Lässt sich nicht in die Karten schauen: Warren Buffett

Berkshire hortet das Bargeld Buffett steckt Milliarden in eigene Aktien

Stand: 08.11.2020, 11:25 Uhr

Gehen dem kauzigen Starinvestor aus Omaha langsam die Ideen aus? Warren Buffett gibt derzeit Milliarden aus um eigene Aktien zurückzukaufen. Anders als so mancher Konkurrent kann er sich das aber auch in Corona-Zeiten locker leisten.

Denn in den drei Monaten bis Ende September gab das Konglomerat nach eigenen Angaben vom Samstag rund 9,0 Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) für den Rückkauf eigener Anteilsscheine aus. Damit wurde allein im dritten Quartal mehr für diese Art der Aktienkurspflege aufgewandt, als je zuvor in einem vollen Kalenderjahr. Im Jahresverlauf summiert sich der Betrag bereits auf etwa 16 Milliarden Dollar.

Berkshire schwimmt im Geld

Viele andere Konzerne haben ihre Aktienrückkäufe begrenzt, um in der Pandemie das Geld zusammenzuhalten. Doch Buffett saß mit Berkshire Hathaway zuletzt auf liquiden Mitteln von 145,7 Milliarden Dollar. Der Cash-Bestand ging somit gegenüber dem Vorquartal nur leicht zurück.

Der 90-jährige Staranleger würde das Geld zwar eigentlich deutlich lieber für Investitionen ausgeben - Aktienrückkäufe zur Kurspflege lehnte er lange weitgehend ab. Doch Buffett tut sich schon seit geraumer Zeit schwer, geeignete Übernahmeziele zu finden.

Operativ schwierigere Zeiten

Das Tagesgeschäft von Berkshire Hathaway leidet derweil weiter unter der Corona-Krise. Der Betriebsgewinn sank im Jahresvergleich um 32 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar, das wichtige Versicherungsgeschäft machte sogar Verlust.

Das Nettoergebnis profitierte indes stark von der Börsen-Rally und legte von 16,5 Milliarden auf 30,1 Milliarden Dollar zu. Buffett selbst rät jedoch stets dazu, dieser Kennziffer keine große Beachtung zu schenken. Da hier unrealisierte Investmentgewinne und -Verluste ausgewiesen werden, kommt es zu starken Schwankungen, die wenig über den tatsächlichen Geschäftsverlauf aussagen.

Zu Berkshire Hathaway gehören an die 90 Unternehmen, hinzu kommen diverse Aktienpakete börsennotierter Großkonzerne wie Coca-Cola, Wells Fargo oder Apple - gerade der iPhone-Konzern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem von Buffetts großen Lieblingen entwickelt.

Die wegen ihres guten Riechers für lukrative Geldanlagen "Orakel von Omaha" genannte Investmentlegende führt das Konglomerat seit mehr als 50 Jahren. «Forbes» schätzte Buffetts Privatvermögen zuletzt auf rund 79 Milliarden Dollar. Damit ist er dem US-Magazin zufolge der viertreichste Mensch der Welt.

Corona-Verluste noch nicht aufgeholt

Die Berkshire B-Aktie hat am Freitag an der Nyse 0,67 Prozent zugelegt auf 208,85 Dollar. Die Euro-Notierung schloss am Handelsplatz Frankfurt bei 176,00 Euro leicht im Minus.

Damit liegt die Aktie in New York weiter rund fünf Prozent hinter dem Vor-Corona-Höchststand bei rund 212 Dollar. Die Corona-Krise markiert damit auch für die Berkshire-Aktionäre einen empfindlichen Einschnitt, waren diese doch über Jahre in einem Dauer-Aufwärtstrend nur den nur den Weg nach oben gewohnt. In Euro gerechnet fällt der Abschlag wegen Währungseffekten sogar noch höher aus.

Die Berkshire A-Aktie, die noch nie gesplittet wurde, kostet übrigens stolze 313.885 Dollar. Bei einem Tagesgewinn von 0,63 Prozent war das ein absoluter Zuwachs von 1.951,00 Dollar.

dpa/rm