Thomas Volk, Cancom

Thomas Volk geht Abrupter Cancom-Chefwechsel schockt Anleger

Stand: 09.01.2020, 12:40 Uhr

Was ist los beim deutschen Cloud-Vorzeigeunternehmen? Völlig überraschend wurde nach nur 16 Monaten der Cancom-Chef gefeuert - wegen strategischer Differenzen. Die Aktien sacken ab.

Mit der IT-Branche kennt sich Thomas Volk aus. 18 Jahre lang war er internationaler Verkaufschef bei HP, danach saß er im Topmanagement von Sybase und war Chef des kleinen SAP-Beraters IDS Scheer und leitete das Deutschland-Geschäft von Dell. Ende 2017 holte Cancom ihn nach München, wo er im Oktober 2018 Vorstandsvorsitzender wurde. 

Zerwürfnis mit dem Aufsichtsrat

Doch schon 16 Monate später muss der 61-jährige Volk seinen Chefsessel wieder räumen. Wie das Münchner IT-Systemhaus mitteilte, habe es "unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Entwicklung des Unternehmens" mit dem Aufsichtsrat.

Worum es bei dem Zerwürfnis mit Volk ging, erklärte Cancom nicht. Noch Anfang Dezember hatte sich das Unternehmen an der Börse 174 Millionen Euro frisches Kapital besorgt, auch um für Übernahmen im Cloud-Geschäft gewappnet zu sein. Der Informatiker hatte mehrfach auf eine stärkere Internationalisierung gedrängt, weil die Kunden danach verlangten.

Jetzt macht's ein Sporttaucher

Nachfolger von Thomas Volk wird ein Cancom-Urgestein: Rudolf Hotter. Er gehört dem Vorstand seit 15 Jahren an und ist dort für das operative Geschäft verantwortlich. Der begeisterte Sporttaucher und Modellflieger hatte Ende der 90er Jahre Computer Partner gegründet und war Vorstandsmitglied bei Einsteinet.

Rudolf Hotter, CEO, Cancom

Rudolf Hotter. | Bildquelle: Unternehmen

Hotter erklärte zu seinem Amtsantritt: "Mein Ziel ist es, Cancom (...) in der bestehenden erfolgreichen Ausrichtung auf das Cloud-Solutions- sowie das IT-Solutions-Geschäft weiter voranzutreiben." Cancom, so Hotter, habe die angehobene Prognose für das vergangene Jahr erreicht: zweistellige Zuwachsraten bei Umsatz und Ebitda.

Aktien brechen ein

Das reicht den Anlegern nicht. Der abrupte Chefwechsel verschreckt sie. Die im SDax und TecDax notierte Aktie bricht am Donnerstag um zeitweise über zehn Prozent ein. Damit endet vorerst der jüngste Höhenflug. Auf Ein-Jahres-Sicht hat der IT-Titel gut 70 Prozent gewonnen.

Ein Händler sagte, Volks Abgang könnte die Spekulationen über einen Verkauf des Unternehmens wieder aufflammen lassen. Womöglich hätten die strategischen Differenzen damit zu tun. Klaus Weinmann, der zusammen mit seinen beiden Mitgründern noch an Cancom beteiligt ist, hatte im September von wiederholten Interessenbekundungen berichtet und erklärt, seine Optionen im Interesse des Unternehmens auszuloten. Cancom ist an der Börse knapp zwei Milliarden Euro wert.

nb