Ryanair-Maschinen in Parkposition am Flughafen Dublin

Winterflugplan um ein Drittel gekappt Buchungseinbruch und Entlassungen bei Ryanair

Stand: 15.10.2020, 12:16 Uhr

Wegen eines massiven Buchungseinbruchs infolge der verschärften Reisebeschränkungen streicht Europas größter Billigflieger Ryanair seinen Winterflugplan weiter zusammen. Konzernchef O'Leary wirft den Regierungen Missmanagement vor.

Die Billigairline zollt den Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Krise Tribut und kappt den Winterflugplan von November bis März um ein Drittel. Die Kapazität werde auf 40 Prozent des Vorjahres geschrumpft, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Zuletzt hatte Ryanair hier noch mit 60 Prozent geplant.

Schon das Flugprogramm für Oktober war auf 40 Prozent zusammengestrichen worden. Nun rechnet die Airline für das Ende März auslaufende Geschäftsjahr 2020/21 mit lediglich 38 Millionen Passagieren. Sollte es im Winter weitere Lockdowns in der EU geben, könnte die Zahl noch geringer ausfallen, hieß es.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Ryanair samt ihren Töchtern wie Laudamotion fast 149 Millionen Passagiere befördert. Der irische Konzern begründete die Kürzung damit, dass sich der Rückgang der Ticketbuchungen für November und Dezember verschärft habe.

Derzeit bleiben in den Flugzeugen deutlich mehr Sitze leer. Ryanair erwartet für das Jahr eine Auslastung von etwa 70 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie bei 95 Prozent gelegen.

Ryanair-Chef fordert Corona-Ampel

"Wir bedauern diese Kürzungen des Winterflugplans zutiefst, die uns durch die Misswirtschaft einiger Regierungen in Bezug auf den EU-Flugverkehr aufgezwungen wurden", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. "Bedauerlicherweise wird es mehr Entlassungen beim Kabinenpersonal an den wenigen Basen geben, an denen wir noch immer keine Einigung über Arbeitszeit- und Lohnkürzungen erzielt haben."

Michael O'Leary

Ryanair-Chef Michael O'Leary kritisiert die Regierungen für ihren Umgang mit Reisebschränkungen.. | Bildquelle: Imago

O'Leary warf den Regierungen in der Europäischen Union Missmanagement bei der Schaffung brauchbarer Regeln für Flugreisen vor. Er forderte die Staaten auf, das gerade beschlossene System einer Corona-Ampel komplett umzusetzen, damit zumindest Menschen aus Ländern und Regionen mit wenigen Neuinfektionen ungehindert reisen könnten.

Ryanair galt als Gewinner

Bisher galten Billigflieger eigentlich als Gewinner der Krise. So zählte Ryanair etwa im August sieben Millionen Fluggäste. Das war zwar im Vergleich zum Vorjahr ein satter Einbruch von 53 Prozent - aber eine deutliche Erholung gegenüber Juli, als 4,4 Millionen Passagiere befördert wurden.

Auch die Aktie musste weniger leiden als die Anteile anderer Fluggesellschaften. Seit Jahresbeginn büßten die Ryanair-Papiere "nur" rund 20 Prozent an Wert ein. Zum Vergleich: Bei der Lufthansa beträgt das Minus mehr als 55 Prozent.

Während der deutsche Konzern vom Staat gerettet werden musste, kann Ryanair schneller auf die sich verändernde Marktlage reagieren und die Kosten senken. So will Ryanair mindestens 3.000 Stellen streichen und zahlreiche Standorte schließen, etwa die Basis am Flughafen Hahn nahe Frankfurt.

Frisches Geld von der Börse

Zudem hatte Ryanair die zwischenzeitliche Erholung genutzt und sich frisches Geld an der Börse beschafft. Mit der Ausgabe neuer Aktien sammelte das Unternehmen Anfang September rund 400 Millionen Euro ein.

Gleichzeitig betonte O'Leary häufig, dass die Kasse von Ryanair mit 3,9 Milliarden prall gefüllt sei und die Iren über 333 Boeing-Jets im Wert von sieben Milliarden Euro verfügten. Die Airline sei gerüstet.

Die schwierige Lage der Branche in der Pandemie dürfte seiner Meinung nach die Spreu vom Weizen trennen. "Schwache, kleine Airlines werden diese Krise nicht überstehen können," urteilte er bereits im Sommer. Seine eigene schloss er wohl nicht ein.

Aktien stürzen ab

Nun rudert der Vorstandsvorsitzende zurück. Bereits bei der Vorlage der Zahlen des schlimmsten Quartals der Firmengeschichte im Sommer warnte O'Leary vor einer möglichen zweiten Corona-Welle: "Das ist gerade unsere größte Angst."

Mit dieser Angst vor neuen Reisebeschränkungen im Zuge der grassierenden Corona-Pandemie ist Ryanair nicht allein. Neben der Billigairline, deren Aktie am Donnerstag um knapp dreieinhalb Prozent einknickten, rutschte auch der Titel von Lufthansa zeitweise über fünf Prozent ab.

Europaweit sackte der Brancheindex am Donnerstag um mehr als zweieinhalb Prozent ab, womit Fluggesellschaften zu einem der schwächsten Sektoren zählen. Auch die Aktie des Ryanair-Konkurrenten Easyjet, dem so langsam das Geld auszugehen droht, sank am Mittag um mehr als vier Prozent.

tb