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Dax auf Richtungssuche Börsen droht stürmischer Herbst

Stand: 02.09.2017, 20:21 Uhr

Nach dem turbulenten Börsensommer könnte auch der Herbst ungemütlich werden. Der starke Euro, der ungelöste Nordkorea-Konflikt und die nahenden Bundestagswahlen dürften die Anleger in Atem halten. Und dann ist da auch noch die böse Statistik.

Der September gilt historisch gesehen als schlechtester Börsenmonat des Jahres, manche sprechen gar vom Horror-Monat. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stürzten die Börsen ab. Ein Jahr später ging es für den Dax im September über 20 Prozent nach unten. Und 2008 löste der Zusammenbruch von Lehman Brothers im September einen beispiellosen Kursrutsch aus. Vor allem in den 7er Jahren gab es an den Börsen im Herbst herbe Kursverluste.

Keine klaren Kaufsignale!

Keine guten Vorzeichen also für die erste Woche im Horrormonat September. Einiges deutet daraufhin, dass die jüngste Hängepartie am deutschen Aktienmarkt weiter gehen dürfte. Es fehlten weiterhin klare Kaufsignale, erklärten die Autoren der Bernecker-Publikation "Die Termin-Börse". Die Nordkorea-Krise sei noch nicht ausgestanden, und der gestiegene Eurokurs belaste weiter.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In der abgelaufenen Woche sorgte der erneute Raketentest Nordkoreas zeitweise für einen Kurseinbruch, der Dax fiel unter die Marke von 12.000 Punkten. Als aber weitere Provokationen ausblieben, berappelte sich der deutsche Leitindex wieder. Auf Wochensicht bleibt ein Mini-Minus von 0,2 Prozent. Dennoch bleibt die Lage auf der koreanischen Halbinsel explosiv. Es kann jederzeit zu einer neuen Eskalation des Konflikts zwischen Pjöngjang und den USA kommen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Kurzfristig dürfte die Richtung im Dax maßgeblich vom Euro abhängen. Steigt die Gemeinschaftswährung wieder Richtung 1,20 Dollar, dürfte der Dax darunter leiden. In der vergangenen Woche erreichte der Euro mit 1,2070 Dollar sein höchstes Niveau seit Anfang 2015.

Was sagt "Super Mario"?

Für Bewegungen am Devisenmarkt dürfte am Donnerstag wieder Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sorgen. Auf der EZB-Ratssitzung am Donnerstag könnte die geldpolitische Wende angekündigt werden. Draghi werde wohl eine Drosselung der monatlichen Anleihenkäufe von derzeit 60 Milliarden Euro andeuten, glaubt Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. "Allerdings wird die EZB dabei sehr vorsichtig vorgehen und sich wohl bei jedem Schritt größtmögliche Flexibilität erhalten." Das neue Volumen und die Mindestlaufzeit der Anleihenkäufe wird der Rat wohl erst nach der Sitzung im Oktober beschließen. Damit würden die Währungshüter Zeit gewinnen, um die weitere Entwicklung des Euro und der Inflation abzuwarten.

Derweil dürfte in den USA die lockere Geldpolitik weitergehen. Die schwachen US-Jobdaten im August, die am Freitag veröffentlicht wurden, haben die Spekulationen auf eine weitere Zinsanhebung in diesem Jahr schwinden lassen. Mehrere Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Fed erst Mitte 2018 die Zinszügel anziehen wird.

Der Wirbelsturm "Harvey" könnte die US-Konjunktur im dritten Quartal bremsen. Zudem droht ein baldiger Regierungsstillstand. Ende September, spätestens wohl Anfang Oktober könnte erneut die Schuldenobergrenze erreicht werden. Ohne eine Anhebung können Gehälter von Staatsbediensteten nicht mehr gezahlt und Schulden nicht mehr bedient werden. US-Präsident Trump hat mit einem Regierungsstillstand gedroht, wenn das Parlament keine Mittel zum Bau der geplanten Mauer an der Grenze zu Mexiko freigibt. Jede Woche eines "Government Shutdown" schmälere das US-Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte, prophezeit S&P.

Wall Street läuft heiß

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die Anleger dürften hin und hergerissen sein zwischen der Aussicht auf die Fortsetzung der Geldflut durch die Fed und der sich möglicherweise eintrübenden US-Konjunktur. Dementsprechend dünner dürfte die Luft an der Wall Street werden. Der Dow legte in der abgelaufenen Woche um 0,8 Prozent zu und schloss knapp unter der Marke von 22.000 Punkten. Am Montag ist die Wall Street wegen eines Feiertags geschlossen.

In der neuen Woche wird eine Vielzahl von Konjunkturdaten die Anleger auf Trab halten. In den USA werden am Dienstag die Auftragseingänge für langlebige Güter veröffentlicht. In Deutschland stehen unter anderem das Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager (Dienstag), die Auftragseingänge der Industrie (Mittwoch) und die Industrieproduktion (Donnerstag) auf dem Terminplan. Auf europäischer Ebene stehen die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen (Dienstag) im Blickpunkt.

Zurückhaltung vor den Bundestagswahlen

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die nahenden Bundestagswahlen. Diese dürften für Kaufzurückhaltung am deutschen Aktienmarkt sorgen, meinen die Analysten der DZ Bank. Obwohl mit keinen großen Überraschungen zu rechnen ist, könnten vor allem die internationalen Investoren vor größeren Neuinvestitionen die Wahl erst noch abwarten.

Unternehmensseitig wird es am Dienstagabend mit Blick auf die Zusammensetzung der großen deutschen Aktienindizes spannend. Der Lebensmittel-Teil des aufgespaltenen Handelskonzerns Metro steht Experten zufolge vor der Wiederaufnahme in den  MDax. Ob die Immobilien-Gesellschaft Grand City Properties aus dem Kleinwerteindex SDax in die höhere Börsenliga aufsteigt, scheint indes offen. Laut Index-Expertin Petra von Kerssenbrock von der Commerzbank droht dem Industriedienstleister Bilfinger und dem Großküchen-Hersteller Rational der Abstieg. Gefährdet seien aber auch die Deutsche Pfandbriefbank und Südzucker. Im Technologiewerteindex TecDax muss die Biotech-Firma Medigene um ihren Platz bangen, wenngleich sich dessen Chancen nach dem jüngsten Kurssprung verbessert haben. Die Umstellung der Indizes findet dann zum 18. September statt.

nb