BMW Zentrale
Audio

Verschärfter Sparkurs BMW: Die Einschläge kommen näher

Stand: 20.03.2019, 10:22 Uhr

Vorgewarnt hatte BMW schon länger. Jetzt kündigt der Autobauer einen deutlichen Rückgang des Vorsteuerergebnisses für dieses Jahr an - und antwortet darauf mit einem verschärften Sparkurs.

In seiner Rede auf der Bilanzpressekonferenz kündigte Vorstandschef Harald Krüger für das laufende Jahr an, ein schon länger laufendes Sparprogramm deutlich auszuweiten. Bis Ende 2022 sollen insgesamt mehr als zwölf Milliarden Euro eingespart werden.

Ohne Personalabbau wird dieses Ziel wohl nicht erreicht werden können, mutmaßen Experten. Konzernchef Krüger deutete zunächst keinen expliziten Stellenabbau an, wie das etwa Volkswagen getan hat, und betonte, die Mitarbeiterzahl solle trotz der Einstellung von IT-Spezialisten in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung, autonomes Fahren und Elektromobilität auf Vorjahresniveau bleiben.

Mitarbeiterzahl zunächst stabil

Doch er sagte auch: "Wir haben eine gegenüber den Vorjahren erhöhte natürliche Fluktuation aufgrund geburtenstarker Jahrgänge." Das gebe BMW die Möglichkeit, sich stärker auf die Zukunftsthemen auszurichten und Effizienzen zu heben.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,66
Differenz relativ
+1,17%

Finanzchef Nicolas Peter ergänzte, BMW habe mit Blick auf die zahlreichen Zusatzbelastungen frühzeitig begonnen gegenzusteuern und bereits tiefgreifende Entscheidungen getroffen. Die Mitarbeiterzahl soll in diesem Jahr nicht weiter steigen, ab 2021 sollen allerdings bis zu 50 Prozent der heutigen Antriebsvarianten entfallen.

Marge zwischen sechs und acht Prozent

Im laufenden Jahr soll die in der Autobranche viel beachtete Marge vor Zinsen und Steuern inzwischen 6 und 8 Prozent betragen. Damit könnte die Profitabilität im Kerngeschäft von den schwachen 7,2 Prozent im Vorjahr noch einmal deutlich sinken.

Grund für den Rückgang sind sowohl hohe Investitionen in die Elektromobilität als auch steigende Herstellungskosten wegen schärferen Abgasregeln. Zudem würden Wechselkurse und steigende Rohmaterialpreise vermutlich mit bis zu einem höheren dreistelligen Millionenbetrag belasten. Hinzu kommen Herausforderungen wie der Brexit, Strafzölle zwischen China und den USA sowie eine sich abkühlende Konjunktur.

Vorsteuerergebnis dürfte deutlich sinken

Wegen ausbleibender Bewertungseffekte im Finanzergebnis dürfte auch das Vorsteuerergebnis gegenüber dem Vorjahreswert von 9,8 Milliarden Euro "deutlich" zurückgehen. Das bedeutet bei BMW ein Minus um mindestens zehn Prozent - also auf weniger als 8,9 Milliarden Euro. Analysten rechneten zuletzt mit knapp 9,3 Milliarden Euro.

Angesichts derart eingetrübter Aussichten, gehen auch die Anleger auf Distanz zu BMW. Die Aktie verliert am Vormittag über vier Prozent, obwohl sie schon seit Jahren unter den drohenden Umbrüchen in der Autobranche leidet.

lg