Epi proColon Darmkrebs-Früherkennungstest von Epigenomics

Anleger und Management entsetzt Brutaler Kurssturz bei Epigenomics

Stand: 19.10.2020, 14:51 Uhr

So sehen Anlegeralpträume aus: Nach einer negativen Erstattungsempfehlung der staatlichen US-Krankenversicherung zum Darmkrebs-Früherkennungstest der Berliner bricht das Papier von Epigenomics ein.

Noch am Freitag war der Titel des Diagnostik-Unternehmens Epigenomics 2,35 Euro wert. Aktuell kostet eine Aktie gerade noch gut 80 Cent. Der Börsenwert des Unternehmens hat sich damit derzeit um rund 66 Prozent reduziert. Bei 0,49 Euro lag der tiefste Stand – ein Rekord.

Die Anleger regierten geschockt auf die Mitteilung über die negative Erstattungsempfehlung der staatlichen US-Krankenversicherung bezüglich des Tests zur Darmkrebs-Vorsorge, Epi proColon. Der Test funktioniert mit einer einfachen Blutprobe und erkennt das methylierte Septin9-Gen, das verstärkt bei Darmkrebs auftrete, wie es bei Epigenomics heißt. Epi proColon ist das wichtigste Produkt des Berliner Unternehmens.

Entscheidung vorläufig

Die Entscheidung der Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) ist allerdings vorläufig. Nach den Statuten der CMS starte nun eine 30-tägige öffentliche Kommentierungsphase, die dazu genutzt werde, die CMS erneut von den Vorteilen von Epi proColon im Kampf gegen Darmkrebs zu überzeugen, teilte das Unternehmen mit.

Für den Fall, dass die endgültige Entscheidung ebenfalls negativ ausfällt, kündigte Epigenomics Berufung an. Epi proColon ist von der US-Zulassungsbehörde FDA zugelassen und wird nach Angaben des Unternehmens in den USA, Europa, China und weiteren ausgewählten Ländern vermarktet.

"Schlimmstmögliche" Entscheidung

Eine positive Entscheidung über den Bluttest zur Früherkennung von Darmkrebs habe als ein wesentlicher Meilenstein für dessen wirtschaftlichen Erfolg gegolten, so Analyst Dennis Berzhanin von Pareto. Ulrich Huwald von Warburg Research strich prompt seine Kaufempfehlung für die Aktie. Der Analyst sprach von einer "überraschenden Entscheidung" und nannte sie zudem "die schlimmstmögliche".

Die Resonanz zu Beginn der öffentlichen Kommentierungsphase im Prozess über eine mögliche kassenärztliche Erstattung sei sehr positiv gewesen, so Huwald. Zudem habe eine Studie indiziert, dass der Test zu einer klinisch bedeutsamen Verringerung der Häufigkeit und Sterblichkeit bei Dickdarmkrebs führe. Vor diesem Hintergrund hält der Warburg-Analyst eine Revision des aktuellen Urteils für möglich.

Morgen möchte das Management auf einer Telefonkonferenz Fragen bezüglich des Sachstands beantworten und das weitere Vorgehens schildern.

ts/la