Porträt von Warren Buffett vor einem Dollarregen

Mittelgroße Konzerne im Visier Buffett hat ein Auge auf Europa

Stand: 18.06.2019, 11:48 Uhr

Das Portfolio des Star-Investors ist zu mehr als 90 Prozent mit US-Unternehmen bestückt. Da könnte ein bisschen international Diversifizieren nicht schaden, denkt sich wohl der Milliardär, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einigen Indizien geschlossen hat.

Eines der Signale ist ein Interview, das der 88-jährige Milliardär kürzlich der "Financial Times" gegeben hat. Darin bekannte er, er würde "es gerne sehen", wenn seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway stärker in Großbritannien und Europa vertreten wäre. Für Zukäufe seien viele der möglichen Deals in den vergangenen Jahren schlicht zu klein gewesen, so Buffett gegenüber der Zeitung.

Genügend Euro und Pfund in der Kasse

Ein zweites Indiz sieht Bloomberg darin, dass Berkshire Hathaway in den vergangenen Wochen seine Kriegskasse gefüllt hat. So wurden in größeren Mengen 20- bis 30-jährige Anleihen verkauft. Das an sich wäre noch kein Zeichen für eine bevorstehende Übernahme oder ein Einstieg in Europa - die Tatsache, dass die Wertpapiere gegen Euro und Britisches Pfund verkauft wurden, dagegen schon. Genug Cash für eine schnelle Übernahme wäre also wohl bereits vorhanden. Im März hatte die Gesellschaft rund 114 Milliarden Dollar an frei verfügbaren Mitteln.

Für die Beteiligungsgesellschaft wäre ein Schritt über die USA hinaus durchaus ein Beitrag zur Streuung der Anlagen. Denn bislang stecken 93,5 Prozent des Portfolios in Papieren aus Nordamerika. Nur zur 4,1 Prozent ist man bislang in Europa investiert, dazu kommen 1,9 Prozent aus dem Mittleren Osten und Afrika und nur 0,5 Prozent aus dem Raum Asien-Pazifik.

30 Kandidaten?

Doch auf welche Konzerne in Europa könnte Warren Buffett nun einen Blick geworfen haben? Neben den traditionellen Value-Kriterien, die Berkshire bei seinen Käufen und Beteiligungen anlegt, geht es bei Berkshire Hathaway auch um die schiere Größe: Zwischen fünf und 50 Milliarden sollte der Marktwert des betreffenden Konzerns sein, damit sich Buffett für einen Einstieg interessiert.

Laut Bloomberg stehen damit auf der "Short List" des Investors rund 30 Unternehmen. Darunter sind mit dem Spezialchemie-Konzern Covestro ein Dax- und mit dem Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub und dem Autozulieferer Hella zwei MDax-Unternehmen.

Ganz oben auf dieser Liste sieht Bloomberg Atlas Copco, einen schwedischen Industriezulieferer, Metso Oyi, einen finnischen Lieferanten für die Minen-Exploration und Mondi, einen Verpackungsspezialisten aus Österreich. Wann und in welcher Form Buffett den europäischen Teil seines Portfolio ausbaut, bleibt freilich sein Geheimnis. Sicher scheint, dass die Aktien der betroffenen Firmen bereits bei der ersten Ankündigung eines Interesses von Berkshire deutlich steigen dürften. Interessante Zeiten also für wachsame Anleger.

AB