Commerzbankturm spiegelt sich in Deutsche Bank-Logo
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"FT"-Bericht macht Anleger nervös Braucht die Deutsche Bank frisches Geld?

Stand: 28.03.2019, 15:12 Uhr

Kapitalerhöhung oder keine Kapitalerhöhung? Das ist bei der Deutschen Bank wieder einmal die Frage. Zur Finanzierung einer Commerzbank-Übernahme wird sie intern bereits diskutiert, behauptet eine Zeitung. Die Bank gibt sich entrüstet.

"Die Spekulationen darüber sind falsch." Die Bank hat laut einem Unternehmenssprecher nicht einmal entschieden, ob es überhaupt zu einem Zusammenschluss mit der Commerzbank komme. Derzeit, so viel steht immerhin fest, laufen Gespräche in Arbeitsgruppen, in denen etwa die Struktur eines gemeinsamen Instituts durchgespielt wird.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Und naturgemäß dürfte dabei auch die Finanzierung eines Übernahmedeals erörtert werden. Aus dem Umfeld dieser Gespräche will die gewöhnlich gut informierte "Financial Times" erfahren haben, dass eine milliardenschwere Kapitalerhöhung in Erwägung gezogen wird, um den Deal zu bewerkstelligen. Unter Berufung auf Insider schreibt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe, die Ausgabe neuer Aktien im Volumen von drei bis zehn Milliarden Euro werde geprüft. Im Höchstfall ginge es dabei um rund 40 Prozent des bisherigen Börsenwerts der beiden größten deutschen Geldhäuser.

Dementis mit Geschichte

Allein der Bericht reichte einigen Investoren, um der Aktie erst einmal den Rücken zu kehren. Die Papiere sanken schnell um bis zu vier Prozent. Eine Kapitalerhöhung hat die Folge einer Gewinnverwässerung, die Folge ist in aller Regel ein Kursabschlag in entsprechender Höhe. Gerade langfristig orientierte Deutsche-Bank-Anleger sind gebrannte Kinder, wenn es um fortdauernde Dementis des Hauses im Bezug auf eine Kapitalmaßnahme geht. Immer wieder musste sich das Geldhaus über die Ausgabe neuer Anteilsscheine refinanzieren. Zuvor war (zu) oft erklärt worden, man sei in einer Position der Stärke und benötige keine Geldspritze.

DWS unter den Hammer?

Die Bank hat zudem derzeit mit mehreren Baustellen zu kämpfen, die an der finanziellen Schlagkraft des Instituts zweifeln lassen. So wird am Markt derzeit etwa spekuliert, dass die Fondstochter DWS unter den Hammer kommen könnte. Laut dem "Handelsblatt" hat Europas größte Fondsgesellschaft, die französische Amundi, Interesse an der DWS signalisiert. Dank seiner Erfahrung bei Fusionen komme Amundi eine natürliche Rolle bei der Konsolidierung des europäischen Marktes zu, sagte Amundi-Vorstandsmitglied Valerie Baudson dem "Handelsblatt" laut einer Vorabmeldung von heute auf die Frage nach möglichen Kaufabsichten für die DWS. Amundi gehört mehrheitlich der französischen Großbank Credit Agricole. Auch die Erlöse eines Verkaufs der Fondssparte könnten in den Gesprächen um den Commerzbank-Deal naturgemäß eine Rolle spielen.

Operativ unrund

Und nicht zuletzt scheint es operativ bei der Deutschen Bank derzeit alles andere als rund zu laufen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat das Institut im ersten Quartal nach Darstellung von Insidern vor allem im Wertpapierhandel kräftig an Boden verloren. "Der Januar war katastrophal, der Februar schlecht, im März wurde es langsam besser", so ein Insider am Donnerstag in Frankfurt. Die Deutsche Bank selbst hatte vergangene Woche im Geschäftsbericht erklärt, die Marktbedingungen hätten sich im Vergleich zu denen im vierten Quartal 2018 zwar verbessert, seien aber etwas schwächer als erwartet. Analysten rechnen mit einem deutlichen Rückgang der Erträge im Investmentbanking zu Jahresbeginn.

AB