Boeing 747 der Qantas Airways im Steigflug

Umsatz um 25 Prozent eingebrochen Boeing in schweren Turbulenzen

Stand: 29.07.2020, 14:33 Uhr

Die Corona-Pandemie und das Debakel um den nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegten Krisenjet 737 MAX haben dem Flugzeugbauer die Bilanz verhagelt. Boeing reagiert nun mit dem Aus des legendären Jumbo Jets 747.

Im zweiten Quartal stand unter dem Strich ein Verlust von rund 2,4 Milliarden Dollar, nachdem das Flugverbot für den Mittelstreckenjet 737 MAX dem Konzern ein Jahr zuvor bereits ein Minus von 2,9 Milliarden Dollar eingebrockt hatte. Analysten hatten allerdings mit einem deutlich geringeren Defizit gerechnet.

Wie sehr der Flugzeugbauer von der Corona-Pandemie und dem Flugverbot der 737 MAX getroffen wurde, zeigt ein Blick auf den Umsatz: der ist zwischen April und Juni um 25 Prozent eingebrochen auf 11,8 Milliarden Dollar. So wurden im abgelaufenen Quartal nur 20 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert.

Jumbo-Produktion wird eingestellt

Boeing reagiert mit einem harten Sanierungsprogramm auf die Krise. Dazu gehört auch das Aus für die Produktion der Boeing 747, des legendären Jumbo Jets, dessen Fertigung in zwei Jahren eingestellt werden soll. Weil die Corona-Krise die Luftfahrt fast zum Erliegen gebracht hat und sich keine rasche Erholung abzeichnet, versucht sich Boeing durch eine Reduzierung der Produktion der Krise anzupassen.

Auch die Produktion der Langstreckenjets wird weiter zurückgefahren. So sollen im kommenden Jahr monatlich nur noch sechs Exemplare des Models 787 "Dreamliner" fertig werden. Die Produktion der noch größeren Boeing 777 und ihrer Neuauflage 777X soll auf zwei Maschinen pro Monat sinken. Die Auslieferung der ersten 777X erwartet Boeing erst im Jahr 2022. Die Produktion der 737 MAX, deren Wiederzulassung das Management bald erwartet, fährt derzeit erst langsam wieder hoch.

Im ersten Halbjahr hatten viele Airlines zahlreiche Aufträge storniert. Angesichts der erneuten Corona-Eskalation in einigen US-Bundesstaaten und anderen Teilen der Welt ist keine rasche Erholung der Luftfahrt in Sicht.

Ab 2022 wieder steigende Produktion

Zusätzlich zur allgemeinen pandemiebedingten Luftfahrtkrise leidet Boeing darunter, dass für das wichtigste Modell 737 MAX wegen zweier Abstürze mit insgesamt 346 Toten seit über einem Jahr Startverbote gelten. Dadurch kann die Baureihe - Boeings bestverkauftes Modell, für das es trotz der jüngsten Stornowelle sehr viele Vorbestellungen gibt - nicht ausgeliefert werden, was zu Umsatzeinbußen führt.

Das Unternehmen berichtet nun, dass es beabsichtigt, die Produktion der Modellreihe 737 schrittweise hochzufahren. Anfang 2022 sollen dann 31 Exemplare im Monat produziert werden. Boeing beziffert den inzwischen entstandenen gesamten Rückstand bestellter aber nicht ausgelieferter und stornierte Flugzeuge auf 4.500 Exemplare.

An der Börse kamen die Zahlen angesichts der düsteren Erwartungen gut an, die Boeing-Aktie steigt im vorbörslichen US-Handel um 1,3 Prozent.

lg