Serviceware Börsengang
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Börsengang von Serviceware erfolgreich Serviceware: Sprungbrett zu Europas Spitze?

Stand: 20.04.2018, 12:46 Uhr

Gestern noch im kleinen verschlafenen hessischen Städchen Bad Camberg, heute auf der großen Börsenbühne: Serviceware feiert sein Börsendebüt. Dadurch will das Softwarehaus ganz groß raus kommen.

Serviceware hat nichts Geringeres im Sinn, als die Nummer 1 in Europa zu werden. Das Unternehmen, das mit seiner Software für die Digitalisierung und Automatisierung von Serviceprozessen in Unternehmen sorgt, hat es auf die Marktführerschaft abgesehen.

Wachstumspotenzial ist vor allem hierzulande reichlich vorhanden, gilt doch Deutschland in Sachen Digitalisierung - freundlich ausgedrückt - als wenig entwickelt. Der gerade vom Institut der Deutschen Wirtschaft und Google Germany erstellte Digital-Atlas zeigt den enormen Nachholbedarf in Zahlen: Nur ein Fünftel der Unternehmen ist bereits wirklich digitalisiert. Besonders die kleinen und mittelständischen Unternehmen (kurz KMU) hängen hinterher.

Viel Geld fürs Wachstum

Gute Aussichten also für das Softwarehaus Serviceware, das heute sein Debüt an der Frankfurter Börse feierte. Der Start war erfolgreich, die Aktie stieg am Vormittag um vier Prozent bis auf 24,75 Euro, nachdem die Titel zu 24 Euro ausgegeben worden waren.

Der Börsengang bringt das nötige Kleingeld, um zum großen Player aufzusteigen. Insgesamt spülte der Börsengang 89 Millionen Euro ein, wovon der Löwenanteil, 60 Millionen Euro, in die Firma fließt. Der Rest geht an die Altaktionäre um die Firmengründer Dirk Martin und Harald Popp.

Zukäufe voraus

Das Geld will Serviceware vor allem in Zukäufe stecken, damit seine Position im Bereich Großkunden ausbauen und die internationale Präsenz stärken. Schon seit Jahren ist das hessische Unternehmen auf Expansionskurs, wächst seit seiner Gründung 1998 mit einer durchschnittlichen Rate von mehr als 25 Prozent. Größe ist für Softwareunternehmen einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren, erklärte Dirk Martin, einer der Firmengründer.

Serviceware-Gründer und CEO Dirk K. Martin (l.) und CFO Harald Popp

Die beiden Gründer von Serviceware: Unternehmenschef Dirk K. Martin (l.) und Finanzchef Harald Popp. | Bildquelle: Serviceware

Mit der Software von Serviceware können Unternehmen ihren Kundenservice automatisieren und den gesamten Prozess aus einer Hand steuern. Das bringt Effizienz, und spart Kosten. Mit zunehmender Digitalisierung und im globalen Wettbewerb ein wichtiger Faktor, der für Unternehmen eine immer wichtigere Rolle spielt.

Neun Dax-Konzerne sind Kunde

Serviceware spielt ganz vorne mit, neun Dax-Konzerne gehören zu seinen Kunden, insgesamt sind es mehr als 500 Kunden. Damit hat sich das seit 20 Jahren bestehende Unternehmen sogar gegen die Großkonkurrenz aus den USA, Konzerne wie ServiceNow und Apptio, in Europa erfolgreich behauptet. Anders als die chronisch defizitären US-Rivalen macht Serviceware seit seiner Gründung Gewinn.

Im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende November) erwirtschafteten die Hessen mit 285 Mitarbeitern einen Umsatz von 44 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (Ebit) von 5,6 Millionen. In diesem Jahr dürfte Serviceware mehr als 54 Millionen Euro erlösen und rund fünf Millionen Ergebnis einfahren, so die Schätzungen. Zum Ausgabepreis wurde Serviceware mit 252 Millionen Euro bewertet.

Die Aktien der Konkurrenz haben sich bislang gut entwickelt. Ein vergleichbarer deutscher Wettbewerber ist USU Software, der gemessen am Umsatz rund doppelt so groß ist und ein operatives Ergebnis von etwa acht Millionen Euro erwirtschaftet.

bs