Arbeiter auf einer Aramco-Baustelle
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Rekord-IPO "so bald wie möglich" Bringt JPMorgan Saudi Aramco an die Börse?

Stand: 09.09.2019, 16:08 Uhr

Saudi Aramco steht in den Startlöchern für einen zweiten Anlauf an die Börse. Insidern zufolge begleitet eine amerikanische Großbank den weltgrößten Ölkonzern beim Gang aufs Parkett. Dieser könnte schon im November erfolgen.

Es könnte der größten Börsengang aller Zeiten werden - mit einem satten Erlös von bis zu 100 Milliarden Dollar. Er ist das Herzstück der Pläne des Königreichs, ausländische Investoren anzulocken und die Wirtschaft breiter aufzustellen.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman

Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi Arabien. | Bildquelle: Imago

Die Milliarden will Kronprinz Mohammed bin Salman in den Umbau der Wirtschaft Saudi Arabiens stecken. Es sollen gigantische Infrastruktur Projekte gestemmt werden aus allen möglichen, verschiedenen Branchen der Energie- und Wasserwirtschaft, der Biotechnologie oder der Unterhaltungsbranche.

Börsengang im November?

Das Land hatte die seit Jahren geplante Emission wegen interner Streitigkeiten über die Wahl des zweiten Börsenplatzes und über die Bewertung des Konzerns im Sommer 2018 auf Eis gelegt. Nach den damaligen Plänen sollten fünf Prozent an die Börse gebracht werden - für bis zu 100 Milliarden Dollar. Saudi Aramco wäre dabei insgesamt mit zwei Billionen Dollar bewertet worden. Stattdessen kaufte Aramco erst einmal für 69 Milliarden Dollar 70 Prozent der Anteile des saudischen Petrochemieriesen Sabic.

Im Juli nahm Saudi Arabien die Pläne wieder auf. Nun könnte es ganz schnell gehen. Der Gang aufs Parkett solle so bald wie möglich erfolgen, sagte der neue Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman, der den Posten erst vor wenigen Tagen übernommen hatte, am Montag. Die Erstnotiz sei noch vor Ende des Jahres im November geplant. Im August hatte Aramco Banken um Bewerbungen für eine Mitarbeit bei einem Börsengang gebeten.

JPMorgan bekommt wohl den Zuschlag

Das Ringen der Banken um ein Beratermandat hat nach Angaben eines Insiders die US-Bank JP Morgan gewonnen. Eine endgültige Entscheidung werde im Verlauf dieser Woche fallen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Sender CNBC hatte zuvor berichtet, die US-Investmentbank Morgan Stanley rivalisiere mit JPMorgan um Aramco. Die Chancen von Morgan Stanley seien aber gesunken, weil Vertreter Saudi-Arabiens bemängelt hätten, dass Morgan Stanley als führende Bank beim Börsengang des Fahrdienst-Vermittlers Uber die Nachfrage falsch eingeschätzt habe.

Die Deutsche Bank hatte von Anfang an schlechte Karten und keinen Platz beim Versuch einer Aktienplatzierung von Saudi Aramco. Denn die Frankfurter sind in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) nicht mehr beliebt, seitdem zwei Fonds aus Katar bei der Bank eingekauft haben und zu den größten Anteilseignern des Instituts aufgestiegen sind. Katar wird durch viele arabische Staaten politisch und wirtschaftlich boykottiert.

New York als Börsenplatz aus dem Rennen

Wann die Aktien an den Börsen gehandelt werden, bleibt allerdings ungewiss. Nach den derzeitigen Überlegungen solle Saudi Aramco zunächst an der heimischen Börse gelistet werden, später dann an einem internationalen Handelsplatz.

Den Insidern zufolge ist noch offen, an welcher Börse im Ausland die Aktien gelistet werden können. New York sei bereits aus dem Rennen, da ein Listing dort mit zu vielen rechtlichen Risiken verbunden wäre. Gute Chancen würden dagegen London zugerechnet, hatten mehrere mit den Plänen vertraute Personen Reuters vor ein paar Tagen gesagt.

Saudi Aramco Gaswerk

Saudi Aramco ist der größte Ölkonzern der Welt. | Bildquelle: Unternehmen

Als Saudi Aramco Anfang 2016 erstmals Überlegungen für einen Börsengang bestätigte, verfügte es über etwa 265 Milliarden Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Rohöl-Reserven. Täglich förderte das Unternehmen damals mehr als zehn Millionen Barrel, dreimal so viel wie der Ölkonzern ExxonMobil. Der Öl- und Gassektor macht den Großteil der Export-Einnahmen Saudi-Arabiens aus.

tb/rtr