Die Hände des französischen Torwarts Hugo Lloris fangen einen Ball

Drohende Rückschläge Börsen zurück in der Defensive?

Stand: 17.06.2018, 12:07 Uhr

Passend zum Beginn der Fußball-WM sind Dax & Co in der vergangenen Woche nach vorne gestürmt. Nun sollten sie aber wieder die Abwehr stabilisieren. Von mehreren Seiten droht (Konter-)Gefahr.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Ankündigung, die Zinsen noch über ein Jahr bei null zu halten, für Jubel an den Börsen gesorgt hatte, könnte in der kommenden Woche wieder Ernüchterung einkehren. Der am Freitag von US-Präsident Donald Trump neu angeheizte Handelsstreit mit China dürfte die Schlagzeilen und die Börsenkurse dominieren. Erste Auswirkungen waren bereits am Freitag zu spüren.

Angst vor einem Handelskrieg

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Die Furcht vor einem Handelskrieg lastete auf der Wall Street. Der Dow schloss am Freitag 0,3 Prozent tiefer bei 25.090 Zählern und verbuchte auf Wochensicht ein Minus von 0,9 Prozent.  Trump verkündete am Freitag neue Zölle von 25 Prozent auf über 1.100 chinesische Waren und Produktgruppen. Die Regierung in Peking reagierte mit eigenen Abgaben von 25 Prozent auf US-Produkte. Auf beiden Seiten geht es um ein Volumen von jeweils 50 Milliarden Dollar.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 17.00 Uhr: Handelsstreit kann deutsche Wirtschaft hart treffen

Auch die EU-Staaten brachten am Donnerstag Zölle auf US-Waren im Umfang von 2,8 Milliarden Euro auf den Weg. Sie reagierten damit auf die von Trump verhängten Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus Europa.  "Macht Präsident Donald Trump nun seine Drohung wahr und reagiert mit höheren Abgaben auf die Einfuhr von Autos aus der EU, könnte sich die Eskalationsspirale aus Zöllen und Gegenzöllen immer schneller drehen", warnt Vermögensverwalter Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer.

Dax erobert 13.000er Marke zurück

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dann könnten auch die 13.000 Punkte im Dax schnell wieder außer Sichtweite geraten. In der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex erstmals seit Ende Mai die runde Marke zurückerobert. Auf Wochensicht legte der Dax knapp zwei Prozent zu. Der "Börsensommer" hat also prächtig begonnen. Seit Anfang Juni hat der Dax 400 Punkte zugelegt. "Es ist beachtlich, wie gelassen Anleger mit Themen wie dem Handelskonflikt mit den USA umgehen", meint Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Für Auftrieb sorgte zuletzt der schwächelnde Euro, durch den sich die Wettbewerbschancen heimischer Firmen auf dem Weltmarkt verbessern. In der vergangenen Woche rutschte die Gemeinschaftswährung zeitweise auf bis 1,1543 Dollar, den niedrigsten Stand seit Ende Mai.

Bange Blicke richten Anleger auch auf die politische Entwicklung in Deutschland. "Sollte sich der aktuelle Asylstreit zu einer Regierungskrise ausweiten, dürfte das die Kurse belasten", glaubt Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Vor allem den Extremfall mit Neuwahlen und einer langen Hängepartie wolle an der Börse niemand.

Tatsächlich sind die Anleger wieder deutlich nervöser geworden. Der VDax als Gradmesser der Nervosität bewegt sich schon fast wieder auf historisch niedrigem Niveau.

Draghi & Co treffen sich in Sintra

So stark wie in der vergangenen Woche dürften die Notenbanken das Geschehen in den nächsten Tagen wohl nicht mehr bestimmen. Einzig von der EZB-Konferenz am Dienstag und Mittwoch im portugiesischen Sintra dürfte es ein paar Signale geben. Dort treten EZB-Präsident Mario Draghi und Fed-Chef Jerome Powell auf.

Wie es mit der Konjunktur in den USA weiter läuft, werden die Frühindikatoren und Daten zum Arbeitsmarkt am Donnerstag und Freitag zeigen. In der Eurozone wird lediglich der Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe im Juni veröffentlicht.

Opec-Länder versammeln sich in Wien

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Spannend dürfte es am Ölmarkt werden. Ende der Woche findet das Opec-Treffen in Wien statt. Spekulationen auf eine Lockerung der gemeinsamen Förderbremse der Opec- und Nicht-Opec-Länder hatten den Ölpreis in den vergangenen Wochen gedrückt. Experten gehen davon aus, dass Russland und Saudi-Arabien eine Erhöhung der Produktion durchsetzen werden. Das könnte die Versorgungslage am Ölmarkt kurzfristig entspannen, sagt Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht. "Da aber im Iran wegen der US-Sanktionen ebenfalls eine geringere Förderung droht, wird der Ölpreis wohl zunächst nicht unter 70 Dollar fallen."

nb