Boeing an der NYSE

Nach dem Flugzeugabsturz Boeing-Aktie: Eine Gefahr für den Dow?

Stand: 12.03.2019, 15:24 Uhr

Gerade hatte sich die Boeing-Aktie von ihrem Einbruch im Dezember wieder prächtig erholt. Und nun das. Der Absturz einer Boeing 737 MAX, eines Verkaufsschlagers, hat auch das Börsenschwergewicht zu Fall gebracht. Was bedeutet das für den US-Leitindex Dow Jones?

Dass der Dow Jones-Index seit Jahresbeginn um zehn Prozent gestiegen ist, hat auch viel mit Boeing zu tun. Denn die Aktie des Flugzeugbauers ist in den zwei Monaten von Anfang Januar bis Anfang März um satte 40 Prozent gestiegen. Ein Aufwind von dem dem der gesamte US-Leitindex profitiert hat, denn Boeing ist mit 10,57 Prozent der am stärksten gewichtete Titel im Dow, deutlich vor den anderen Schwergewichten wie UnitedHealth (6,43 Prozent), 3M (5,47 Prozent) oder Apple (4,73 Prozent).

Droht nun also die Rolle rückwärts? Tatsächlich war die Boeing-Aktie am gestrigen Montag zum Handelsauftakt in New York um über 13 Prozent eingebrochen, so dass zeitweise mehr als 30 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet wurden. Der zweite Absturz einer Boeing 737 Max 8 binnen Monaten sorgte für wachsende Zweifel an der Sicherheit des Flugzeugtyps und machte Anleger nervös.

Auch Dow ausgebremst

Dieser historische Kursrutsch bei Boeing bremste auch den Dow aus. Über eine Stunde nach Handelsbeginn notierte der Dow prozentual kaum verändert bei 25.482 Punkten, während die anderen US-Aktienindizes nach den jüngsten Verlusten wieder etwas Boden gutmachen konnten. Letztlich verdankte der Dow sein Plus am Montag von 0,79 Prozent den starken Tech-Titeln. So gewann Apple 3,46 Prozent und konnte den Rückgang der Boeing-Aktie teilweise ausgleichen.

Letztlich war es aber doch die Boeing-Aktie selbst, die den Dow ins Plus drehen ließ. Denn der Titel konnte einen Teil seiner im Zuge des tödlichen Flugzeugabsturzes erlittenen Anfangsverluste wieder aufholen. Die Aktien des US-Luft- und Raumfahrtriesen schlossen am Abend mit einem Minus von 5,4 Prozent.

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
312,40
Differenz relativ
-0,60%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
28.251,85
Differenz relativ
+0,47%

40 Prozent der Maschinen am Boden

Auch am Dienstag fällt der Kurs weiter. In der ersten Handelsstunde beträgt das Minus über fünf Prozent - was den gesamten Dow erneut belastet. Zwar gibt es nach dem Unglück in Äthiopien keine klare Reaktion der Luftfahrtbranche, doch haben mehrere Staaten, darunter China, Indonesien und Australien beschlossen, die Boeing-Modelle vorerst am Boden zu lassen oder ihnen keine Flugerlaubnis erteilt.

Fast 40 Prozent der bislang weltweit eingesetzten 371 Boeing 737 MAX heben dem Branchendienst Flightglobal zufolge vorübergehend nicht mehr ab, darunter knapp 100 Maschinen im größten Markt China. Bei deutschen Airlines ist die 737 MAX nach Angaben des Verkehrsministeriums bislang noch nicht im Einsatz.

Herber Schlag für Boeing

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Boeing-Aktie taumelt weiter nach unten

Für Boeing ist dies ein herber Schlag. Denn die auf weniger Spritverbrauch getrimmte Boeing 737-MAX-Reihe gilt als Verkaufsschlager. Die Maschine ist die Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten Boeing 737 und wird in der neuen Form mit größeren und sparsameren Triebwerken seit 2017 ausgeliefert. Erst im Dezember hatte eine saudi-arabische Fluggesellschaft 30 Maschinen bei Boeing bestellt, im Gesamtwert von 3,5 Milliarden Dollar. Die neue Boeing 737 MAX ist ein Konkurrenzmodell des Airbus A320neo, der sich ebenfalls gut verkauft.

Die US-Flugaufsichtsbehörde hat Boeing nun aufgefordert, angekündigte konzeptionelle Änderungen an dem Flugzeug bis April umzusetzen. Sie erklärte den Flugzeugtyp aber weiter für flugtauglich. Die Ermittlungen hätten erst begonnen und bislang lägen keine Informationen vor, die Schritte erforderlich machten, hieß es in einer Mitteilung der Behörde. Boeing sicherte zügige Änderungen an der Steuerungssoftware des betroffenen Flugzeugmodells zu. Der Konzern erklärte, schon vor Monaten damit begonnen zu haben, die Steuersoftware weiterzuentwickeln, "um ein jetzt schon sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen".

lg