BMW X6-Montage in Spartanburg, South Carolina USA
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Zölle sind ein Eigentor BMW und GM warnen Trump

Stand: 02.07.2018, 09:38 Uhr

Eine klare Ansage an US-Präsident Trump: BMW warnt vor den Folgen von Zöllen. Investitionen könnten kleiner ausfallen, Arbeitsplätze verloren gehen. Und selbst US-Autokonzerne wie GM warnen Trump.

Trump wettert seit Jahren gegen die starke Präsenz deutscher Autos auf Amerikas Straßen. Jetzt wieder: "Es ist furchtbar, was sie uns antun. Sie schicken einen Mercedes herein, wir können unsere Autos nicht herein schicken." Am Sonntag klagte er im Interview des Senders "Fox News". Er wetterte gegen die ganze EU. "Die EU ist möglicherweise so schlimm wie China - nur kleiner." Europa verkaufe Autos in die USA, US-Hersteller hätten es dagegen viel schwerer, ihre Produkte in die EU zu verkaufen.

Trump hatte Ländern wie China und Deutschland mehrfach gedroht, den Handelskonflikt weiter eskalieren zu lassen. Auch Zusatzzölle auf in die USA gelieferte Autos sind im Gespräch.

BMW: Zölle schaden den USA

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Jetzt schickte BMW eine Antwort. In einem Brief an Handelsminister Wilbur Ross warnten die Bayern vor möglichen Kürzungen von Investitionen und dem Verlust von Arbeitsplätzen in den USA im Falle von US-Importzöllen auf ausländische Autos. Die Erhebung von Zöllen würde weder das Wachstum noch die Wettbewerbsfähigkeit der USA stärken. Jegliche US-Zölle würden voraussichtlich zu weiteren Vergeltungsmaßnahmen durch die Europäische Union und China führen. Zudem würden höhere Zölle auf in die USA importierte Bauteile Produktionsstandorte außerhalb der USA wettbewerbsfähiger machen. Damit würden die Kosten für den Autoexport aus den USA deutlich steigen.

BMW hat einen Produktionsstandort in South Carolina, der Unternehmensangaben zufolge weltweit der größte ist und mehr als 70 Prozent in andere Märkte exportiert.

Sorgen von GM & Co

Trump will mit seinen Zöllen die heimische Autoindustrie schützen. Doch selbst die hält dies für den falschen, da für sie schädlichen Weg. Sollte die Regierung die Handelsschranken für Autohersteller erhöhen, so berge dies Risiken, die auch in den USA der Wettbewerbsfähigkeit schaden und zu Jobverlusten führen könnten, warnte der größte US-Autohersteller General Motors am Freitag. Importzölle auf ausländische Autos könnten letztlich zu einem "kleineren GM" führen.

Zuvor hatte bereits der Lobbyverband Auto Alliance, zu dem neben GM auch Branchengrößen wie Ford, Toyota oder Volkswagen zählen, vor hohen Kosten für Verbraucher gewarnt.

»Zölle auf Autos und Autoteile erhöhen die Preise für Kunden, sie vermindern die Auswahl und laden Handelspartner zu Vergeltungsmaßnahmen ein.«

Appell von Auto Alliance

20 Prozent Zoll auf europäische Autos?

Trump hat angedroht, auf europäische Autos einen 20-prozentigen Einfuhrzoll zu erheben, sollte die EU Handelsbarrieren nicht abbauen. Vor rund einem Monat hatte die US-Regierung eine Untersuchung angestoßen, ob die Autoimporte eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellten. In dem Fall könnten die USA Strafmaßnahmen verhängen.

Die USA wollen noch im Juli die Prüfung abschließen, ob sie höhere Zölle auf die Einfuhr von Autos erheben sollen. Die Untersuchung werde in drei bis vier Wochen beendet sein, hatte Trump am Freitag angekündigt.

EU droht - und verhandelt

Die versucht sich an der Gratwanderung. Laut der Zeitung "Financial Times" hat sie dem US-Handelsministerium eine Warnung geschickt. Es drohe ein ausgewachsener Handelskrieg mit weltweiten Vergeltungsmaßnahmen in Höhe von 300 Milliarden Dollar. Dem von der Zeitung zitierten Papier zufolge weist die EU-Kommission auch auf die Arbeitsplätze in der US-Autoindustrie hin, die davon betroffen sein könnten.

Zugleich sucht die EU, den Handelskonflikt zu entschärfen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker plant noch für diesen Monat eine Reise nach Washington, um über einen Ausweg aus dem Streit zu sprechen.

Fakten zu ungleichen Zölle

Autos aus der EU werden in den USA bislang mit 2,5 Prozent Zöllen belegt, umgekehrt sind es für US-Automobile in der EU zehn Prozent. Allerdings erheben die USA 25 Prozent auf Lastwagen und Pick-ups, während diese in den EU mit durchschnittlich 14 Prozent belegt werden.

bs