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Mauer Börsengang Capsensixx - das war nix

Stand: 21.06.2018, 10:30 Uhr

Der Frankfurter Anbieter von Finanzdienstleistungen Capsensixx kommt an seinem ersten Börsentag bei Investoren nicht so recht an. Die Aktie startet mit einem Minus.

Der erste Kurs war wenig feierlich: 15,76 Euro stand da an der Kurstafel (Xetra). Das sind noch einmal zwei Prozent unter dem Ausgabepreis von 16 Euro. Dabei hatte der Frankfurter Finanzdienstleister schon im Vorfeld des Börsengangs kleinere Brötchen backen müssen. Der Platzierungspreis wurde am unteren Ende der Preisspanne von 16 bis 19 Euro festgelegt, mittels der ein bei Investoren akzeptierter Preis ausgelotet wird. Das dürfte heißen, dass Capsensixx bei seiner Roadshow Investoren nicht recht begeistern konnte.

Vielleicht liegt es daran, dass das Gros der Aktien von dem bisherigen Eigentümer stammt, der PEH Wertpapier. Insgesamt wurden rund 848.000 Aktien platziert. Nur 330.000 Papiere gingen auf eine Kapitalerhöhung zurück, durch die frisches Geld ins Unternehmen fließt. Damit will Capsensixx das weitere Wachstum der Tochter Coraixx finanzieren

Coraixx - weg mit der Zettelwirtschaft

An eben dieser Tochter hängen die Hoffnungen der Investoren. Sie ist ein Startup, an dem Capsensixx zu zwei Dritteln beteiligt ist. Coraixx bietet Buchhaltungssoftware für den Finanzbereich an, die mittels künstlicher Intelligenz selbstlernend ist. Damit können Finanz- und Rechnungsbelege in digitale Datensätze umgewandelt und automatisiert verbucht werden. Selbst unstrukturierte Papierbelege können verarbeitet werden.

Das Unternehmen spricht von einem Milliardenmarkt, jedes Jahr würden rund 450 Milliarden Euro für die Verarbeitung von rund 32 Milliarden Papierbelegen ausgegeben. Durch die Coraixx-Software könnten Unternehmen ihre Prozesse effizienter gestalten und Kosten sparen. Mittels der Software können die Daten auch analysiert werden, was im Controlling, der Betrugsbekämpfung und bei Marketingaktivitäten hilft. Die Software, die bereits von einem großen internationalen Touristikkonzern genutzt wird, wurde von der Fraunhofer Gesellschaft gemeinsam mit dem Datenspezialisten Inquence GmbH aus Dresden entwickelt.

Axxion - alles für den Fondsmanager

Zum angestammten Geschäft gehören allerdings die beiden Töchter Axxion und Oaklet. Axxion ist die größere der beiden. Eine Plattform für Fonds. Sie kümmert sich um die Zulassung von Fonds, die Ausgabe von Fondsanteilen, rechtliche und regulatorische Fragen, und macht auch die gesamten Abrechnungen.

Fondsmanager, Vermögensverwalter und Family Offices können sich dadurch auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, auf ihre Investitionen. Für die Verwaltungsarbeit erhält Axxion ein jährliches Honorar, eine verlässliche wiederkehrende Einnahmequelle. Derzeit verwaltet Axxion 145 Fonds mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro.

Oaklet - der Zertifikate-Berater

Die Tochter Oaklet ist ebenfalls Beratungsdienstleister, aber auf Verbriefungen und strukturierte Produkte spezialisiert, also zum Beispiel auf Zertifikate oder ETFs. Die Firma unterstützt Investoren bei individuellen, wirtschaftlichen, regulatorischen oder steuerlichen Fragen.

Zwar ist der Geschäftsbereich deutlich kleiner, holt nur rund drei Prozent der Umsätze rein, aber er bringt ordentlich Gewinn. Der Anteil am Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag 2017 bei stolzen 23 Prozent. Insgesamt hat die Mutter Capsensixx im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Euro.

Altaktionäre, die Kasse machen

Dass der größte Teil der Aktien für den Börsengang vom Altaktionär stammt, wird oftmals von der Börse kritisch gesehen. Die Gründe von Capsensixx: Man brauche für das geplante Wachstum von Coraixx in den kommenden drei Jahren rund fünf Millionen Euro. Allerdings wollte man unbedingt in den Prime Standard, das Börsensegment, mit den höchsten Transparenzanforderungen. Dafür seien aber 25 Prozent Streubesitz nötig, so dass sich die PEH Wertpapier entsprechend von Aktien habe trennen müssen.

Der Altaktionär hat dazu verpflichtet, zwei Jahre lang keine weiteren Aktien auf den Markt zu werfen.

Bewährtes Modell mit Zukunftsfantasie

Generell gab es im Vorfeld positive Resonanz zum Börsengang, da Capsensixx über ein schon bewährtes Geschäftsmodell verfügt und noch dazu profitabel ist. Für die Zukunftsfantasie sorgt darüber hinaus die Tochter Coraixx.

Der Börsenneuling habe ein gutes Renomee in der Fondsbranche, findet etwa das Onlinemagazin Goingpublic. Allerdings gebe es ein Klumpenrisiko durch einzelne Großkunden. Ein Minuspunkt sei auch, dass Capsensixx an den beiden Töchtern Axxion und Oaklet nur mit etwas mehr als 50 Prozent beteiligt sei. Goingpublic rechnete bereits mit einem schwachen Start, unter anderem wegen des in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannten Markennamens.

bs