Boeing 737 MAX

Verluste im ersten Quartal Boeing vor massivem Stellenabbau

Stand: 29.04.2020, 15:04 Uhr

Die Corona-Pandemie und das Debakel rund um den Unglücksflieger 737 MAX haben Boeing im ersten Quartal tiefrote Zahlen eingebrockt. Jetzt sollen Jobs gestrichen werden.

Die Sparten für den Verkehrsflugzeugbau und das Wartungsgeschäft sollen um mehr als 15 Prozent schrumpfen, kündigte Boeing-Chef Dave Calhoun in einem Schreiben an die Mitarbeiter an. Die Arbeitsplätze sollten durch Fluktuation, freiwillige Abschiede und wenn nötig auch Kündigungen abgebaut werden. Insgesamt sollen zehn Prozent der weltweit insgesamt rund 160.000 Stellen konzernweit wegfallen.

Das Unternehmen sehe sich wegen der Pandemie zu einer weiteren Verringerung der Produktionsrate und damit auch dem Stellenabbau gezwungen. Der Konzern prüft zudem die Möglichkeit von Staatshilfen und wirbt für eine Kreditvergabe an die gesamte Lieferkette im Flugzeugbau.

Damit reagiert Boeing auf den Geschäftseinbruch im ersten Quartal. Unterm Strich fiel in dieser Zeit ein Verlust von 641 Millionen Dollar an. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte Boeing noch einen Gewinn von 2,1 Milliarden Dollar erzielt. Der Umsatz des Airbus-Erzrivalen sank um 26 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar.

Mehr als 300 Aufträge weg

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Für die 737 MAX gingen insgesamt 314 Aufträge verloren. Wegen der Pandemie musste außerdem die aufgrund der Startverbote für den Krisenjet ohnehin schon stark eingeschränkte Flugzeugproduktion vorübergehend ganz gestoppt werden. Der Konzern zwar dabei, seine Werke wieder zu öffnen, wird die Produktion seines Langstreckenjets 787 "Dreamliner" sowie der Boeing 777 und deren Neuauflage 777X jedoch wegen des Corona-Nachfrageschocks dauerhaft drosseln.

"Die Pandemie trifft jeden Aspekt unseres Geschäfts", sagte Vorstandschef Dave Calhoun. "Wir stehen vor völlig unerwarteten Herausforderungen." Es werde Jahre dauern, ehe der Luftverkehr wieder auf das Volumen von vor einigen Monaten anwachse, so Calhoun.

Da auch die US-Behörden lahm liegen, könnte sich die zur Jahresmitte von Boeing dringend erhoffte Wiederzulassung der 737 MAX durch die Luftfahrtaufsicht noch weiter verzögern, befürchten Experten.

Aktie legt etwas zu

Je länger das bis zu den Abstürzen bestverkaufte Modell nicht abheben dürfe, desto schwieriger werde es für Boeing, wieder auf die Beine zu kommen. Das belastet auch die Aktie stark - der Kurs brach in den vergangenen drei Monaten um 60 Prozent ein. Der Quartalsbericht kam indes zunächst gut bei Anlegern an - die Aktie reagierte vorbörslich mit Kursgewinnen. Zuletzt lag sie mit rund 3,5 Prozent im Plus.

lg/dpa/rtr

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