Boeing-Chef David L. Calhoun

Hohe Erwartungen an neuen Chef Boeing-Chef: Erst Probleme lösen, dann Bonus

Stand: 25.02.2020, 10:33 Uhr

Der neue Boeing-Chef Dave Calhoun soll den angeschlagenen Konzern aus der Krise führen. Erst wenn ihm das gelingt, kann er auf einen millionenschweren Bonus hoffen.

Tatsächlich macht der Konzern die vereinbarte Zahlung von sieben Millionen Dollar davon abhängig, ob es dem Manager gelingt, den Flugzeugbauer wieder aus der Krise zu führen.

Dazu gehört natürlich, die Probleme beim Mittelstreckenjet 737 Max zu lösen. Doch das ist längst nicht alles was von dem Manager erwartet wird. So soll Calhoun bis Ende 2023 auch die anderen Großbaustellen des Konzerns in den Griff bekommen. Auf der Liste steht der modernisierte Großraumjet 777X, das Tankflugzeug KC-46 und das Raumschiff "Starliner".

Zulassung erwirken

Gelandete Boeing 777X nach dem Erstflug am 25.01.2020 in Everett, Washington

Boeing 777X. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Für den 777X soll Calhoun die behördliche Zulassung erwirken und den Jet erfolgreich vermarkten, wie aus einer Boeing-Mitteilung hervorgeht. Airlines weltweit haben den Flieger bestellt, darunter Lufthansa. Die 777X soll dank neuer Triebwerke und einer verbesserten Aerodynamik deutlich weniger Kerosin verbrauchen als die Vorgängerin Boeing 777. Technikprobleme hatten den Konzern aber gezwungen, den Zeitplan für Erstflug und Auslieferung des Modells zu verschieben.

Auch das Raumschiff "Starliner" ist bereits geflogen - doch der unbemannte Testflug Ende 2019 musste nach einem missglückten Start abgebrochen werden. Zudem muss Calhoun Probleme bei der Produktion des militärischen Tankflugzeugs KC-46 abstellen. Neben Verzögerungen und Milliarden-Mehrkosten gab es Ärger wegen technischer Mängel und Fremdkörpern wie Werkzeug in den Maschinen, die offenbar Arbeiter bei der Produktion zurückließen.

Auch ohne Bonus gut bezahlt

Das Fremdkörper-Problem hatte Boeing auch beim Langstreckenjet 787 "Dreamliner" und bei der 737 Max. Hinzu kamen bei dem erneuerten Mittelstreckenjet andere Defizite. Boeing ist im vergangenen Jahr in eine gewaltige Krise geraten, nachdem bei Abstürzen zweier Maschinen der 737 Max 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Seitdem darf der bis dahin meistgefragte Boeing-Typ weltweit nicht mehr abheben.

Der Hersteller hat auch die Produktion gestoppt, die Wiederzulassung verzögert sich. Das Management erwartet, dass die "Max" erst ab Mitte dieses Jahres wieder abheben darf. Die Kosten für das Desaster hat der Konzern zuletzt auf 18 Milliarden Dollar geschätzt.

ANA bestellt neue Flugzeuge

Der bisherige Chef Dennis Muilenburg musste Ende 2019 gehen. Calhoun wird daran gemessen, dass er den Flugzeugtyp absehbar und sicher wieder in die Luft bekommt. Indes würde der Manager auch ohne Bonus noch gut bezahlt: Ihm stehen eine jährliche Vergütung von 10,9 Millionen Dollar und zusätzlich Aktien im Wert von 10 Millionen Dollar zu, die er nach drei Jahren erhält.

Einen ersten Erfolg hat Calhoun schon zu vermelden: Die japanische Fluglinie ANA Holdings teilte mit, sie werde 15 weitere Flugzeuge des Typs Dreamliner zu einem Listenpreis von insgesamt fünf Milliarden Dollar bestellen.

lg/dpa