Lässt sich nicht in die Karten schauen: Warren Buffett

Jahresbilanz vorgelegt Buffett: "Berkshire zu 100 Prozent auf unseren Abgang vorbereitet"

Stand: 23.02.2020, 10:26 Uhr

Berkshire Hathaway, die Beteiligungsgesellschaft von Starinvestor Warren Buffett hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielt - dank geänderter Bilanzierungsregeln. Den Aktionären verkündete Buffett aber noch eine andere wichtige Botschaft.

Er selbst und sein 96-jähriger Kompagnon und Berkshire-Vize-Chairman Charlie Munger hätten schon länger ein stolzes Alter erreicht, schrieb der 89-Jährige in seinem jährlichen, an der Wall Street viel beachteten Brief an die Aktionäre.

"Das ist für uns beide jetzt nicht so gut. Aber die Berkshire-Aktionäre müssen sich keine Sorgen machen: Ihre Firma ist zu 100 Prozent auf unseren Abgang vorbereitet." Die wegen ihres Riechers für lukrative Geldanlagen das "Orakel von Omaha" genannte Investorenlegende führt das Konglomerat seit mehr als 50 Jahren. "Forbes" schätzt Buffetts Vermögen auf rund 90,2 Milliarden Dollar.

Potenzielle Nachfolger

Als potenzielle Nachfolger gelten die jüngeren Berkshire-Manager Ajit Jain und Greg Abel. Es werde etwa zwölf bis 15 Jahre dauern, um seine Anteile an der Firma komplett zu veräußern, schrieb Buffett. Aber auch in dieser Zeit stellten Berkshire-Anteile eine sichere und lohnende Investition dar.

Buffett steht seit mehr als fünf Jahrzehnten an der Spitze der ihm gegründeten Investmentgesellschaft. Berkshire Hathaway ist unter anderem in der Versicherungs-, Energie-, Bahn-, Nahrungsmittel-, Bekleidungs- und Immobilienbranche aktiv. Insbesondere die Versicherungsbranche habe sich stark gezeigt, schrieb Buffett. Er verteidigte Investitionen in Firmen wie Apple.

Immer mehr Aktienrückkäufe

In den letzten vier Jahren hat Berkshire nicht mehr in größerem Stil zugekauft, weshalb der Konzern über Barreserven von 128 Milliarden Dollar verfügt. Aktien würden sich auf lange Sicht besser entwickeln als festverzinsliche Anlageprodukte, wiederholte Buffett sein Credo.

Auf neue Übernahmen müssen Aktionäre aber weiter warten. Stattdessen setzt Buffett immer stärker auf Aktienrückkäufe - hierfür wurde im Schlussquartal der Rekordbetrag von 2,2 Milliarden Dollar aufgewandt.

Im letzten Jahresquartal 2019 hat Buffett hat mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway deutlich weniger verdient. Zwischen Oktober und Dezember fiel das operative Ergebnis im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar. Vor allem im Rückversicherungsgeschäft - einem wichtigen Standbein von Buffetts Konglomerat - lief es schlechter.

Operatives Ergebnis gesunken

Trotzdem schoss der Nettoüberschuss im jüngsten Quartal auf 29,2 Milliarden Dollar in die Höhe, nachdem es hier im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 25,4 Milliarden gegeben hatte. Buffett selbst empfiehlt jedoch stets, dieser Zahl keine große Beachtung zu schenken. Durch den Ausweis unrealisierter Investmentgewinne schwankt sie stark und hat wenig Aussagekraft hinsichtlich des eigentlichen Geschäftsverlaufs.

Im Gesamtjahr 2019 sank Berkshire Hathaways operatives Ergebnis um drei Prozent auf 24,0 Milliarden Dollar. Der Nettoüberschuss erreichte dank geänderter Bilanzierungsregeln einen neuen Rekordwert von 81,4 Milliarden Dollar.

Dennoch war es für Buffett im Großen und Ganzen ein eher schwieriges Jahr, in dem die Aktien von Berkshire Hathaway mit 10,9 Prozent deutlich langsamer stiegen als die boomenden US-Börsen insgesamt.

lg/rtr/dpa