Neuer Chef bei BMW? Klaus Fröhlich (l.) und Oliver Zipse

Aufsichtsrat macht es spannend BMW: Wer wird der neue Chef?

Stand: 16.07.2019, 09:03 Uhr

Im US-Werk in Spartanburg wird am Donnerstag der neue Vorstandschef des Münchener Autokonzerns gekürt. Mit Produktionschef Oliver Zipse und Entwicklungschef Klaus Fröhlich gibt es gleich zwei heiße Kandidaten aus dem eigenen Hause.

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Der bisherige BMW-Chef Harald Krüger hat nach vier Jahren das Handtuch geworfen. Als Nachfolger gesucht und wohl schon gefunden wurde ein führungsstarker Teamplayer und Ingenieur aus dem eigenen Haus. "Ich bin mir sicher, dass das Unternehmen und die Arbeitnehmer eine einvernehmliche Lösung anstreben", so der Münchner IG-Metall-Chef Horst Lischka, der am Donnerstag als Mitglied des BMW-Aufsichtsrats mitentscheidet.

Die Quandts entscheiden

Hauptentscheider sind aber freilich Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, Betriebsratschef Manfred Schoch und natürlich die Geschwister Susanne Klatten und Stefan Quandt, denen die Hälfte der BMW-Aktien gehört.

Der neue Konzernlenker steht gleich unter einigem Druck: Elektromobilität, Autonomes Fahren, völlig neue Wettbewerber wie Google, Uber oder chinesische Unternehmen stellen die Autobauer vor enorme Herausforderungen.

Zwei Ingenieure für den Chefsessel

Oliver Zipse, BMW

Oliver Zipse, BMW. | Bildquelle: picture alliance/Tobias Hase/dpa

Als Favoriten für den Posten gelten zwei Maschinenbau-Ingenieure, die unter Krüger 2015 in den Vorstand aufrückten: Produktionschef Oliver Zipse und Entwicklungschef Klaus Fröhlich. Zipse verantwortet das mit Abstand größte Ressort im BMW-Konzern mit seinen gut 130.000 Mitarbeitern. Vor einem Monat erst eröffnete er in Mexiko das 31. BMW-Werk. Zipse muss auch mit den Gewerkschaften und Betriebsräten auskommen und dafür sorgen, dass von München über Shenyang bis Spartanburg 7.000 Autos täglich immer so vom Band laufen, wie die Kunden es gerade wollen, ob als großer Diesel-SUV, Hybrid oder als Batterieauto. Der 55-jährige Manager gilt als ruhig, sachlich und durchsetzungsstark.

Klaus Fröhlich, BMW

Klaus Fröhlich, BMW. | Bildquelle: picture alliance/Tobias Hase/dpa

Konkurrent Klaus Fröhlich ist bereits 59 Jahre alt, er wäre laut Beobachtern daher wohl eher ein Chef für eine Übergangszeit. Aber als Entwicklungschef hat Fröhlich die Zukunftstechnologien vorangetrieben, Partnerschaften mit dem US-Chipkonzern Intel und mit dem Stuttgarter Konkurrenten Daimler geschlossen, um selbstfahrende Autos möglichst bald auf die Straße zu bringen, ohne die Kosten ins Uferlose wachsen zu lassen.

Der Zwang zum Elektroauto

BMW ist quasi gezwungen, bald viel mehr Hybride und Elektroautos zu verkaufen, um Strafzahlungen in der EU zu vermeiden, will aber nicht alles auf eine Karte setzen, um auf die Entwicklung der Kundennachfrage flexibel reagieren können. Weder Zipse noch Fröhlich würden diese Strategie von heute auf morgen über den Haufen werfen, heißt es aus dem Unternehmen. Aber der Stil könnte sich rascher ändern. Der neue Anführer könnte vielleicht etwas breitbeiniger auftreten und einfach sagen, wo's lang geht.

Beobachter spekulieren, ob Fröhlich bleibt, wenn Zipse den Vorzug bekommt. Sollten Zipse oder Fröhlich den Chefposten bekommen, müsste ihr Ressort auf jeden Fall neu besetzt werden.

AB/dpa-AFX