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Dax auf dem Weg zur 13.000er Marke Börsen auf herbstlicher Gipfeltour

Stand: 03.11.2019, 11:10 Uhr

Wie lange hält der goldene Herbst an den Aktienmärkten noch an? Nach dem starken Oktober hat auch der November mit Kursgewinnen begonnen. In der kommenden Woche könnte der Dax erstmals seit langem wieder eine runde Marke knacken - falls die Wall Street mitspielt.

2019 neigt sich allmählich dem Ende zu. Bisher sieht es ganz danach aus, dass es ein tolles Börsenjahr wird. In den ersten zehn Monaten schaffte der Dax ein Plus von 23 Prozent. Alleine im Oktober stieg der deutsche Leitindex um 3,5 Prozent.

S&P 500 auf Rekordhoch

In der abgelaufenen Woche markierte der Dax ein neues Jahreshoch - mit 12.992 Zählern. Gut möglich, dass am Montag die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten fällt. Denn die Wall Street befindet sich im Rekordfieber. Am Freitag erreichte der breit gefasste S&P 500 eine neue historische Höchstmarke von 3.066 Punkten. Und auch der Dow ist nicht mehr weit von seinem Allzeithoch entfernt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Neuen Schub könnte die Annäherung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit geben. Am Freitag berichtete die Nachrichtenagentur Die staatliche chinesische Agentur Xinhua berichtete, dass beide Seiten nach einem Telefongespräch der Chefunterhändler "eine Einigung auf Grundsätze erreicht" hätten. Auch der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sprach von Fortschritten bei einigen Punkten.

Die nächste Zahlenflut kommt

Anleger hoffen in der kommenden Woche zudem auf Rückenwind durch die Quartalberichtssaison. Zahlreiche Unternehmen legen ihre Zahlen vor. Alleine ein Drittel der Dax-Konzerne gibt Einblick in seine Bücher, darunter die Deutsche Telekom, Siemens, Adidas und die Allianz. Sollten die Berichte besser ausfallen als erwartet, könnte es am deutschen Aktienmarkt weiter nach oben gehen.

Bisher haben vor allem die US-Konzerne positiv überrascht. Auch einige deutsche Unternehmen konnten die Erwartungen toppen. Laut Experte Markus Wallner von der Commerzbank hinge das damit zusammen, dass zahlreiche Analysten ihre Erwartungen für etliche Unternehmen insbesondere nach den enttäuschenden Zahlen für das zweite Quartal deutlich gesenkt hätten. "Wegen der positiven Überraschungen dürfte der Abwärtstrend bei den Gewinnerwartungen an Momentum verlieren", schreibt Wallner.

Die Chancen für Jahresend-Rally sind gestiegen. Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect glaubt, dass der Start einer Jahresend-Rally nur "eine Frage der Zeit" sein dürfte. Zumal nun saisonal die beste Zeit des Jahres ansteht.

Dax 13.000! Ja,aber...

Vor zu viel Euphorie warnt allerdings Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners. "Alle haben die große runde Marke von 13.000 Punkten klar vor Augen", sagte Altmann. "Wenn aber alle nach oben blicken, besteht die Gefahr, dass Risiken aus dem Blickfeld geraten." Mit Blick auf die eher rückläufigen Gewinne bei den Dax-Unternehmen sei der Index derzeit sehr teuer bewertet. Das mache ihn anfälliger für Rückschläge, meint Altmann.

Von den Notenbanken ist in der nächsten Woche wenig Neues zu erwarten. Einzig die Bank von England meldet sich am Donnerstag zu Wort. Eine Veränderung des Leitzinses gilt als ausgeschlossen, wichtiger dürfte die Einschätzung der jüngsten Entwicklung im Brexit-Drama sein. Experten zufolge werde sich die Notenbank alle Optionen offen halten, um eingreifen zu können, sollte es im Rahmen des britischen EU-Ausstiegs zu Verwerfungen kommen.

Je mehr zinssenkende Notenbanken, desto stärker steigen die Börsen

Das billige Geld der Notenbanken flutet die Aktienmärkte. Weltweit sind 85 Prozent der Notenbanken im Zinssenkungsmodus, hat das Geldhaus Metzler herausgefunden. Je höher der Anteil der zinssenkenden Notenbanken ist, desto stärker steigen die Aktienkurse, meint Analyst Michael Mayer. Bei einem Anteil von 40 bis 60 Prozent stiegen die Kurse durchschnittlich um 4,6 Prozent, bei über 60 Prozent betrug das Plus durchschnittlich 8,1 Prozent. Mayer ist überzeugt, dass der aktuelle Kurs der Notenbanken für Aktien spricht.

Die Zinsen dürften auf lange Sicht tief bleiben, sind sich die meisten Experten sicher. "Uns steht ein Permafrost beim Zins bevor", prophezeit Vermögensverwalter Bert Flossbach. Aktien seien da klar die einzige Alternative. Sie "sind die beste Anlage für langfristige Sicherheit". Alleine die Dividende von drei Prozent jährlich im Schnitt reiche schon aus, um Anleihen zu schlagen.

Metzler bevorzugt europäische Aktien und Value

Auch die Metzler-Experten bevorzugen derzeit Aktien. Die Aktienquote wurde auf 69 Prozent angehoben. Das Bankhaus sieht am meisten Potenzial bei europäischen Titeln. Auf Jahressicht sei hier eine Performance von acht bis zehn Prozent zu erwarten. Bei US-Aktien rechnet Metzler lediglich mit einem Zuwachs von fünf Prozent. Zudem rechnen die Bank-Expoerten mit einem Comeback der Value-Aktien.

nb