Logo auf der Fassade der BMW-Zentrale in München

Aller schlechten Dinge sind drei BMW: Weniger Jobs, weniger Investitionen, weniger Gewinn

Stand: 06.05.2020, 13:26 Uhr

Nach Volkswagen und Daimler hat nun auch BMW als letzter deutscher Autokonzern seine Aussichten gekappt. Die Münchner kündigten zudem Stellenstreichungen an, die Investitionen sollen deutlich zurückgefahren werden.

Das konnte nicht bis heute warten: Am Dienstagabend nach Börsenschluss, nur wenige Stunden vor der für Mittwoch geplanten Zahlenvorlage zum ersten Quartal, informierte BMW die Anleger über seine Prognosesenkung im Kerngeschäft. Im Segment Automobile erwartet der Dax-Konzern eine Ebit-Marge von nur noch 0 bis 3 Prozent.  

BMW rechnet also damit, je 100 Euro Umsatz im Autobau vor Zinsen und Steuern bestenfalls 3 Euro zu verdienen - im schlechten Fall aber auch gar nichts. Mitte März hatte BMW noch eine Ebit-Marge 2 bis 4 Prozent in Aussicht gestellt. Eigentlich streben die Münchner für diesen Bereich sogar eine Marge von 8 bis 10 Prozent an.  

Das Schlimmste kommt erst noch

"Ausschlaggebend dafür ist die Tatsache, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in zahlreichen Märkten länger anhalten und damit weitergehende Auswirkungen haben, als dies Mitte März absehbar war", heißt es in der Ad-hoc-Meldung. Die Absatzsituation habe sich nicht wie erhofft nach einigen Wochen wieder normalisiert. Vielmehr dürften sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie im laufenden zweiten Quartal voraussichtlich "besonders stark" zeigen.

Tatsächlich lassen die am Mittwochmorgen Zahlen zum ersten Quartal auf den ersten Blick nur erahnen, was BMW angesichts geschlossener Autohäuser und lahmgelegter Produktion möglicherweise noch alles bevorsteht. Der Konzernumsatz stieg in den ersten drei Monaten trotz deutlich gesunkener Autoverkäufe überraschend um 3,5 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro, was allerdings an internen Verrechnungen lag. 

Aktie fällt

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Unterm Strich sank der Gewinn um milde 2,4 Prozent auf 574 Millionen Euro. Dass der Gewinnrückgang nicht größer ausfiel, ist allerdings auch einem Basiseffekt geschuldet: Vor einem Jahr hatte eine 1,4 Milliarden Euro schwere Rückstellung für eine mögliche Kartellzahlung den Gewinn in der Autosparte gedrückt.  

Die BMW-Aktie reagiert mit deutlichen Verlusten auf die Zahlen zum ersten Quartal und die Prognosesenkung: Das Dax-Papier verliert bis zum frühen Nachmittag in der Spitze 4,4 Prozent auf 51,10 Euro. Damit belaufen sich die Kursverluste seit Jahresbeginn auf mehr als 30 Prozent.

Stellenstreichungen unklaren Ausmaßes

Um der Krise nun einigermaßen Herr zu werden, wählt BMW einen klassischen Weg: Kostensenkungen. Stellen sollen wegfallen, heißt es aus München. Die Ziele sollten mit einer Mitarbeiterzahl erreicht werden, die leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen werde. Das Unternehmen werde durch Fluktuation frei werdende Stellen nutzen, um den Personalumbau voranzutreiben.  

Wie viele Stellen dem verschärften Sparkurs zum Opfer fallen könnten, dazu machte BMW zunächst keine Angaben. Ende 2019 hatte der Konzern nach alter Zählung knapp 134.000 Mitarbeiter, auf Basis einer neuen Definition rund 126.000. 

Investitionskürzungen - ein zweischneidiges Schwert

Doch nicht nur Stellenstreichungen sollen die Kostenseite entlasten, auch die Investitionen sollen merklich reduziert werden. Finanzchef Nicolas Peter sagte, dass BMW in diesem Jahr die Investitionen von 5,7 Milliarden auf unter 4 Milliarden Euro drücken will. 

Auch wenn das die Bilanz kurzfristig entlasten dürfte: Investitionskürzungen sind ein zweischneidiges Schwert, könnten sie die Münchner doch langfristig im Wettrennen um Elektromobilität und andere Zukunftstrends der Automobilbranche nach hinten werfen - gerade auch in Konkurrenz mit Tesla und den großen amerikanischen Technologiekonzernen.

ag

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BMW Rapp Motor Logo

1917
Die Geschichte der Bayerischen Motoren Werke beginnt mit einer Umfirmierung. BMW geht aus dem Münchner Flugzeugmotoren-Hersteller Rapp Motorenwerke hervor. Der Name änderte sich. Die technischen Anlagen, die Vermögenswerte und die Belegschaft blieben zunächst gleich. Zunächst hatte BMW gar kein eigenes Logo. Das Hauptgeschäft bestand in der Produktion und der Wartung von Flugmotoren für die im Ersten Weltkrieg stark expandierende deutsche Fliegertruppe.