Boeing, Corporate Offices

Tiefrote Zahlen vorgelegt Boeing: Zehntausende Jobs in Gefahr

Stand: 28.10.2020, 15:15 Uhr

Wie erwartet hat der Flugzeugbauer Boeing auch in den Sommermonaten hohe Verluste verbucht. Nun ist der Abbau weiterer zahlreicher Jobs geplant. Doch es gibt auch positive Nachrichten.

Vorstandschef Dave Calhoun teilte in einem Memo an die Belegschaft mit, dass die Mitarbeiterzahl bis Ende 2021 auf rund 130.000 reduziert werden dürfte. Anfang 2020 hatte Boeing noch ungefähr 160.000 Beschäftigte.

Boeing-Chef David L. Calhoun

Boeing-Chef David L. Calhoun. | Bildquelle: Unternehmen

Dabei hatte der stark unter der Corona-Krise und dem Debakel um den Unglücksjet 737 MAX leidende Konzern bereits drastische Stellenstreichungen angekündigt. Zunächst war die Rede von zehn Prozent der Belegschaft, vor drei Monaten hieß es dann, dass bis zum Jahresende rund 19.000 Mitarbeiter den Konzern verlassen würden. Damals warnte Calhoun bereits vor möglichen weiteren Einschnitten.

Vierter Quartalsverlust in Folge

In den drei Monaten bis Ende September fiel bereits der vierte Quartalsverlust in Folge an. Angesichts der prekären Lage und trüber Aussichten plant Boeing mit dem Abbau zahlreicher weiterer Jobs. Es gibt allerdings auch Hoffnungszeichen.

Unter dem Strich erlitt Boeing im dritten Quartal einen Verlust von 466 Millionen Dollar nach einem Gewinn von fast 1,2 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit einem deutlich höheren Minus gerechnet.

Im zweiten Quartal hatte sich der Verlust sogar auf 2,4 Milliarden Dollar summiert. Der Umsatz brach im dritten Quartal gegenüber dem bereits stark von der 737-MAX-Krise belasteten Vorjahreswert um 29 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar ein.

Aktie im Sinkflug

Die Aktie reagierte vorbörslich mit Verlusten, seit Jahresbeginn ist der Kurs bereits um mehr als 50 Prozent gesunken. Die "tiefen Auswirkungen" der Corona-Krise hätten im Geschäft mit Verkehrsflugzeugen zu Einbußen auf breiter Front geführt, erklärte Dave Calhoun.

Der Konzern stemme sich mit seinen übrigen Sparten wie Rüstung und Raumfahrt sowie mit Kostensenkungen gegen die Krise, müsse aber weiter massiv Personal abbauen.

Flugverbot für die 737 MAX könnte aufgehoben werden

Boeing 737 MAX

Boeing 737 MAX. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Allerdings gab es zuletzt auch etwas Positives. So könnte das Flugverbot für die 737 MAX, die im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten weltweit aus dem Verkehr gezogen wurde, schon bald aufgehoben werden. Nachdem eine Steuerungssoftware repariert wurde, die als Hauptursache der Unglücke gilt, rückt die Wiederzulassung in den USA offenbar immer näher. Auch Europas Luftfahrtaufsicht EASA hat bereits ihre Zustimmung signalisiert. "Wir machen wichtige Fortschritte", erklärte Boeing-Chef Calhoun jetzt.

Die Corona-Pandemie, die weite Teile des Luftverkehrs lahmgelegt und viele Fluggesellschaften in Finanznot gebracht hat, dürfte Boeing hingegen noch deutlich länger belasten. Der Konzern rechnet mit einer Durststrecke, die die Nachfrage nach Flugzeugen dauerhaft dämpfen wird.

381 Aufträge verloren

"Es dürfte etwa drei Jahre dauern, um das Niveau von 2019 wieder zu erreichen", sagte Boeing-Manager Darren Hulst kürzlich. Bis die Luftfahrtbranche zu ihrem langfristigen Wachstumstrend zurückkehre, dürften fünf oder sogar mehr Jahre vergehen.

Boeing musste angesichts des geringeren Bedarfs bereits zahlreiche Abbestellungen verkraften. Insgesamt gingen Boeing von Jahresbeginn bis Ende September unterm Strich bereits 381 Aufträge verloren. Der Konzern leidet besonders unter Stornierungen der 737 MAX. Doch auch hier hat sich die Lage zuletzt zumindest etwas entspannt - im September wurden die wenigsten Aufträge seit der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus im Februar zurückgezogen.

lg/dpa