Auf einem Boeing-Mitarbeiterparkplatz abgestellte 737 MAX

Auftragsminus Boeing: Neues Software-Problem beim Krisenflieger

Stand: 19.01.2020, 18:33 Uhr

Die Sorgen beim Krisenjet Boeing 737 MAX reißen nicht ab. Ein neues Softwareproblem könnte eine Wiederzulassung weiter erschweren. Unterdessen äußert sich die Ratingagentur Fitch kritisch zum Flugzeugbauer.

Fitch hat das langfristige Kredit-Rating für den Flugzeugbauer gesenkt von zuvor "A" auf  "A-". Die Fachleute begründeten den Schritt mit gestiegenen Risiken wegen der Schwierigkeiten mit den Flugzeugen des Typs 737 MAX, die derzeit am Boden bleiben müssen. Die Probleme mit den Maschinen hätten dazu geführt, dass das Finanzpolster des Konzerns deutlich geschrumpft sei.

Und die Probleme gehen weiter: Boeing hat ein neues Software-Problem bei dem mit Flugverboten belegten Krisenjet 737 MAX gefunden, das eine Wiederzulassung erschweren könnte. Das neue Problem betreffe eine Software, die den korrekten Betrieb bestimmter Monitore der 737 MAX sicherstellen solle, hieß es aus eingeweihten Kreisen. Einer dieser Monitore sei bei einem Test nicht richtig hochgefahren worden.

Hauptsache sicher

Das Unternehmen habe die US-Luftfahrtbehörde FAA unterrichtet, teilte Boeing mit. "Unsere oberste Priorität ist, dass die 737 MAX sicher ist und alle regulatorischen Vorgaben erfüllt sind, bevor sie wieder in den Betrieb geht."

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA erklärte in einem Statement lediglich, dass bei der angestrebten Wiederinbetriebnahme der 737 MAX ein gründlicher Prüfungsprozess befolgt werde, bei dem die Behörde mit anderen internationalen Regulierern kooperiere. Es gebe keinen Zeitplan darüber, wann diese Arbeiten abgeschlossen werden.

Mehr Stornierungen als neue Aufträge

Die 737 MAX ist seit März 2019 wegen zwei Abstürzen, bei denen insgesamt 346 Menschen starben, rund um den Globus mit Flugverboten belegt. Als entscheidende Ursache der verheerenden Unglücke gilt eine fehlerhafte Steuerungsautomatik der Boeing-Flugzeuge.

Vor einigen Tagen hatte Boeing erstmals seit Jahrzehnten über ein Auftragsminus berichtet. Unter dem Strich büßte Boeing im Gesamtjahr 87 Bestellungen ein, weil es mehr Stornierungen als neue Aufträge gab. Das Unternehmen konnte nicht auf Anhieb Auskunft geben, ob und wann es zuvor schon mal eine negative Jahresbilanz gab. "Dies ist in den vergangenen 30 Jahren definitiv nicht vorgekommen", sagte ein Sprecher dem US-Sender CNBC.

Neue Schulden in Sicht

Wie am Abend bekannt wurde, will der US-Konzern einem Bericht zufolge zehn Milliarden Dollar an neuen Schulden aufnehmen. Damit soll die Krise um die 737 MAX bewältigt werden. Sechs Milliarden habe sich Boeing bereits bei Banken gesichert, berichtete der Sender "CNBC". Wegen des Flugverbots verliert Boeing nach Analystenschätzungen etwa eine Milliarde Dollar pro Monat.

Die Boeing-Aktie hat in den vergangenen drei Monaten rund zehn Prozent verloren und notiert unterhalb von 300 Euro. Anfang März des vergangenen Jahres mussten Anleger für Boeing-Titel noch rund 390 Euro bezahlen.    

ts/rm/rtr