Stirnradschleifen mit Viper 500 bei Klingelnberg

Sechste Börsenpremiere in der Schweiz Klingelnberg - dreht jetzt auch das Börsenrad

Stand: 20.06.2018, 12:49 Uhr

„We make the world turn“ – wir sorgen dafür, dass sich die Welt dreht. So wirbt Klingelnberg für sich. Tatsächlich sorgt das Schweizer Unternehmen mit seinen Kegelrädern dafür, dass zum Beispiel Autos laufen. Heute ging Klingelnberg an die Börse.

Der Schweizer Maschinenbauer mit deutschen Wurzeln ist seit sieben Generationen in Familienhand. Heute änderte sich das: Klingelnberg ging an die Börse. Der erste Tag auf dem Parkett startete erfolgreich. Die Aktie, die zu 53 Franken an Investoren ausgegeben worden war, erreichte einen ersten Kurs von 54 Franken, ein Plus von zwei Prozent. Der Kurs kletterte noch bis 55,25 Franken, bevor er wieder auf den Ausgabekurs zurückfiel.

Klingelnberg kommt auf einen Börsenwert von etwa 470 Millionen Franken oder umgerechnet rund 408 Millionen Euro. Inklusive Mehrzuteilungsoption wurden rund 57 Prozent der Papiere an Investoren gebracht. Dem Unternehmen selbst fließen durch den Gang an die Börse etwa 20 Millionen Euro zu, womit der Maschinenbauer sein künftiges Wachstum finanzieren will. Dabei denkt Firmenchef Jan Klingelnberg sowohl an Wachstum aus eigener Kraft, als auch an Übernahmen, wie er kürzlich der Nachrichtenagentur AWP sagte. Klingelnberg hat dabei im Visier, Marktanteile zu gewinnen, neue Märkte zu erschließen sowie das Wartungsgeschäft zu stärken.

Was macht Klingelnberg?

Der Maschinenbauer stellt Zahnräder, Maschinen zur deren Herstellung sowie Messgeräte her. Das klingt vielleicht unattraktiv, irgendwie nach Old Economy, ist aber zukunftsträchtig. Klingelnberg könnte von Zukunftstrends wie Autos mit Hybridmotoren oder der Robotik profitieren.

Das 1863 gegründete Familienunternehmen ist sehr erfolgreich. Es zählt zu den führenden Unternehmen in der Verzahnungsindustrie, ist hier Technologieführer. Der Weltmarktführer bei Kegelrädern - das sind Zahnräder, die Drehbewegungen übertragen, z. B. in Getrieben und Antrieben bei Fahrzeugen.

Der Werkzeugmaschinenbauer beliefert neben der Automobil-, Nutzfahrzeug- und Luftfahrtindustrie auch die Windkraftindustrie. Die Anwendungen reichen von Automobilantrieben über Flugzeugturbinen-Triebwerke und Zementmühlengetriebe bis hin zu Antrieben für Schiffe und Ölbohrplattformen.

Speed Viper 80 von Klingelnberg

Die Speed Viper 80 - klingt nach Motorrad, ist aber eine Schleifmaschine von Klingelnberg, mit der Zahnräder geschliffen werden können.. | Bildquelle: Unternehmen

Deutsche Wurzeln

Damit lässt sich gut verdienen. Die Firma erwirtschaftete im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 257 Millionen Euro Umsatz und ein um Sonderfaktoren bereinigtes Betriebsergebnis (Ebit) von 23 Millionen Euro. Am Firmensitz in Zürich-Oerlikon, den deutschen Standorten Ettlingen und Hückeswagen sowie im ungarischen Györ arbeiten rund 1300 Beschäftigte. Das Unternehmen betreibt außerdem weltweit ein Netz von Vertriebs- und Service-Niederlassungen

Das Züricher Unternehmen hat deutsche Wurzeln. Es wurde 1863 in Remscheid gegründet, und erst fast 130 Jahre später, 1991 fand man den Weg in die Schweiz. Dank des Technologiekonzerns Oerlikon, mit dem Klingelnberg ein Joint Venture gründete. Nur knapp zwei Jahre später übernahm Klingelnberg das Gemeinschaftsunternehmen Oerlikon Geartec komplett. In diesem Jahr wurde auch der Hauptgeschäftssitz von Klingelnberg nach Zürich verlegt.

Börsenfieber in der Schweiz

In der Schweiz boomt der IPO-Markt in diesem Jahr. Mit dem sozialen Netzwerk Asmallworld, dem Logistikkonzern Ceva, der Pharmafirma Polyphor, dem Medizintechnikunternehmen Medartis und dem Sensor-Hersteller Sensirion sind in diesem Jahr bereits fünf Firmen an die Schweizer Börse SIX gegangen. Mindestens drei weiteren werden Ambitionen nachgesagt: Der Luxusgüterfirma Lalique, dem Verpackungskonzern SIG Combibloc und der Oerlikon-Antriebssparte Drive Systems.

Zwar sind mit Gategroup und Swissport zwei Milliarden-Transaktionen gescheitert. Aber doch dürfte 2018 das aktivste IPO-Jahr seit 2008 werden, als sieben Firmen ihre Aktien an der SIX listen ließen.

bs

1/10

Schweizer Börsenneulinge Eine Bereicherung fürs Depot?

Asmallworld-Screenshot

Asmallworld
Es ist so eine Art 'Facebook für Reiche": Seit 2013 betreibt Asmallworld ein soziales Netzwerk für die High Society mit rund 28.000 Nutzern (Stand: Februar 2018). In diesem Jahr der Börsengang - nicht etwa wegen des Geldes, wie das Unternehmen betonte. Der Börsengang soll vielmehr die Bekanntheit steigern. Aber natürlich will man auch mehr Handlungsspielraum gewinnen und will weiter wachsen.