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Keine Vertragsverlängerung BMW-Chef nimmt seinen Hut

Stand: 05.07.2019, 12:15 Uhr

Schon seit Wochen hatte es Spekulationen um die Zukunft des BMW-Vorstandsvorsitzenden gegeben. Jetzt ist es offiziell: Die Tage von Harald Krüger als BMW-Chef sind gezählt. Auch einen Nachfolger soll es schon geben.

Krüger habe den Aufsichtsrat informiert, dass er seinen im April 2020 auslaufenden Vertrag als Konzernchef nicht verlängern wolle, teilte der Autobauer am Freitag mit. Der Aufsichtsrat werde sich auf seiner nächsten Sitzung am 18. Juli mit Krügers Nachfolge befassen.

Medienberichten zufolge soll Produktionsvorstand Oliver Zipse, 55, die Nachfolge von Krüger antreten. Die "FAZ" meldet unter Berufung auf Insider, Zipse werde den Job übernehmen. Zipse hatte von Krüger auch den Posten des Produktionsvorstands übernommen, als dieser 2015 als Nachfolger von Norbert Reithofer an die Spitze von BMW berufen worden war. Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, der ebenfalls als Kandidat für den Chefposten gehandelt worden war, solle sein derzeitiges Amt fortführen, hieß es in dem Bericht. BMW war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.

Brach der E-Boom Krüger das Genick?

Am Markt wird spekuliert, Krüger wolle mit dem heutigen Schritt einer drohenden Absetzung durch den Aufsichtsrat zuvorkommen. Krüger wird ein zu zögerlicher Umbau zur Elektromobilität vorgeworfen.

Krüger selbst erklärte am Freitag laut Mitteilung:

»Nach über zehn Jahren im Vorstand, davon mehr als vier Jahre als Vorstandschef der BMW Group, will ich mich nun beruflich neu orientieren.«

Schmachvolle Niederlage

Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, erklärte, er nehme "diese Information mit Respekt und Verständnis" entgegen.

Reithofer ist Krügers Vorgänger an der BMW-Spitze. Unter Reithofers Führung hatte BMW die Spitzenposition im weltweiten Verkauf von Premiumautos erobert. Diesen Platz musste der Konzern während Krügers Amtszeit 2016 an den Erzrivalen Mercedes-Benz aus dem Daimler-Konzern abtreten.

Überhaupt lief unter Krügers Ägide bei BMW nicht alles nach Plan. Nicht nur, dass die Münchener Zukunftstrends der Branche wie Elektromobilität und autonomes Fahren weitgehend verschliefen.

Renditeziele verfehlt, Aktionäre enttäuscht

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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69,34
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+3,85%

Vergangenes Jahr verfehlte der Autobauer in seinem Kerngeschäft auch erstmals seit der Finanzkrise die Renditeziele. Der Gewinn brach ein, die Dividende wurde gekürzt. Auch in diesem Jahr wird BMW sein mittelfristiges Ziel aller Voraussicht nach nicht erreichen.

Kein Wunder, dass Krüger von den eigenen Aktionären auf der Hauptversammlung im Mai ein schlechtes Zeugnis ausgestellt bekam.

Die BMW-Aktie reagiert kaum auf die heutige Personalie. Mit einem Minus von 30 Prozent auf Fünf-Jahres-Sicht gehört sie zu den schwächsten Dax-Werten.

ag