EZB-Gebäude am frühen Morgen

Warten auf die EZB- und Fed-Sitzungen Bringen die Notenbanken neuen Schub?

Stand: 21.07.2019, 11:24 Uhr

Bisher war der Juli ein durchwachsener Börsenmonat. Ob er doch noch zu einem Wonnemonat wird, hängt von der bevorstehenden Flut der Firmenbilanzen und den Zinssenkungen durch die Notenbanken ab. In der nächsten Woche dürfte es hier mehr Klarheit geben.

Gespannt blicken Anleger am Donnerstag nach Frankfurt. Am frühen Nachmittag wird Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), neue geldpolitische Maßnahmen zur Ankurbelung der schwachen Konjunktur in Europa, vorstellen. Die Zeichen verdichten sich, dass „Super Mario“ am Donnerstag die Wiederaufnahme der Anleihekäufe verkündet. Anlagestratege Felix Herrmann von Blackrock rechnet mit einer Geldspritze von weiteren 500 bis 600 Milliarden Euro. Darüber hinaus werden die europäischen Währungshüter voraussichtlich etwas an der Zinsschraube drehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB den Einlagenzins von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent senkt, taxieren Anleger mittlerweile auf etwa 60 Prozent.  

Blackroch-Chef: EZB soll auch Aktien kaufen!

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock schlägt gar einen noch radikaleren Schritt vor. Blackrock-Chef Larry Fink hat der EZB empfohlen, Aktien zu kaufen. Mit einem solchen Schritt könnten die Währungshüter die Konjunktur in Europa ankurbeln, sagte Fink am Freitag. Europäische Aktien seien deutlich preiswerter als ihre US-Pendants, weil Europa über keine "Aktien-Kultur" verfüge. Eine weitere geldpolitische Lockerung mit negativen Zinsen dürfte nicht dieselbe Wirkung entfalten wie Aktienkäufe.

Nur kleine Zinssenkung der Fed?

Legt die EZB tatsächlich ein neues QE-Programm auf, könnte das die Aktienkurse wieder antreiben. Konterkariert werden könnte der Effekt allerdings durch die Fed. Die US-Notenbank will einem Medienbericht zufolge bei ihrer nächsten Sitzung Ende Juli die Zinsen nur um einen viertel Prozentpunkt senken. Das habe die Fed angedeutet, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag. An den Märkten war zuletzt eine Absenkung um einen halben Prozentpunkt erwartet worden. Weitere Senkungen des Leitzinses seien aber danach angesichts der zunehmenden Unsicherheiten durch den Handelsstreit, der niedrigen Inflation und der Sorgen vor einer globalen Konjunkturabschwächung möglich.

Die etwas verpufften Zinshoffnungen drückten am Freitag die Wall Street ins Minus. Nach dem Rekordhoch am Montag gab der Dow auf Wochensicht um rund 0,7 Prozent nach. Zusätzliche Sorgen macht die geopolitische Lage am Persischen Golf. Der Iran hatte am Freitag einen britischen Tanker in der Straße von Hormus festgesetzt und damit die Spannungen in der Region verschärft. Am Ölmarkt sorgte dies für Nervosität, der Ölpreis zog an.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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27.680,74
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+0,05%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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3.086,38
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-0,17%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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62,55
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+0,32%

Optimistisch für die nächsten Monate zeigt sich Martin Stürner, Fondsmanager von PEH Empire. Er sieht den Dow bis Jahresende bei 30.000 Punkten. Der Nasdaq 100 dürfte, so Stürner, bis Ende Dezember auf knapp 9.000 Zähler klettern. Der Trend zur Digitalisierung bleibe der größte Wachstumstreiber an den Finanzmärkten, sagte Stürner. US-Technologiegiganten wie Alphabet, Apple, Microsoft oder Facebook geben hier den Takt vor. Europäischen Aktien traut er weniger positive Entwicklung als US-Titeln zu.

Schwacher Start in die Berichtssaison

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.198,37
Differenz relativ
-0,23%

Pessimistischer ist Bernd Meyer-Chefanlagestratege der Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank. Die angelaufene Bilanzsaison dürfte die Stimmung der Anleger dämpfen, prognostiziert Meyer. "Angesichts der weiterhin auf niedrigen Niveaus verharrenden konjunkturellen Frühindikatoren und erster Gewinnwarnungen erwarten wir eine zunehmende Anzahl an Unternehmen, die Ausblicke und Gewinnprognosen für 2019 senken werden", sagt Meyer. Wegen enttäuschender Geschäftszahlen verlor der Dax in der alten Woche ein halbes Prozent auf 12.260 Punkte.

In der neuen Woche öffnen allein ein halbes Dutzend Dax-Konzerne ihre Bücher. Hierzu gehören BASF und Daimler, die ihre Gesamtjahresziele bereits kassiert haben. Die vor einer drastischen Restrukturierung stehende Deutsche Bank veröffentlicht ebenfalls Geschäftszahlen. Aus dem Ausland legen unter anderem der Lebensmittel-Hersteller Nestlé, der Online-Händler Amazon und die Google-Mutter Alphabet ihre Zwischenbilanz vor.

Ifo-Index im Blickpunkt

Ifo-Geschäftsklimaindex Juni 2019

Ifo-Geschäftsklimaindex Juni 2019. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

Zu den wenigen Konjunkturdaten, die auf der Agenda steht, zählt der Ifo-Index am Donnerstag, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Außerdem werden die Barometer für die Laune der deutschen und europäischen Einkaufsmanager (jeweils Mittwoch) sowie der europäischen Verbraucher (Dienstag) veröffentlicht.

Vom schwelenden Zollstreit zwischen den USA und China erwartet Axel Cron, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank HSBC in Deutschland, kaum Auswirkungen auf die Börsenkurse. "An die Handelskonflikte haben sich die Kapitalmärkte bereits weitgehend gewöhnt."

Bange Blicke nach London

Mit wachsender Sorge blicken Börsianer nach Großbritannien, weil dort in der neuen Woche der Nachfolger von Premierministerin Theresa May als Chef der regierenden Tories und an der Regierungsspitze bekanntgegeben wird. Da beide Kandidaten, Außenminister Jeremy Hunt und sein Vorgänger Boris Johnson, ihr Land auf jeden Fall zum 31. Oktober aus der EU führen wollen, steigt Experten zufolge das Risiko eines ungeregelten Brexit. Für den Fall eines chaotischen Brexit rechnen Experten mit einer Zinssenkung der Bank von England.

nb