Boeing 777X
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Probleme über Probleme Boeing bleibt am Boden

Stand: 23.10.2019, 13:56 Uhr

Die Erwartungen an die Ergebnisse des Flugzeugbauers waren schon ziemlich pessimistisch. Doch Boeing hat es geschafft, diese noch deutlich zu unterbieten.

Im Quartal von Juli bis September lag das bereinigte Ergebnis bei 1,45 Dollar je Aktie. Analysten hatte im Schnitt mit einem Wert von 2,17 Dollar gerechnet. Der Nettogewinn brach mit 51 Prozent auf 1,17 Milliarden Dollar noch etwas stärker ein als zunächst befürchtet. Die Umsätze gingen um 21 Prozent auf 19,98 Milliarden Dollar zurück und lagen damit leicht über dem Vorjahresniveau.

Neben den gewaltigen Problemen beim 737 MAX tritt Boeing nun aber bei zwei anderen Flugzeugmodellen etwas kürzer. Die Produktion des 787 Dreamliners wird für zwei Jahre von 14 auf 12 Flugzeuge pro Monat reduziert. Außerdem peilt Boeing die erste Auslieferung der Ultralangstreckenversion des Modells 777X nun erst für das Jahr 2021 an. Bislang hatte der Konzern noch von 2020 gesprochen. Damit gerät der Konzern gegenüber Airbus weiter ins Hintertreffen. Denn das direkte Konkurrenzmodell Airbus A350-900ULR liegt zumindest bisher im Zeitplan.

Immerhin scheint Boeing fest von der baldigen Wiederzulassung des 737 MAX überzeugt zu sein. Denn bis Ende 2020 sollen 57 Einheiten pro Monat hergestellt werden.

Muilenburg muss liefern

Die Zahlen zeigen das ganze Ausmaß des Boeing-Debakels, die erst vor kurzem zu einer teilweisen Entmachtung von Konzernchef Dennis Muilenburg führte. Muilenburg gab den Vorsitz im Verwaltungsrat ab. Anstatt sich quasi selbst zu kontrollieren, kümmert er sich nun als Vorstandschef in erster Linie um die angestrebte Wiederzulassung der 737 MAX.

Auf einem Boeing-Mitarbeiterparkplatz abgestellte 737 MAX

Abgestellte Boeing 737 MAX . | Bildquelle: picture alliance / ZUMA Press

Die schlechten Zahlen hatten sich bereits angedeutet. Der Konzern aus Seattle hatte bereits bekannt gegeben, dass man zwischen Januar und September insgesamt nur 302 Flugzeuge ausgeliefert hatte. Das waren 266 Jets weniger als in den ersten neun Monaten des Vorjahres. Deutlich besser lief es für Airbus mit 571 ausgelieferten Jets.

Seit März durften die Maschinen des Flugzeugtyps nicht mehr im Rahmen kommerzieller Flüge mit Passagieren abheben. Ein Ende der Flugpause ist noch nicht in Sicht. Fluggesellschaften müssen ihre Erwartungen für die Wiederinbetriebnahme immer weiter nach hinten korrigieren. Air Canada rechnet nicht mit einem Einsatz vor Februar. Damit ist die Flugpause für die 737 MAX die längste in der Geschichte der Luftfahrt.

737 MAX: Eine grundlegende Fehlkonstruktion?

Immer mehr stellt sich die Frage, ob die Entscheidung nicht falsch war, die 737 MAX überhaupt zu entwickeln. Einerseits basiert sie auf einer Grundkonstruktion aus den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Somit musste sie nicht völlig neu entwickelt werden, was viel Geld gespart hat. Auch die Strategie, die bereits vorhandenen Triebwerke vom Typ "Leap 1B"  für die 737 MAX zu nutzen, erscheint nach den zwei Abstürzen zumindest fragwürdig.

Ursprünglich waren diese für das Konkurrenzmodell Airbus 320 neo entwickelt worden. Da die Triebwerke einen größeren Turbinendurchmesser als die Motoren der Vorgängergeneration 737-NG haben, passen sie nicht unter die Flügel der 737 MAX. Damit die Triebwerke überhaupt verwendet werden können, platzierte Boeing sie praktisch vor die Flügel, was aber die Flugeigenschaften des Flugzeugs in bestimmten Situationen entscheidend verschlechterte.

Die 737 MAX hat wegen der ungewöhnlichen Lage ihrer Triebwerke, die Tendenz nach oben zu "nicken". Um einen Strömungsabriss zu verhindern, entwickelte Boeing das umstrittene Flugsteuerungssystem Maneuvering Characteristics Augmentation System, kurz MCAS. Es drückt die Maschinen nach unten - wenn das Flugzeug mal wieder "nickt". Bei den beiden Abstürzen in Indonesien und Äthiopien drückte das MCAS wegen falscher Sensordaten die Flugzeuge mutmaßlich in Richtung Boden und brachte sie damit zum Absturz.

ME

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