheitsgesellschafter, der Familie Kellerhals, blockiert. Gespräche mit der Familie verliefen konstruktiv, sagte Ceconomy-Chef Pieter Haas.

Nach dem gestrigen Kurseinbruch von bis zu zwölf Prozent kann sich der MDax-Titel etwas erholen. Die Baader Bank sieht nach dem Kurseinbruch am Vortag nun eine hervorragende Kaufgelegenheit für die Papiere. Analyst Volker Bosse beließ daher sein Votum auf "Buy" mit einem Kursziel von 13 Euro. Verwässerungseffekte durch eine mögliche Kapitalerhöhung seien inzwischen mehr als eingepreist, so der Experte.

Auch die britische Investmentbank HSBC hat die Einstufung für Ceconomy auf "Buy" mit einem Kursziel von 12,50 Euro belassen. Zwar wäre eine Kapitalerhöhung kurzfristig eine massive Belastung, erklärt Analyst Andrew Porteous. Letztlich würde der Elektronikhändler damit aber die finanzielle Flexibilität gewinnen, um in der europäischen Marktkonsolidierung weiter eine aktive Rolle spielen zu können.

lg