Boeing 787

Geplatzte Iran-Geschäfte Boeing reagiert gelassen

Stand: 10.05.2018, 08:03 Uhr

Den Flugzeugbauern Airbus und Boeing entgehen durch Trumps Entscheidung Iran-Aufträge in Milliardenhöhe. Während Airbus die Auswirkungen noch prüfen will, reagiert Boeing erstaunlich gelassen.

Dass Boeing durch den Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen mit dem Iran milliardenschwere Aufträge entgehen, ist laut Konzernchef Dennis Muilenburg gut zu verkraften. Für die vereinbarten Verkäufe an iranische Fluggesellschaften seien ohnehin noch keine Produktionsplätze eingeplant gewesen, sagte Muilenburg. Man werde bei Iran-Geschäften der "Führung der US-Regierung" folgen.

Boeing hatte sich mit zwei Fluggesellschaften aus dem Iran auf den Verkauf von insgesamt 110 Jets geeinigt, die nach Listenpreisen einen Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar hätten und nach Abzug branchenüblicher Rabatte für Großaufträge wohl knapp zehn Milliarden kosten würden. Die Entscheidung von Präsident Donald Trump, die Iran-Sanktionen wiederzubeleben, lässt diese Geschäfte nun platzen.

Ohnehin nicht im Orderbuch

Wegen der hohen Ungewissheit hatte Boeing die Bestellungen aber ohnehin noch nicht im Orderbuch stehen. Gemessen an den vielen Aufträgen, auf denen der US-Konzern sitzt, fallen sie insgesamt auch nicht so stark ins Gewicht. Aktionäre reagierten dennoch erleichtert auf Muilenburgs Aussagen.

Auch die Anleger machen sich wegen der geplatzten Aufträge keine Sorgen. Die Boeing-Aktie legte im New Yorker Handel sogar um 1,8 Prozent zu.

Airbus kündigt Untersuchung an

Deutlich vorsichtiger äußert sich Airbus zu den Auswirkungen des aufgekündigten Abkommens. Das Unternehmen werde die Ankündigung zunächst untersuchen, teilte ein Airbus-Sprecher mit. Airbus hatte Ende 2016 mit Iran Air einen Großauftrag über 98 Verkehrsflugzeuge abgeschlossen. Davon wurde eins bisher direkt ausgeliefert, wie der Sprecher sagte.

Im Orderbuch des Unternehmens verblieben also 97 Airbus-Maschinen. Zwei Airbusse seien zudem über Leasingfirmen in den Iran gelangt. "Wir untersuchen die Ankündigung sorgfältig und werden die nächsten Schritte prüfen - in Übereinstimmung mit unseren internen Grundsätzen und in vollständiger Einhaltung von Sanktionen und Regeln der Ausfuhrkontrolle", erklärte der Sprecher. Dies könne einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Airbus-Anleger reagierten ganz anders als die Aktionäre des amerikanischen Rivalen. Die Aktie des europäischen Flugzeugbauers schloss gestern ein Prozent schwächer.

lg

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