Boeing 737 MAX 9

Ende des Flugverbots in Sicht Boeing 737 MAX steht vor der Wiederzulassung

Stand: 27.09.2020, 12:20 Uhr

Der Pannenflieger Boeing 737 MAX könnte bald wieder am Himmel auftauchen. Darauf deutet ein Prüftermin durch die US-Luftfahrtbehörde FAA. An der Börse gewann die Aktie schon vorher an Höhe.

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Mit einem Aufschlag von 6,83 Prozent auf 156,03 Dollar war das Boeing-Papier am Freitag bester Wert im Leitindex Dow Jones. Denn in Sachen 737 MAX bewegt sich etwas, worauf die Anleger sofort elektrisiert reagierten.

Wie die USA-Luftfahrtaufsicht FAA am Freitag in Washington mitteilte, will Behördenchef Steve Dickson am 30. September persönlich einen Testflug mit der Maschine durchführen. Dickson ist selbst ehemaliger Pilot, der lange für die United States Air Force und Delta Air Lines flog.

Eine wichtige Hürde

Im Wiederzulassungsverfahren des wegen zwei Abstürzen mit 346 Toten seit über anderthalb Jahren mit Startverboten belegten Boeing-Jets ist der "Administrator's Flight" des FAA-Chefs eine der letzten Hürden und von großer symbolischer Bedeutung. Das weltweite Flugverbot für die 737 MAX gilt seit März 2019.

Bevor die Maschine wieder für den Betrieb zugelassen wird, sind der Behörde zufolge jedoch noch ein paar weitere abschließende Schritte erforderlich. Die FAA betont stets, bei der Rezertifizierung der 737 Max keinen festen Zeitplan zu verfolgen und den Flieger erst wieder für den Passagierbetrieb zuzulassen, wenn alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt seien.

Auch andere internationale Aufsichtsbehörden wie die europäische EASA haben noch ein Wort mitzureden, damit die 737 Max wieder im internationalen Luftverkehr zum Einsatz kommen kann. "Zum ersten Mal seit anderthalb Jahren lässt sich sagen, dass ein Ende der Arbeit an der MAX in Sicht ist", sagte Easa-Chef Patrick Ky am Freitag bei einer Video-Pressekonferenz. Es werde geprüft, "wie wir die MAX bis Ende des Jahres wieder in Betrieb nehmen können".

Diese Woche berieten FAA, EASA sowie ihre Pendants aus Kanada und Brasilien bereits gemeinsam über Boeings Vorschläge hinsichtlich des Pilotentrainings vor der Wiederinbetriebnahme. Ermittler gehen davon aus, dass die Abstürze durch ein Problem in einem Stabilisierungssystem verursacht wurden, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.

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Auch wurden weitere technische Probleme entdeckt, darunter in der elektrischen Verkabelung. Boeing hat inzwischen technische Veränderungen vorgenommen, unter anderem wurde die Software des Stabilisierungssystems überarbeitet. Boeing wollte die Probleme eigentlich längst behoben haben, stattdessen kamen jedoch neue Mängel hinzu. Die FAA hatte ihre heiße Testphase zur Wiederzulassung bereits Anfang Juli abgeschlossen.

Für Boeing von großer Bedeutung

Die 737 MAX gilt als großer Rivale der Airbus-Verkaufsschlager A320 und A320neo. Das Flugverbot für den Mittelstreckenjet hat den Konzern aus Seattle entsprechend schwer getroffen und auch die Boeing-Aktie heftigen Turbulenzen ausgesetzt. Die im Dow Jones-Index enthaltene Aktie stand vor der Verhängung des Flugverbots immerhin bei 440 Dollar auf Rekordhoch. Erschwerend kommt aktuell für Boeing, wie auch für die ganze Branche, die Corona-Krise hinzu. Diese drückt die Nachfrage der Fluglinien nach neuem Fluggerät.

rm/dpa/afp